Samsung Galaxy Watch4 Classic im Test: Fremde Handys mag sie nicht

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Mit der Samsung Galaxy Watch4 ist dem koreanischen Hersteller zweifelsfrei ein großer Wurf gelungen. Im Test der Uhr zeigen sich aber auch Schwächen, die man vor einem Kauf auf jeden Fall kennen sollte.
Samsung Galaxy Watch4 Classic Front
Eine Smartwatch der Oberklasse: die Samsung Galaxy Watch4 Classic im Test.Bildquelle: Hayo Lücke / inside digital

Schlicht und edel sieht sie aus, die neue Samsung Galaxy Watch4 Classic. Ausgestattet mit einem runden und 1,4 Zoll (3,56 cm) großen AMOLED-Touchscreen, einer drehbaren Lünette und einem Aluminium-Gehäuse vermittelt die Smartwatch schon auf den ersten Blick ein hochwertiges Erscheinungsbild. Und auch technisch weiß sie zu gefallen. Denn als eines von nur wenigen Wearables am deutschen Markt bietet die neue Galaxy Watch unter anderem die passende Zertifizierung, um auch ein Elektrokardiogramm (EKG) des Herzens ihres Trägers zu erstellen. Und on top lässt sich mit der Uhr neben Puls und Blutsauerstoffsättigung (SpO2) unter anderem auch der Blutdruck messen. Aber dazu später mehr.

Denn erst muss die Uhr bereit gemacht werden, für die alltägliche Nutzung. Im Zusammenspiel mit einem Galaxy-Smartphone von Samsung und der darauf installierten Galaxy Wearable App ist das ein Kinderspiel. Die App installiert im Laufe des kurzweiligen Installationsprozesses ein sogenanntes Galaxy Watch4 Plugin auf dem Smartphone und koppelt die Uhr automatisch per Bluetooth mit dem Handy. Viel mehr als 10 Minuten nimmt die Einrichtung der neuen Galaxy-Smartwatch nicht in Anspruch.

Samsung Galaxy Watch4 Classic hat ein großartiges Bedienkonzept

Über allen Zweifeln erhaben ist das intuitive Bedienkonzept der Samsung Galaxy Watch4 Classic. Durch das Menü der von dir festgelegten Widgets navigierst du nämlich entweder über den Touchscreen oder aber über die drehbare Lünette. Im Handumdrehen kannst du so unter anderem das passende Widget für den installierten Schlaftracker, der Wettervorhersage oder des Stresslevel-Managers erreichen. Das ist intuitiv, zuverlässig und einfach gut umgesetzt.

Jederzeit ist es möglich, deiner Vitaldaten auf der Uhr selbst zu erkunden. Das wird aber erst im Zusammenspiel mit der Samsung Health App auf dem Smartphone zu einem echten Erlebnis. Denn hier kannst du noch sehr viel detaillierter analysieren, wie sich im Tagesverlauf dein Puls entwickelt hat, wie viel Stress du ausgesetzt warst und wie die exakten Vitalwerte während deiner Trainings aussahen. Auch eine Schlafanalyse kannst du einsehen, sofern du deine Uhr nachts getragen haben solltest.

Über eine Community-Funktion ist es in der Samsung Health App zudem möglich, gegen Freunde in Fitness-Wettkämpfen anzutreten oder Trainingspläne für einen allgemein gesünderen Lebensstil zu nutzen. In wöchentlichen Zusammenfassungen kannst du sehen, wie sich dein Fitness-Zustand im Laufe der Zeit (hoffentlich) verbessert.

Etwas störend: Die nützliche EKG- und Blutdruck-Funktion der Samsung Galaxy Watch4 Classic kannst du nur nutzen, wenn du auf deinem Smartphone zusätzlich die App Samsung Health Monitor installierst. Eine Integration in die Samsung Health App wäre in unseren Augen schöner gewesen. Die Funktion zur Messung des Blutdrucks steht zudem erst nach einer entsprechenden Kalibrierung über eine handelsübliche Oberarm-Blutdruck-Manschette zur Verfügung.

EKG-Funktion auf der Samsung Galaxy Watch4 Classic
Mit der Samsung Galaxy Watch4 Classic ist es auch möglich, eine EKG-Funktion zu nutzen.

Umfangreiche Gesundheits-Features

Die auf der Rückseite der Uhr verbauten Sensoren bieten aber noch viel mehr an Extras. So kannst du innerhalb weniger Sekunden auch eine Körperzusammensetzung erstellen lassen und so unter anderem aufschlussreiche Details dazu erfahren, wie viel Fett und Wasser in deinem Körper schlummern. Dreifarbige Balken geben dir Aufschluss darüber, ob du deinen Lebensstil bereits gut pflegst oder ob du vielleicht die eine oder andere Optimierung in deinen Alltag einfließen lassen solltest.

