Diese Kopfhörer deutscher Audio-Experten liefern einen phänomenalen Klang

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Der Markt für Kopfhörer ist unglaublich groß. Von Modellen für 20 Euro bis weit über 200 Euro hinaus ist für jeden Geldbeutel etwas dabei. Wir haben die In-Ear-Kopfhörer eines ehemaligen Sound-Experten von Sennheiser getestet. Und sie haben das Zeug dazu, zu den besten Kopfhörern 2022 zu gehören.
Diese Kopfhörer deutscher Audio-Experten liefern einen phänomenalen Klang
Diese Kopfhörer deutscher Audio-Experten liefern einen phänomenalen KlangBildquelle: Blasius Kawalkowski / inside digital

In-Ear-Kopfhörer mit TWS-Funktion (True Wireless Stereo) sorgen seit einiger Zeit für Wirbel. Vergangenes Jahr wurden weltweit fast 300 Millionen solcher Geräte verkauft. Tendenz: steigend. Es gibt Modelle (etwa von Anker) schon für 30 Euro. Und dann gibt es auch TWS-Kopfhörer der Spitzenklasse, wie die Sony WF-1000XM4, die gut 220 Euro kosten. Oder auch die Grell TWS/1. Wir haben das Modell getestet, hinter dem ein ehemaliger Audio-Experte von Sennheiser steckt.

Die meisten dürften von der Marke Grell noch nie etwas gehört haben. Kein Wunder, gibt das Unternehmen noch nicht allzu lang. Der Gründer ist bei Audioenthusiasten allerdings kein Unbekannter. Viele Audio-Liebhaber kennen Axel Grell aus seiner Zeit bei Sennheiser, war er es, der maßgeblich bei der Entwicklung von beliebten Kopfhörer-Modellen wie den HD 580 oder HD 600 beteiligt war. Mit seiner eigenen Marke und den TWS/1 will Grell nun seine Vision umsetzen. Dabei soll aber nicht nur ein audiophiler Klang im Vordergrund stehen.

Material, Ausstattung und Akkulaufzeit

Bereits das Gehäuse, oft auch als Ladecase bezeichnet, kann beeindrucken. Es ist minimal größer als das der Sony WF-1000XM4, bietet aber eine deutlich bessere Verarbeitung. Der Hauptgrund: Statt Kunststoff ist das Case aus Aluminium. Das spürt man insbesondere beim Öffnen und Schließen des Deckels. Die hochwertige Verarbeitung setzt sich bei den Kopfhörern fort. Verstärkt wird der Eindruck durch die vielen Silikon- und Memory-Schaum-Polster, die sich im Lieferumfang befinden.

Grell TWS/1: In-Ear-Kopfhörer eines deutschen Klang-Experten im Test
Grell TWS/1: In-Ear-Kopfhörer eines deutschen Klang-Experten im Test

Die Grell TWS/1 besitzen dynamische 10-mm-Membranen, eine aktive Geräuschunterdrückung (ANC), einen Durchgangsmodus (Transparency) und eine eigens entwickelte Noise Annoyance Technik (NAR). Letzteres beschreibt das Unternehmen wie folgt: „In lauten Umgebungen blockieren die TWS/1 passiv mittlere und hohe Frequenzen. Um auch niedrige Frequenzen zu blockieren, kann ANC eingeschaltet werden. Allerdings macht eine starke Geräuschunterdrückung niedriger Frequenzen gleichzeitig hohe, unangenehmere Frequenzen deutlicher wahrnehmbar. Deshalb scannt die neue Noise Annoyance Reduction Technologie das Geräuschspektrum und steuert das ANC anhand eines psychoakustischen Modells, um unangenehme Effekte zu minieren.“

Grell TWS/1: In-Ear-Kopfhörer eines deutschen Klang-Experten im Test
Grell TWS/1: In-Ear-Kopfhörer eines deutschen Klang-Experten im Test

Hinzu kommen ein Spritzwasserschutz nach IPX4 und eine sechsstündige Akkulaufzeit der Kopfhörer mit eingeschaltetem ANC. Verzichtet man auf die Geräuschunterdrückung, sind bis zu 8 Stunden drin. Das Case hat ebenfalls einen integrierten Akku, der die Kopfhörer in etwa viermal wieder voll aufladen kann, ehe es selbst ans Ladegerät muss. Alternativ lassen sich Case und Kopfhörer auch kabellos via Qi aufladen. Die vom Hersteller angegebenen Akkulaufzeiten können wir bestätigen. Dreht man nicht voll auf, ist sogar noch ein Stündchen mehr drin.

Passform und Bedienung der Kopfhörer

Anfangs erscheint es ein wenig verwirrend, dass der rechte Kopfhörer sich im Case links und der fürs linke Ohr auf der rechten Seite befindet. Doch nach einer Weile hat man sich daran gewöhnt. Hat man anschließend aus den fünf mitgelieferten Ohrpolster-Paaren die richtigen gefunden und die Grell TWS/1 in den Gehörgang geschraubt, sitzen sie dort gut und sicher. Bei der Drück- und Dreherei kann es allerdings passieren, dass man bereits Funktionen aktiviert. Denn die großen runden Glaspanele reagieren berührungsempfindlich.

