Beim Strom werden jetzt ganz andere Preise gemacht

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Die nächste Stromrechnung dürfte wieder für schlechte Laune sorgen. Dabei ist der extrem hohe Preis in Deutschland längst nicht die ganze Geschichte. Denn während Haushalte jeden Cent zweimal umdrehen, gelten an anderer Stelle plötzlich ganz andere Regeln. Und die haben es in sich.
Beim Strom werden jetzt ganz andere Preise gemacht
Beim Strom werden jetzt ganz andere Preise gemachtBildquelle: Westlight / shutterstock.com

Der Brief vom Strom-Anbieter liegt noch ungeöffnet auf dem Küchentisch. Man weiß schon, was drinsteht, bevor man ihn aufreißt: Nachzahlung. Schon wieder. Man rechnet kurz nach, ob man wirklich so viel verbraucht haben kann. Dann blättert man durch die Positionen „Netzentgelte“, „Stromsteuer“, „Umlage“. Alles Begriffe, die irgendwie bekannt klingen und die trotzdem niemand erklären kann, wenn man ihn danach fragt. Am Ende zahlt man einfach.

Strom in Deutschland: Warum so teuer?

Dabei ist Strom in Deutschland inzwischen so teuer wie kaum irgendwo sonst. Im zweiten Quartal 2026 kostete die Kilowattstunde für deutsche Haushalte durchschnittlich 35,6 Cent. Das reicht für Platz vier von 144 untersuchten Ländern. Teurer ist der Strom nur in Irland, auf Bermuda und in Belgien.

Unter den G20-Staaten ist Deutschland damit Spitzenreiter. In Italien kostet die Kilowattstunde 34,5 Cent, in Großbritannien 32,4. Frankreich kommt mit 23,3 Cent davon, die USA mit 18,3. China liegt bei 6,7 Cent. Vor fünf Jahren kostete Strom in Deutschland noch 31,8 Cent. Ein Plus von zwölf Prozent.

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Die Erklärung ist seit Jahren ähnlich: Nur etwa ein Drittel des Strompreises entfällt überhaupt auf die Erzeugung. Der Rest steckt in Netzentgelten, Steuern und Umlagen. Das klingt nach einem Naturgesetz. Nach etwas, das eben so ist und alle gleichermaßen trifft. Es klingt gerecht. Doch das ist es nicht.

5 statt 35 Cent: Aber nicht für alle

Seit dem 16. April 2026 ist es amtlich: Die EU-Kommission hat grünes Licht für einen deutschen Industriestrompreis gegeben. Für energieintensive Unternehmen wird der Strompreis auf 50 Euro pro Megawattstunde gedeckelt. Das sind 5 Cent pro Kilowattstunde. Nicht 35,6 Cent, wie jeder deutsche Bürger im Schnitt bezahlt. Fünf.

Rund 9.500 energieintensive Betriebe sollen von dem billigen Strom profitieren. Bis 2028 sind dafür 3,8 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds vorgesehen. Der Privathaushalt zahlt derweil weiter Netzentgelte, Stromsteuer und Umlagen. Den vollen Preis.

Auch die mittelständische Industrie, die von der Fünf-Cent-Regelung nicht erfasst wird, zahlt im Schnitt nur rund 16 Cent. Tendenz fallend. Wer komplett draußen vor der Tür steht, ist ausgerechnet das Handwerk.

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Der Bäcker mit seinen Öfen. Die Kfz-Werkstatt mit der Hebebühne. Der Friseursalon mit Föhn und Trockenhaube. Betriebe, die Strom brauchen, weil sie arbeiten. Nur gibt es für sie keinen Sonderpreis. Sie zahlen den vollen Satz und konkurrieren mit Industriebetrieben, die für dieselbe Kilowattstunde weniger als ein Fünftel hinlegen müssen.

Strom sollte günstiger werden

Im Koalitionsvertrag stand etwas anderes. Die Stromsteuer sollte für alle sinken, auch für private Haushalte, und schnellstmöglich auf das europäische Mindestmaß reduziert werden. Daraus wurde nichts. Ab 2026 wird die Stromsteuer dauerhaft für Industrie sowie Land- und Forstwirtschaft gesenkt. Für private Haushalte bleibt der Strom teuer.

Eine Senkung für alle hätte den Bund nach den damaligen Berechnungen rund 5,4 Milliarden Euro gekostet. Der Industriestrompreis kostet 3,8 Milliarden. Als die Grünen im April 2026 einen Gesetzentwurf einbrachten, um auch Haushalte bei der Stromsteuer zu entlasten, lehnte der Bundestag ihn ab. Der SPD-Abgeordnete Michael Thews begründete die Ablehnung mit dem Hinweis, die Strompreise seien „gar nicht angestiegen“.

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Man kann diesen Satz mehrmals lesen und stolpert jedes Mal. Spart man den starken Sprung 2022 auf über 43 ct/kWh infolge des Ukraine-Kriegs und extrem hoher Großhandelspreise aus, ist der Preis für Strom in den vergangenen 10 Jahren kontinuierlich gestiegen.

Regierung bricht Versprechen

Handwerkspräsident Jörg Dittrich formulierte es weniger akademisch. Die Koalition „bricht ihr Versprechen“, sagte er. Gemeint waren genau jene Betriebe, die vom Industriestrompreis ausgeschlossen bleiben.

Für die Haushalte gibt es stattdessen einen Zuschuss von 6,5 Milliarden Euro, mit dem der Bund ab 2026 einen Teil der Netzentgelte übernimmt. Die Entlastung verteilt sich auf Millionen Haushalte und fällt je nach Region unterschiedlich aus. Ein paar Euro im Monat, aber bei Weitem kein Strompreis von 5 Cent. Wäre die Stromsteuer für alle gesenkt worden, hätte ein Haushalt mit 4.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch fast 100 Euro im Jahr sparen können.

Wer zahlt, wer nicht

Am Ende ist die Sache einfach: Wer mit Standortverlagerung und Arbeitsplätzen drohen kann, bekommt einen günstigeren Strompreis. Wer seinen Betrieb nicht ins Ausland verschieben kann, zahlt den vollen Satz. Jeder Haushalt zahlt ihn. Der Bäcker zahlt ihn. Und die Werkstatt auch. Und über Steuern finanziert derselbe Haushalt einen Teil der Entlastung der anderen mit.

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