Jabra Elite 5 im Test: Können diese 150 Euro-Kopfhörer mit AirPods und Co. mithalten?

8 Minuten
Jabra hat sich mit den Elite 5 auf der IFA Anfang September in der Mittelklasse neu aufgestellt. Sie versprechen, einiges besser zu machen, als das Flaggschiff Elite 7 Pro. Doch in welchen Bereichen können die In-Ear-Kopfhörer für 150 Euro wirklich glänzen? Das zeigt der Test.
Die Kopfhörer der Jabra Elite 5 im Detail
So gut sind die Jabra Elite 5.Bildquelle: Simone Warnke/inside digital

Jabra gehört zu den traditionellen Marken, wenn es um Kopfhörer und anderes Audio-Equipment geht. Das jüngste Top-Modell der Dänen sind die In-Ear-Kopfhörer Elite 7 Pro, die mit sogenannter Knochenschalltechnik arbeiten. Das bietet das neue Modell Elite 5 nicht. Dennoch machen die Kopfhörer rein technisch einiges besser als das Oberklasse-Modell. Der Test zeigt, ob die Jabra Elite 5 ihr Versprechen halten können.

Jabra Elite 5: Diese Technik steckt im Gehäuse

Die harten Fakten gleich zu Beginn: Im Inneren der Elite 5 zeichnet sich ein 6 Millimeter-Treiber für den Klang verantwortlich. Zusätzlich kannst du diesen noch an dein Ohr anpassen und mithilfe einer App samt Equalizer verfeinern – doch dazu später mehr. Weiterhin ist der aptX-Codec mit an Bord, der Musik verlustfreier und CD-Qualität via Bluetooth in dein Ohr bringen soll. Bereits hier liegt ein Vorteil der Elite 5 gegenüber der Elite 7 Pro, die nur SCB und AAC-Codecs bieten.

Neben Active Noise Cancelling (ANC) haben die Elite 5 außerdem insgesamt sechs Mikrofone integriert, die für Feedback und Feedforward genutzt werden. Was heißt das? Ein Teil der Mikrofone ist nach außen gerichtet, der andere Teil in dein Ohr hinein. Damit sollen Geräusche primär gezielter unterdrückt werden. Zum Schutz vor Staub und geringen Mengen Wasser sind die Kopfhörer mit IP55 zertifiziert. Zum Aufladen ist ein USB-C-Anschluss verbaut.

So komfortabel sind die In-Ear-Kopfhörer

Jabra entscheidet sich bei den Elite 5 für ein recht klassisches Kopfhörer-Design. Anstelle eines Stegs sind Elite 5 beinahe dreieckig, letztlich aber oval geformt und glänzendem wie matten Plastik. An einem Ende windet sich der Kopfhörer an sich heraus, den du direkt in dein Ohr manövrieren kannst. Sind diese Art von In-Ear-Kopfhörern oft schwierig für vor allem kleine Ohren zu tragen, schaffen hier die Silikon-Aufsätze beim Tragekomfort Abhilfe. Sie sorgen für einen sicheren und leichten Halt in der Ohrmuschel, was die Benutzung der Kopfhörer komfortabel macht. Auch bei Sporteinheiten halten die Elite 5 noch gut im Ohr, je nach Ohrform wackeln sie nach dem Joggen oder Ähnlichem jedoch ein wenig, sodass du sie wieder zurechtrücken musst.

Ein Kopfhörer der Jabra Elite 5 in einer Hand.
Die Kopfhörer der Jabra Elite 5 sind komfortabel fürs Ohr geformt.

Bedienung der Jabra Elite 5

Auch wenn es vielleicht zur Gewohnheit geworden ist, musst du dein Smartphone nicht aus der Tasche holen, wenn du deine Musik über die Jabra Elite 5 steuern willst. Was andere über B-Touch-Gesten regeln, löst Jabra über einen physischen Button. Das heißt, du steuerst alles über einen beherzten Klick auf den Kopfhörer – und das geht sogar bei beiden Kopfhörern. Denn du kannst beide Hörer individuell mit Funktionen belegen. Generell gilt aber: Via Klicks kannst du so Lieder überspringen oder Anrufe entgegennehmen. Und was ist mit der Lautstärke? Auch die kannst du direkt am Hörer regulieren, was nicht viele Kopfhörer bieten.