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Und wo wir gerade bei der Bedingung sind: Sie erfolgt über ebendiese runden Flächen. Während der linke Kopfhörer eher fürs ein- und ausschalten von ANC und anderen Funktionen zuständig ist, kann man über den rechten Kopfhörer die Musik steuern. Ob einen laufenden Song pausieren, Lieder überspringen oder die Lautstärke durch ein Streichen nach oben oder nach unten verändern: All diese Gesten lasse sich in der App Sonarworks anpassen. Apropos: In der App lassen sich nicht nur einige Funktionen verändern, hier gibt es auch Updates und einen ganz speziellen Equalizer. Der ist so besonders, dass wir ihn in unserem Ratgeber „Genialer Trick: So wird der Klang deiner Kopfhörer deutlich besser“ näher beleuchten.

Grell TWS/1: In-Ear-Kopfhörer eines deutschen Klang-Experten im Test
Grell TWS/1: In-Ear-Kopfhörer eines deutschen Klang-Experten im Test

Doch auch, wenn man die Touch-Funktionen auf sich und seinen persönlichen Geschmack zugeschnitten hat: Die Reaktionszeit könnte deutlich besser sein. Tippt man den Ohrhörer an, um die Musik zu pausieren, benötigt das Gesamtkonstrukt zwei bis drei Sekunden, ehe die Musik-Maschinerie zum Stehen kommt. In der Zwischenzeit denkt man, man hätte den Kopfhörer nicht richtig getroffen und tippt nochmals darauf. Was folgt, ist ein Play-Pause-Play-Rattenschwanz, der bei ungeduldigen Musikhörern beim Einspielen der Grell TWS/1 auch noch weiter in die Länge wachsen kann.

Die Grell TWS/1 und ihr Klang

Axel Grell und sein Team versprechen viel. „Für uns dreht sich alles um Emotionen, Gänsehaut und Bauchkribbeln. Ungefiltert, authentisch und schön. Schlicht in allem, außer im Klang“, heißt es von den Audio-Experten. „Wir entwickeln Kopfhörer für alle, die aus Leidenschaft genau hinhören. Und wir scheuen keinen Aufwand, um Ihnen exzellente Hörerlebnisse zu bieten. Denn wenn es um guten Klang geht, ist nur Perfektion gut genug.“ Perfektion ist es also, was Grell vollmundig verspricht. Doch kann er das Versprechen auch einhalten?

Grell TWS/1: In-Ear-Kopfhörer eines deutschen Klang-Experten im Test
Grell TWS/1: In-Ear-Kopfhörer eines deutschen Klang-Experten im Test

Um es kurz zu machen: Ja. Die In-Ear-Kopfhörer liefern einen phänomenalen Klang. In den Höhen fein auflösend und in den Tiefen – wenn man denn will – mit ziemlich viel Wumms. Und dazwischen die Mitten, die sowohl Instrumente voneinander trennen als auch den Gesang differenziert wiedergeben. Von Stoner Rock von Bands wie Monster Magnet oder Steak über Jazz-Stücke von John Coltrane und Miles Davis bis hin zu eher elektronischer Musik etwa vom neuen Archive-Album Super8: Die Kopfhörer brillieren mit einem Hörerlebnis, das man bei vielen anderen In-Ear-Modellen vergeblich sucht. Wer die Sonarworks-App auf die Bühne dazuholt, kann hier und da den Klang noch filigraner einstellen. Bass-verliebte sollten der Anwendung unbedingt eine Chance geben.

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Fazit: In-Ear-Kopfhörer mit grandiosem Klang

Grell TWS/1: In-Ear-Kopfhörer eines deutschen Klang-Experten im Test

Mit 200 Euro sind die Grell TWS/1 nicht gerade günstig und spielen zweifelsfrei in der High-End-Liga der In-Ear-Kopfhörer. Es ist vor allem der Klang, der für den anschließend leeren Geldbeutel entschädigt. Doch nicht nur dieser beeindruckt. Auch ANC, NAR und die gute Akkulaufzeit überzeugen. Hinzu kommt ein tolles Design samt Alu-Case, das sogar kabellos aufgeladen werden kann. Es gibt aber auch einen Makel. Die Bedienung über die großen Touch-Flächen der Kopfhörer könnte direkter und somit besser sein. Es wäre wünschenswert, wenn Grell hier per Software-Update nachbessern könnte.

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  • Grell TWS/1: In-Ear-Kopfhörer eines deutschen Klang-Experten im Test: Blasius Kawalkowski
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1 KOMMENTAR

  1. André Mondri

    Ist halt leider technisch veraltet. Kein BT 5.2 und kein Multipoint. Grell hat das Ding jetzt seit über einem Jahr am Markt ohne technisches Update.

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