EarFun Air Pro im Test: In-Ear-Kopfhörer mit ANC und tollem Klang für 22 statt 70 Euro?

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Wer nach günstigen In-Ear-Kopfhörern mit ANC sucht, wird bei Amazon vermutlich über die EarFun Air Pro stolpern. Das hat einen kuriosen wie fragwürdigen Grund. Der Test zeigt was dahintersteckt. Und selbstverständlich auch, was du vom Klang erwarten kannst.
EarFun Air Pro im Test
EarFun Air Pro im Test: In-Ear-Kopfhörer mit ANC und tollem Klang für 22 statt 70 Euro?Bildquelle: Blasius Kawalkowski

Der Markt für Kopfhörer boomt. Neben Traditionsherstellern wie Sony, Bose oder Sennheiser gibt es unzählige Marken aus China, die Online-Shops mit günstigen Modellen fluten. Dazu gehört auch EarFun. Mit dem Modell „Air Pro“ bietet man in erster Linie bei Amazon ein Modell an, über das man zwangsläufig stolpert, wenn man auf der Suche nach In-Ear-Kopfhörern ist. Im letzten Teil des Tests verraten wir dir, warum das so ist. Doch wie gut sind Kopfhörer, die bei Amazon fast 2.500 Bewertungen haben und mit 4,5 von 5 Sternen beziffert werden?

Passform und Bedienung der Kopfhörer

Um es kurz zu machen: Die EarFun Air Pro sitzen ziemlich gut im Ohr. Der Hersteller liefert sie mit Ohrpolstern in drei Größen aus. So ist für fast jedes Ohr etwas dabei. Die Silikonaufsätze sind weich und schmiegen sich in den Gehörgang. Dabei wollen sie weder immer wieder in die Lauscher geschoben werden, noch neigen sie dazu, herauszufallen oder langsam herauszurutschen. Sie erinnern an die Huawei Buds Pro, die eine ähnliche Passform haben. Auch hier drücken die Kopfhörer nicht und gewährleisten auch bei längeren Musiksessions einen hohen Tragekomfort.

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Die Bedienung ist etwas grobschlächtig. Einfaches Tippen auf die Kopfhörer reicht nicht. Man muss schon ordentlich mit dem Zeigefinger darauf hämmern. Die Funktionen dabei sind überschaubar. Zweimal rechts anschlagen und die Musik pausiert oder wird fortgesetzt. Drei Schläge links und man wechselt zwischen den drei Modi ANC, Normal und Ambient Mode. Eine Lautstärkeregelung ist ebenso wenig möglich wie das Zurückspringen zum Liedanfang. Eine Verbindung mit mehreren Geräten parallel ist nicht möglich.

Tippen reicht nicht: Um Musik zu pausieren, muss man ordentlich auf die EarFun Air Pro draufklopfen.
Tippen reicht nicht: Um Musik zu pausieren, muss man ordentlich auf die EarFun Air Pro draufklopfen.

EarFun Air Pro: der Klang

Neben der Passform und dem Tragekomfort spielt bei jedem Kopfhörermodell der Sound wohl die wichtigste Rolle. Die EarFun Air Pro sind bei maximaler Lautstärke nicht besonders laut. Zudem stellt man dann auch fest, dass der Ton verzerrt, unpräzise wird und der Bass an Substanz verliert. Reduziert man die Lautstärke auf 70 bis 80 Prozent, klingen die Bluetooth-Kopfhörer schon deutlich besser. Der Bass ist knackig und präzise und doch zurückhaltend. Mitten und Höhen stechen deutlich heraus. Der Gesang und Stimmen im Allgemeinen treten zu dominant auf. Stücke, bei denen Schlagzeuger auf Hi Hats einprügeln, klingen unausgewogen und schmerzen schon fast in den Ohren. Die Abstimmung im Allgemeinen ist sehr Mittenlastig, die Feinzeichnung und das Klangvolumen könnten besser sein.

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Darüber hinaus wirbt der Hersteller mit „Hybrid Active Noise Cancellation“. Wer aus dem normalen in den ANC-Modus umschaltet, wird aber kaum Veränderungen feststellen. Der dritte Modus, Ambient Sound, hat da schon etwas mehr drauf. Die Mikrofone der Kopfhörer nehmen Umgebungsgeräusche auf und verstärken sie. Hier können die EarFun Air Pro überzeugen.

Der Klang der Kopfhörer ist zum Preis von etwa 30 Euro in Ordnung.
Der Klang der Kopfhörer ist zum Preis von etwa 30 Euro in Ordnung.

Die Akkulaufzeit der Kopfhörer

Der Hersteller verspricht eine Akkulaufzeit von 7 Stunden mit eingeschaltem ANC und 9 Stunden ohne – mit einer Ladung. 23 weitere Stunden soll das Case liefern, in dem die Kopfhörer aufgeladen werden. Das Versprechen ist nicht aus der Luft gegriffen. Im Test kamen die EarFun Air Pro im ANC-Modus auf annähernd 7 Stunden. Aufladen lässt sich das Case inklusive Kopfhörern über das mitgelieferte USB-C-Kabel.

Preis-Leistung und eine fragwürdige Methode

Der Hersteller verlangt für die Kopfhörer regulär rund 70 Euro. Bis zum 30. Juni lassen sich bei Amazon mit dem Code „EARFUN21“ 11 Prozent sparen. Hinzu kommt ein 10 Euro Rabattgutschein, den man auf der Produktseite bei Amazon aktivieren kann. Somit kosten die EarFun Air Pro letztendlich „nur“ 52 Euro. Dieser Preis ist, für das was die Kopfhörer bieten, gerade noch akzeptabel. Ohne die Rabatte sind sie eindeutig zu teuer. Das weiß auch der Hersteller selbst und verleitet die Käufer mit einer fragwürdigen Methode zu einer positiven Bewertung. Nur so kommen bei Amazon fast 2.500 Bewertungen für die Kopfhörer einer eher unbekannten Marke zustande.

EarFun Air Pro: In-Ear-Kopfhörer im Test

Öffnest du die Verpackung der Kopfhörer, kommt dir ein visitenkartengroßer Amazon-Gutschein entgegen. Der Wert: 30 Euro. Die bekommst du allerdings nur, wenn du eine 5-Sterne-Bewertung bei Amazon schreibst und einen Screenshot davon an den Hersteller schickst. Zudem wird der Gutschein ungültig, wenn du diese fragwürdige Rabattaktion in der Rezension erwähnst, so wie wir es hier tun. Umgerechnet verkauft der Hersteller die Kopfhörer nach Abzug aller Rabatte für 22 Euro.

Zieht man das Analyse-Tool Reviewmeta zurate, das Fake-Rezensionen auf Amazon erkennt, wird schnell klar, warum die Kopfhörer derart viele Bewertungen haben. Rund 71 Prozent aller Bewertungen sind dem Tool zufolge potenziell unnatürlich. Von über 330 Rezensionen bleiben nach dem Filtern nur noch 97. Zudem zeigt die hohe Anzahl derjenigen Nutzer, die nur ein einziges, nämlich dieses Produkt, bei Amazon bewertet haben, dass der Gutschein eine große Rolle bei der Stern-Vergabe zu spielen scheint.

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Bildquellen

  • EarFun Air Pro im Test: Blasius Kawalkowski
  • EarFun Air Pro im Test: Blasius Kawalkowski
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