Darüber hinaus integrieren die Dänen eine Spotify Tab Back-Funktion, was bedeutet, dass du den Streaming-Dienst per Knopfdruck direkt starten kannst. Das funktioniert reibungslos, denn sobald du die Elite 5 mit deinem Handy verbindest, öffnet sich Spotify automatisch und spielt die zuletzt gehörte Musik ab. Zusätzlich erkennen die In-Ear-Kopfhörer, wenn du sie aus dem Ohr nimmst; sie stoppen automatisch.

Hier hakt es teilweise: Stoppt die Musik in den meisten Fällen, fehlt für den automatischen Musikstart die Auto-Play-Funktion. Dementsprechend muss man dann selbst Hand anlegen.

Jabra Sound+: Vielfältige App

Zu den Kopfhörern dazu gehört zusätzlich eine eigene App: Jabra Sound+. Die App ist kein Muss, empfiehl sich bei der Nutzung aber allemal. Beim ersten Mal, wenn sich die Elite 5 mit deinem Handy verbinden, kannst du die Kopfhörer an dein eigenes Gehör optimal anpassen. So lassen sich nicht nur die Klänge mittels Equalizer anpassen, sondern auch das ANC. Du kannst verschiedene Modi ausprobieren und etwa das ANC für ein Ohr verstärken. So balanciert sich das Hörerlebnis fast bis in Perfektion aus.

Da es sich bei den Elite 5 jedoch um Mittelklasse-Kopfhörer handelt, spart der Hersteller an einigen Funktionen in der App. So fehlt etwa der Ohren-Test oder auch der Fit-Test, bei dem festgestellt wird, welche Größe für einen optimalen Klang sorgen. Das konnte man beispielsweise noch mit den Elite 7 Pro austesten.

Screenshots der Jabra Sound+ App
Die Jabra Sound+ App samt Einstellungen.

Ausgewogener Klang mit Abstrichen

Das wichtigste beim Kauf von Kopfhörern: der Klang. Die Elite 5 können hier einiges leisten, fallen in einigen Bereichen hinter anderen Modellen zurück. Doch der Reihe nach. Im Allgemeinen ist der Klang der In-Ear-Kopfhörer recht ausgewogen. Sie schaffen es, einen breiten Frequenzbereich abzudecken und brillieren vor allem bei Höhen. Auch Gesang wird ordentlich herausgearbeitet und differenziert ans Ohr getragen. Zeitgleich schaffen es die Dänen aber auch nicht, sich in einem Bereich herauszustellen.

Vor allem bei basslastiger Musik fehlt der Druck und die Musik klingt vielmehr dumpf und weit weg. Teilweise klingen Songs so, als höre man sie in einer leeren Halle. Im Speziellen ist der Sound der Elite 5 eher kühl denn warm und lässt hier und da eine kristallklare Definition vermissen. Einzelne Passagen gehen vor allem dann verloren, wenn die Lautstärke nicht bis zum Anschlag aufgedreht ist. Dennoch muss erwähnt sein, dass die Kopfhörer im Hinblick auf die Lautstärke gut aufgestellt sind und Musik nicht so laut aufgedreht werden muss, dass man Ohrenschmerzen bekommt.

Auch das Active Noise Cancelling (ANC) macht nur teilweise gelungene Arbeit. Trotz Anpassungen dringen nach wie vor viele Geräusche von Außen in den Musikgenuss. Vor allem, wenn man in Bus oder Tram sitzt, drängeln sich Maschinengeräusche immer wieder dazwischen. Das mag aber auch den Silikonaufsätzen geschuldet sein, die nicht perfekt mit dem Ohr abschließen. Im Transparenz-ANC-Modus nimmt man – gewollt – somit noch mehr Umgebungsgeräusche wahr, als sowieso schon.

