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Autokrise: VW zieht die Notbremse – und opfert wohl Kernmarke

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Volkswagen steht vor dem größten Umbau seiner Geschichte. Und der könnte deutlich härter ausfallen als bislang bekannt. Tausende Jobs, vier Werke und möglicherweise sogar Seat stehen auf der Kippe. Was hinter dem radikalen Zukunftsplan steckt, ist brisant.
VW-Logo an der Front eines Autos. KI-generiert
VW muss sich sanieren. Und das hat massive Folgen.Bildquelle: inside digital

Der Aufsichtsrat der Volkswagen Group (VW) hat einstimmig dem vom Vorstand ausgearbeiteten „Zukunftsplan 2030“ zugestimmt. Laut Konzern startet bald das tiefgreifendste Umbauprogramm der VW‑Geschichte. Zwölf Initiativen sollen VW profitabler und schneller machen. Der Preis ist hoch: Rund 50.000 Stellen sollen konzernweit wegfallen, inklusive Management-Positionen.

Bemerkenswert ist die Formulierung. VW spricht ausdrücklich von einem Abbau „über die bestehenden Programme hinaus“. Zur Erinnerung: Erst im Dezember 2024 hatte sich der Konzern mit der IG Metall auf mehr als 35.000 gestrichene Stellen bei der Kernmarke bis 2030 geeinigt. Dazu kamen Sparprogramme bei Audi und Porsche.

Vier Werke ohne Perspektive

Das Wort „Werksschließung“ vermeidet VW in einer aktuellen Mitteilung. Trotzdem wird es für vier Standorte eng: Für Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm sieht der Konzern gestaffelt ab 2031 bis 2034 „keine wettbewerbsfähige Folgebelegung“. Man prüfe „alternative Verwendungsmöglichkeiten“. Pikant dabei ist: Emden und Zwickau sind zentrale E-Auto-Werke. Die 2024 gegebene Zusage, alle deutschen Werke zu erhalten, scheint hinfällig. In Europa beziffert VW die Überkapazität auf 500.000 Fahrzeuge; bis Ende Juni 2027 soll ein neues Produktionskonzept stehen.

Und dabei könnte laut einem noch unbestätigten Gerücht ein weiterer Hammer folgen: die Aufgabe der Marke Seat. Ein besonders symbolträchtiger Einschnitt taucht in der offiziellen Mitteilung von VW übrigens noch gar nicht auf: Mehreren Medienberichten zufolge – allen voran der „Wirtschaftswoche“, die aus internen Vorstandsunterlagen zitiert – soll die spanische Traditionsmarke Seat bis spätestens Ende 2029 auslaufen. Sie werde nicht mehr als Teil des „Zielbilds 2030“ geführt.

Der Konzern wolle Komplexität und Investitionskosten in der Kern-Markengruppe senken und stattdessen voll auf die profitablere Schwestermarke Cupra setzen, heißt es. Die hat Seat mit frischerem Design und sportlicherem Ansatz längst überholt. In Zahlen heißt das: Im ersten Halbjahr 2026 lieferte Cupra rund 170.100 Fahrzeuge aus, Seat nur noch 129.600.

VW selbst kommentiert die internen Papiere offiziell nicht. Bestätigt sich der Schritt, verschwindet nach fast vier Jahrzehnten unter VW-Regie eine Marke, die Modelle wie Ibiza und Leon europaweit bekannt gemacht hat. Branchenkenner sehen darin aber auch eine vertane Chance: Als günstige Einstiegsmarke à la Dacia hätte Seat gerade im hart umkämpften Billigsegment noch eine Rolle spielen können.

Ehrgeizige Ziele, offene Fragen

Finanziell peilt VW bis 2030 eine operative Rendite von 9 Prozent an (rund 31 Milliarden Euro), bei einem Absatz von 9 Millionen Autos pro Jahr. Für Sachanlagen sowie Forschung und Entwicklung sind 135 Milliarden Euro (2027 bis 2031) eingeplant. Das Ziel ist sportlich: 2025 verbuchte der Konzern einen deutlichen Gewinneinbruch und ist von 9 Prozent Rendite zuletzt weit entfernt. Bis 2035 will VW zudem die Modellpalette um rund 50 Prozent und die Angebotskomplexität um 75 Prozent zusammenstreichen – für Kunden dürfte die Auswahl also spürbar schrumpfen.

Ein Detail geht fast unter: Der Aufsichtsrat will seine Zustimmungsvorbehalte künftig auf „wesentliche“ Entscheidungen beschränken und die Schwellen an die DAX-Praxis angleichen. Heißt: Der Vorstand bekommt mehr Freiheit, das Kontrollgremium tritt einen Schritt zurück. Konkrete Investitionen werden ohnehin erst in der „Planungsrunde 75“ final beschlossen. Vieles bleibt vorerst also nur eine Ankündigung.

Kommentar

Von Hayo Lücke

Auf dem Papier überzeugt mich der Plan. Der Verpackung traue ich jedoch nicht. "Starkes Signal", "Verantwortung für Arbeitsplätze": Solche Sätze lese ich, während im selben Dokument 50.000 Stellen und vier Werke ohne Folgeauftrag stehen. Dass VW das Wort Schließung meidet, macht es für die Beschäftigten in Emden, Zwickau oder den beiden anderen betroffenen Werken in Hannover (VW Nutzfahrzeuge) oder Neckarsulm (Audi) nicht besser. Ökonomisch mag der Umbau nötig sein. Ehrlicher wäre es, ihn auch so zu nennen. Ob 9 Prozent Rendite realistisch sind, zeigt sich erst, wenn aus Ankündigungen echte Entscheidungen werden.

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