Schon seit dem Jahr 2013 gibt es in Deutschland die dem Bundeskartellamt untergeordnete Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K). Sie sammelt die aktuellen Spritpreise der etwa 14.800 Tankstellen in Deutschland und gibt die Daten an zugelassene Verbraucher-Informationsdienste weiter. Sie sollen zum Beispiel in Form von Online-Diensten oder Smartphone-Apps für mehr Durchblick im Preisdschungel an den Tankstellen sorgen. Jetzt wurde von der MTS-K der Jahresbericht 2020 vorgestellt. Und der offenbart Erstaunliches. Die Spritpreise an den Tankstellen schwanken im Tagesverlauf nämlich so stark wie nie zuvor. Wer clever ist und zur richtigen Zeit sein Auto auftankt, kann viel Geld sparen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch der ADAC.
Preise für Benzin und Diesel schwanken immer häufiger
So konnte das Bundeskartellamt ermitteln, dass einzelne Tankstellen ihre Preise immer häufiger anpassen. Während es im Jahr 2020 und bis vor Kurzem meist fünf tägliche Preisspitzen gab, zeigten sich in den vergangenen Wochen vermehrt Veränderungen des typischen Tagesverlaufs. Ende März und Anfang April dieses Jahres habe es bei mehreren großen Marken zeitweise sechs Zeitspitzen gegeben.
Für den ADAC ist das „blankes Kalkül“. Die Mineralölkonzerne seien nur darauf bedacht, mit den häufigen Preissprüngen ihren Gewinn anzukurbeln. Außerdem warnt der ADAC vor gegenüber 2020 leicht verschobenen Preisspitzen. Erst das habe überhaupt die Möglichkeit geschaffen, die zusätzliche Preisspitze an den Tankstellen einzuführen. Dadurch sei das Preisgefüge an den Tankstellen zwar noch unübersichtlicher geworden, eine verlässliche Orientierung sei aber trotzdem noch möglich.
Eine weitere Erkenntnis der Marktbeobachter: An ein und derselben Tankstelle gibt es im Schnitt Preisunterschiede von etwa 12 Cent pro Liter am Tag. Vergleicht man alle Tankstellen in einer Stadt, gibt es im Schnitt sogar Preisunterschiede von bis zu circa 22 Cent pro Liter am Tag. Wer einen klassischen Pkw mit 50-Liter-Tank fährt, kann so mit nur einer Tankfüllung folglich satte 11 Euro sparen – wenn der richtige Zeitpunkt gewählt wird.
Wann ist das Tanken am günstigsten?
Am teuersten ist es, sein Auto morgens zwischen 5 und 8 Uhr zu tanken. Du solltest dein Auto also nach Möglichkeit nicht morgens vor der Arbeit mit neuem Brennstoff versorgen, sondern schon am Abend vorher. Denn die günstigsten Preise für Sprit sind laut Bundeskartellamt zwischen 18 und 22 Uhr zu bekommen. Allerdings solltest du dich nicht grundsätzlich darauf verlassen, dass ab 18 Uhr der Preis auch wirklich am günstigsten ist und nicht mehr steigt. Auch abends sind noch kleinere Preisanhebungen möglich.
Im Schnitt tankst du derzeit zwischen 18:30 Uhr und 19 Uhr sowie zwischen 20 und 22 Uhr am günstigsten. Das kann sich aber auch jederzeit wieder ändern. Denn die großen Mineralölkonzerne BP (Aral), Shell, Esso und Co. passen ihre Preise immer wieder gegen die Gewohnheiten der Autofahrer an.
Tagsüber zwischen 8 und 18 Uhr schwanken die Literpreise für Diesel und Benzin in Deutschland oft erheblich. Zu beobachten sei auch, so heißt es vom Bundeskartellamt und vom ADAC weiter, dass die Preise am späten Abend gegen 22 Uhr bei einem Großteil der Tankstellen, die dann noch geöffnet haben, wieder deutlich angehoben werden. Nachts verbleiben sie dann in der Regel auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Den Service, eine Tankstelle 24 Stunden geöffnet zu haben, lassen sich die Betreiber gut bezahlen.