Ein neues Training kannst du über das passende Widget natürlich jederzeit manuell starten. Die Samsung Galaxy Watch4 Classic ist aber auch mit einer automatischen Workout-Erkennung ausgestattet, die zuverlässig funktioniert. Praktisch ist das vor allem bei Wanderungen oder Spaziergängen, wo man schon mal gerne die Aktivierung des Trackings vergisst. Insgesamt stehen mehr als 90 Workout-Profile zur Verfügung.

Und weil die Uhr auch wasserdicht ist, gehören natürlich auch zahlreiche Wassersportarten dazu. Neben (Freiwasser)Schwimmen zählen optional auch Sportprofile wie Tauchen, Wasserski oder Windsurfen dazu. Doch Vorsicht: Die Samsung Galaxy Watch4 Classic ist offiziell nur wasserdicht bis 5 ATM nach ISO Standard 22810. Schon das Springen vom Beckenrand ins Wasser kann dazu führen, dass die Dichtungen der Uhr nicht mehr halten. Du solltest die Uhr deswegen allenfalls für klassische Schwimm-Workouts nutzen.

Wir haben die Samsung Galaxy Watch4 Classic vor allem für das Tracking von Jogging-Runden und im Rahmen von Spaziergängen genutzt. Die GPS-Genauigkeit fällt präzise aus, der Pulssensor bietet ebenfalls zuverlässige Werte. Beim Joggen zeigt die Uhr auf den ersten Blick nur die Dauer des laufenden Trainings, die zurückgelegte Strecke und das aktuelle Lauftempo an. Ferner den aktuellen Pulswert. Letzterer wechselt die Farbe, sobald du einen neuen Herzfrequenzbereich erreichst.

Workout-Anzeige auf der Samsung Galaxy Watch4 Classic
Workout-Darstellung auf der Samsung Galaxy Watch4 Classic.

Weitere Details wie etwa die schon verbrannten Kalorien, die durchschnittliche Geschwindigkeit oder tiefergehende Informationen zu den Herzfrequenzbereichen siehst du erst, wenn du auf dem Bildschirm nach oben wischst oder die Lünette drehst. Das ist zuweilen etwas umständlich, aber trotzdem noch gut in der Praxis umsetzbar.

Die Akkulaufzeit unter WearOS bleibt ein Problem

Ein großes Problem von Wearables auf Basis von WearOS war, ist und bleibt leider die Akkulaufzeit. Wenn du auf der Suche nach einem Alltagsbegleiter am Handgelenk bist, der eine Woche oder mehr durchhält, solltest du um die Samsung Galaxy Watch4 Classic einen großen Bogen machen. Denn die Laufzeit der Uhr wird dich dann sehr enttäuschen.

Im Rahmen unseres Tests hielt der Akku der Samsung Galaxy Watch4 Classic mit Wohlwollen 1,5 Tage durch. Und das auch nur, wenn die Uhr nicht zu intensiv genutzt wurde. Das Aufzeichnen eines längeren Workouts und die Spiegelung von vielen Benachrichtigungen ans Handgelenk sorgt dafür, dass recht schnell auch schon nach weniger als 24 Stunden eine neue Energiezufuhr notwendig ist.

Gleiches gilt, wenn du dich dazu entschließt, an der Uhr das Always-on-Display zu aktivieren. Auch dann verlangt die Uhr bereits nach weniger als einem Tag, an eine Stromquelle angeschlossen zu werden. Ärgerlich ist das vor allem, wenn es unterwegs passiert. Unser Tipp: Nicht nur für dein Smartphone, sondern auch für deine Uhr eine Powerbank mitführen, um bei Bedarf eine Aufladung starten zu können.

Samsung Galaxy Watch4 Classic Rückseite
Auf der Rückseite der Samsung Galaxy Watch4 Classic ist der Sensor für das Tracking der Vitalparameter zu finden.

Apropos Wiederaufladung: Über das im Lieferumfang enthaltene magnetische Ladegerät (Wireless Charger) braucht die Uhr etwa 1,75 Stunden, um den 361 mAh großen Akku der Uhr von 5 auf 100 Prozent zu laden. Auffällig: Die Uhr rutscht leider recht schnell von dem Ladegerät, weil der Magnetismus viel zu schwach ist. Wirklich störend ist das aber nur selten.

Fazit: Eine Top-Smartwatch – aber nur mit Galaxy-Smartphones von Samsung

Test-Siegel zur Samsung Galaxy Watch5 Classic - 80 von 100 Punkten.

Es ist schon beeindruckend, wie sich die Samsung Galaxy Watch im Laufe der Zeit entwickelt hat. In der neuesten Ausführung bietet die Smartwatch als Galaxy Watch4 Classic viel von dem, was man von einer modernen, digitalen Armbanduhr erwartet; auch hinsichtlich der Fitness-Funktionen. Dazu gehört nicht nur ein großartiger Touchscreen, sondern auch eine intuitive Bedienung über die drehbare Lünette. Auch der Umfang an Extras ist riesig, denn zur Ausstattung gehören unter anderem auch ein Barometer und ein Kompass.