Die Kopfhörer der Jabra Elite 5 im Detail
So gut sind die Jabra Elite 5.

Telefonate und der Wind

Die nach Innen gerichteten Mikrofone, die wir zu Beginn beschrieben haben, sollen vor allem beim Telefonieren über die Elite 5 helfen. Dadurch, dass sie teils nach Innen, teils nach Außen gerichtet sind, sollen sie Geräusche gezielter unterdrücken können – zum Beispiel dann, wenn um dich herum der Wind saust und du in dem Moment mit jemandem telefonierst. Die nach innen gerichteten Mikrofone sorgen dann dafür, dass der Wind herausgeschnitten und deine Stimme weiterhin klar übertragen wird.

Was in der Theorie gut klingt, funktioniert in der Praxis nicht so optimal. Bei Wind hört die Person am anderen Ende der Leitung – richtig, Wind. Die Stimme geht im Rauschen unter, sodass man sich eine ruhige Ecke suchen musst. In einer solchen Umgebung kann Jabra sein Versprechen allerdings halten und beide Stimmen dringen deutlich ans Ohr.

Sticht hervor: der Akku

Das ovale Ladecase der Elite 5 kann entweder mittels USB-C-Ladekabel aufgeladen werden oder auch gänzlich kabellos. Dabei dauert das Laden von 0 auf 100 Prozent vergleichsweise lange, nämlich ganze drei Stunden. Im Notfall kannst du die Kopfhörer allerdings per Schnellladekabel aufladen: Laut Herstellerangaben reichen 10 Minuten, damit die Kopfhörer erneut für eine Stunde Musik wiedergeben. Dreimal kann man die Kopfhörer insgesamt in dem Ladecase aufladen, bevor alles erneut an den Strom muss.

Die Jabra Elite 5 im Ladecase
Bis zu dreimal lassen sich die Jabra Elite 5 im Ladecase aufladen.

Jabra selbst gibt bis zu sieben Stunden Laufzeit bei aktivem ANC an. Ist die Geräuschunterdrückung deaktiviert, sollen sogar neun Stunden möglich sein. Diese Werte können im Praxistest durchaus bestätigt werden. Hört man Musik mit ANC während eines normalen Arbeitstages, reichen sie fast für die gesamten acht Stunden.

Fazit zu den Jabra Elite 5

150 Euro. So viel verlangt Jabra für seine brandneuen Elite 5. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist fair und ausgewogen. Ausgewogen ist hier das Stichwort: Die In-Ear-Kopfhörer können ein ausgewogenes Bild im Praxistest abgeben. Sie schaffen es, alle Frequenzbereiche abzudecken und vor allem bei Höhen zu glänzen. Allerdings können die Elite 5 in keinem der Bereiche herausstechen, lassen Klangbilder oft undefiniert und lassen vor allem Bässe dumpf anstatt kräftig klingen. Das verbaute ANC funktioniert in der Regel gut, könnte mit einem perfektem Abschluss in der Ohrmuschel durch passende Silikonaufsätze noch besser arbeiten.

Hinsichtlich der Akkulaufzeit können sich viele Konkurrenzmodelle eine Scheibe von den Elite 5 abschneiden. Auch was Passform und Bedienung anbelangt. Summa summarum bieten die Jabra Elite 5 viele Komfortpunkte und Funktionen. Sie richten sich durch das recht unauffällige Klangbild aber wohl in erster Linie an jene, die nebenher Musik hören wollen und nicht so viel Geld in die Hand nehmen wollen. Eine ernsthafte Konkurrenz für Apples AirPods und Co. werden die Elite 5 jedoch nicht.

Testsiegel Jabra Elite 5

Pros

  • Schöne Passform
  • Komfortable und praktische Bedienung
  • Ausgewogenes Klangbild
  • Lange Akkulaufzeit

Kontras

  • Wenig Wumms bei Bässen
  • Abstriche bei App-Anbindung
  • Langes Laden
  • Kein Auto-Play

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