Auffällig ist auch, dass klassisches Benzin (E5) gegenüber Biokraftstoff (E10) in den vergangenen Monaten wieder deutlich teurer geworden ist. Im Laufe des Jahres 2020 vergrößerte sich der Abstand zwischen den beiden Kraftstoffarten auf circa 5 Cent pro Liter. Aktuell liegt er teilweise sogar schon bei bis zu 6 Cent pro Liter. Bei entsprechender Eignung des Fahrzeugs ergeben sich auch hier Einsparmöglichkeiten von etwa 3 Euro pro Tankvorgang. Zwar verbraucht ein mit E10 betanktes Fahrzeug etwas mehr Sprit, laut ADAC liegt der Kraftstoffmehrverbrauch aber bei nur 1,5 Prozent.
Regional kaum noch Unterschiede auszumachen
Wenn du übrigens in einer Großstadt wohnst und darauf spekulierst, auf dem Land günstiger tanken zu können, verabschiede dich von diesem Gedanken wieder. Im Durchschnitt sind die Preisunterschiede zwischen städtischen und ländlichen Tankstellen gegenwärtig eher gering. Auf dem Land schwanken die Preise dem Vernehmen nach aber weniger häufig als in Großstädten.
Auch zwischen den verschiedenen Regionen in Deutschland gibt es laut Bundeskartellamt nur vergleichsweise geringe Preisunterschiede. Abgesehen von wenigen teureren beziehungsweise günstigeren Regionen etwa in Grenznähe beträgt die Preisdifferenz im Jahresmittel um die 5 Cent pro Liter.
Sehr viel Geld kannst du aber sparen, wenn du auf der Autobahn unterwegs bist und nicht an Autobahn-Tankstellen oder an Autohöfen tankst. Schon an Autohöfen liegt der Literpreis für Sprit laut Bundeskartellamt häufig 2 bis 5 Cent pro Liter über dem Durchschnitt in der Umgebung.
Richtig teuer ist das Tanken an Autobahn-Tankstellen. Hier musst du meistens etwa 25 Cent pro Liter mehr zahlen als an umliegenden Straßentankstellen. Es gebe allerdings einige wenige Autobahn-Tankstellen, die trotz ihrer Lage keine deutlich teureren Preise erheben. Tank-Apps können dabei helfen, sie ausfindig zu machen.

Tipp: Geld sparen mit Tank-Apps
Ein Ende der Preisschwankungen an Tankstellen ist derzeit nicht absehbar. „Man kann davon ausgehen, dass die richtige Tankstelle zur richtigen Zeit auch in Zukunft eine gute Wahl bleibt“. Das sagt Kartellamtschef Andreas Mundt und ergänzt: „Günstige Tankstellen bleiben zumeist relativ günstig, teure bleiben teuer“. Deswegen rät das Bundeskartellamt allen Autofahrern, möglichst häufig auch unterwegs die zur Verfügung stehenden Handy-Apps zu nutzen. Mit derer Hilfe ist es möglich, die günstigsten Spritpreise in der Umgebung zu ermitteln. Wir haben dir die besten Tank-Apps wie mehr-tanken, clever-tanken oder Bertha in einem Ratgeber bereits zusammengefasst.
Tendenziell wird das Tanken auch in Zukunft eher teurer als günstiger. Trotz der noch immer nicht überstandenen Coronapandemie liegen die Kraftstoffpreise inzwischen wieder auf dem Niveau von Anfang 2020. Neben dem Anstieg des Rohölpreises und anderen Faktoren sind laut Bundeskartellamt dafür unter anderem die Wiederanhebung der Mehrwertsteuer und die Einführung der CO2-Abgabe zum 1. Januar 2021 mitverantwortlich.
Wenn du ein Elektroauto fährst, musst du bisher in aller Regel keine Uhrzeiten beachten, um besonders günstig Strom laden zu können. Denn bisher gilt an öffentlichen Ladesäulen normalerweise ein Preis rund um die Uhr. Das könnte sich in Zukunft allerdings auch ändern, um die Ladesäuleninfrastruktur auch zu weniger stark nachgefragten Tageszeiten besser auslasten zu können. Dann könnte das Aufladen von E-Autos etwa spät abends oder nachts preiswerter sein als tagsüber. Noch ist das aber Zukunftsmusik. Die günstigere Alternative ist in jedem Fall das Aufladen deines E-Autos an einer Wallbox zu Hause. Oder du nutzt die Lade-Flatrate von elvah.