Als praktisch erweist sich zudem die Tatsache, dass du direkt auf der Uhr nicht nur Musik speichern kannst, sondern auch Apps. Sie stehen über den Google App Store zur Verfügung, der anders als auf Smartphones zwar noch nicht ganz so üppig gefüllt ist, aber unter anderem schon den Zugriff auf Apps wie Adidas Running, Spotify, Komoot oder Outdooractive möglich macht. Beeindruckend ist auch die Anzahl der verfügbaren Watchfaces. Jeder findet garantiert ein Ziffernblatt, das voll und ganz dem persönlichen Geschmack entspricht.

App-Übersicht auf der Samsung Galaxy Watch4 Classic
Die App-Übersicht auf der Samsung Galaxy Watch4 Classic ist nach den persönlichen Vorlieben sortierbar.

Abzüge wegen Kompatibilitätsproblemen

Theoretisch hätte die Samsung Galaxy Watch4 Classic in der Bewertung sogar noch weit besser abgeschnitten, doch enorme Kompatibilitätsprobleme führten zu einer Abwertung. Denn ärgerlich ist nicht nur, dass die Smartwatch nicht mit iPhones von Apple kompatibel ist. Auch die Tatsache, dass sie nicht mit allen Android-Smartphones lückenlos funktioniert, bereitete uns im Test Kopfzerbrechen.

Denn das Zusammenspiel mit einem Smartphone von Honor verweigerte die Uhr komplett und auf einem Nokia-Smartphone ließ sich nicht die App Samsung Health Monitor installieren – die für wichtige Features wie die EKG- oder Blutdruck-Funktion aber unerlässlich ist. Erst nach einer Kopplung mit einem Samsung Galaxy A51 funktionierte die Smartwatch so, wie man es sich von ihr verspricht; und dann uneingeschränkt gut.

Mit anderen Worten: Vollständig zu empfehlen ist die Samsung Galaxy Watch4 Classic nur denjenigen, die ein Samsung-Smartphone nutzen. Allen anderen raten wir eher zu einer Smartwatch von anderen Herstellern. Etwas Garmin, Suunto oder Polar. iPhone-Nutzer sollten natürlich auch den Einsatz einer Apple Watch prüfen.

Vorteile

  • flüssige, ruckelfreie Performance auf Basis von Wear OS
  • fantastisches AMOLED-Display
  • praktische Widget-Auswahl über drehbare Lünette
  • Blutdruck- und EKG-Funktion integriert
  • verschiedene Analyse-Funktion (Körper, Schnarchen etc.)
  • ab Werk mit verschiedenen Google-Diensten ausgestattet
  • präzise Pulsmessung und GPS-Genauigkeit
  • NFC für mobiles Bezahlen integriert

Nachteile

  • nicht mit iPhones und auch nicht mit allen Android-Smartphones kompatibel
  • schwache Akkulaufzeit (im Schnitt nur etwa 1,5 Tage)
  • Wireless Charger mit einem nur sehr schwachen Magnetismus ausgestattet (Uhr verrutscht darauf sehr schnell)
  • Vollständige Analyse-Funktionen nur über die Samsung Health App
  • Anzahl der verfügbaren Apps direkt auf der Uhr selbst ist noch überschaubar

Was kostet die Samsung Galaxy Watch4 Classic?

Erhältlich ist die Samsung Galaxy Watch4 Classic in verschiedenen Varianten. Einerseits mit 46 mm großem Gehäuse, andererseits eine 42-mm-Version – wahlweise in Schwarz oder Silber. Zusätzlich hast du die Wahl zwischen einer WLAN-fähigen Version oder aber du entscheidest dich für jene Variante, die zusätzlich auch mit einer LTE-Anbindung ausgestattet ist. Dann lässt sich die Uhr mit einem zusätzlichen Datentarif zum Beispiel auch nutzen, um unterwegs ohne gekoppeltes Smartphone Musik zu streamen oder zu telefonieren.

  • LTE-Version Samsung Galaxy Watch4 Classic (46 mm) 443 Euro (Preisvergleich)
  • LTE-Version Samsung Galaxy Watch4 Classic (42 mm) 412 Euro (Preisvergleich)
  • WLAN-Version Samsung Galaxy Watch4 Classic (46 mm) 354 Euro (Preisvergleich)
  • WLAN-Version Samsung Galaxy Watch4 Classic (42 mm) 318 Euro (Preisvergleich)

Bildquellen

  • Samsung Galaxy Watch4 Classic im Test – EKG-Funktion: Hayo Lücke / inside digital
  • Samsung Galaxy Watch4 Classic im Test – Training: Hayo Lücke / inside digital
  • Samsung Galaxy Watch4 Classic Test Rückseite: Hayo Lücke / inside digital
  • Samsung Galaxy Watch4 Classic Test – Apps: Hayo Lücke / inside digital
  • Suunto 9 Peak im Test: Hayo Lücke / inside digital
  • Samsung Galaxy Watch4 Classic Test: Hayo Lücke / inside digital
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