Netzausbau im Mobilfunk & Festnetz: Das plant die Telekom bei LTE, Glasfaser, VDSL und 5G

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Die Telekom ist unbestritten der Anbieter, der als einzelnes Unternehmen am meisten in die Netz-Infrastruktur investiert. Laufend gibt es Meldungen zu neuen Orten, die neuerdings VDSL bekommen oder zu neuen LTE-Sendemasten. Doch wie ist die allgemeine Strategie der Telekom? Wann kommt der Glasfaser-Anschluss für alle? Wann gibt es flächendeckendes LTE und wann startet 5G?
Bauarbeiter errichten einen Kabelverzweiger für VDSL
Bildquelle: Telekom

Wer über den Telekom-Netzausbau spricht, meint entweder das Festnetz oder das Mobilfunknetz. Doch letztlich gehören beide Netze zusammen – das ist einer der großen Vorteile des integrierten Anbieters. Die Telekom kann ihre Glasfaserleitungen gleichermaßen dafür verwenden, ihre Kunde per VDSL ans Netz zu bringen aber auch die Mobilfunk-Sendemasten anzubinden. Bagger, Fräsmaschinen und Bautrupps werden 2019 vielerorts das Netz erweitern. Glasfasern wollen gespleißt, Masten einbetoniert und Antennen verschraubt werden.

Der Festnetz-Breitbandausbau der Telekom

VDSL und Super Vectoring

Jedes Jahr investiert der Netzbetreiber mehrere Milliarden Euro, um das eigene Glasfaser-Netz auszubauen. Im Jahr 2017 seien es 5,4 Milliarden Euro gewesen. Europaweit ist das Telekom-Glasfasernetz mehr als 455.000 Kilometer lang. Wurden in den Jahren 2015 und 2016 pro Jahr rund 30.000 km Glasfaser verlegt, so waren es den Bonnern zufolge 2017 erstmals über 40.000 km. Damit hat das Bonner Unternehmen in einem Jahr mehr Glasfaserkilometer verlegt als das Gesamtnetz der Bundesstraßen in Deutschland an Kilometern hat. Zumeist dient das Netz jedoch nur als Transportnetz. Direkt bis zu den Kunden wird es selten verlegt

VDSL-Ausbau im Fokus: Der Nahbereich wird schneller

Die Telekom konzentriert sich aktuell auf den Ausbau ihres VDSL-Netzes, das es in drei Abstufungen gibt: VDSL mit 50 Mbit/s im Downstream, VDSL Vectoring mit 100 Mbit/s im Downstream und VDSL Super Vectoring mit 250 Mbit/s im Downstream. Den Unterschied zwischen den drei VDSL- Technologien hat inside digital in einem ausführlichen Hintergrundtext dargelegt.

Bis Ende 2019 will die Telekom etwa 70 Prozent der deutschen Haushalte und somit der potenziellen Telekom-Kunden mit bis zu 100 Mbit/s versorgen. Zusammen mit den Mitbewerbern sollen weiterhin mindestens 95 Prozent der deutschen Haushalte eine Mindestdatenrate von 50 Mbit/s bekommen. 2019 sollen fünf Millionen Haushalte, die bislang nur weniger als 50 Mbit/s bekommen mit entsprechend höheren Datenraten von mindestens 50 Mbit/s versorgt werden. Hierbei werden auch mehrere bislang weiße Flecken ohne jegliche DSL-Versorgung beseitig werden.

VDSL Vectoring wird derzeit in zahlreichen Städten errichtet. Hier waren bislang oftmals nur 50 Mbit/s möglich, während es in anderen Gebieten der Stadt schon 100 Mbit/s gab. Der Grund dafür ist ein technischer: Der Nahbereich der Vermittlungsstellen. Nach einem jahrelangen regulatorischem Hin und Her werden diese Bereiche, in denen etwa 6 Millionen Haushalte zu finden sind, nun ausgebaut. Bis Anfang 2020 sollen alle der insgesamt 7.600 Nahbereiche in Deutschland modernisiert werden. Rund 7.200 Nahbereiche wird die Telekom ausbauen und dabei knapp 6.000 Kilometer Glasfaser verlegen und mehr als 30.000 neue Multi-Service Access Nodes (MSAN) verbauen. Stand Oktober 2019 konnten 30 Millionen Haushalte in Deutschland VDSL mit 100 Mbit/s von der Telekom buchen.

Super Vectoring ist der Turbo für Vectoring. Hier muss keine Leitung mehr neu vergraben werden. Allerdings muss das Unternehmen Technik im Kabelverzweiger austauschen. Der Start für die 250-Mbit/s-Anschlüsse erfolgte im August 2018, im Oktober 2019 meldete der ehemalige Monopolist die Verfügbarkeit in 25 Millionen Haushalten. Bis Ende 2019 soll die Reichweite für Super Vectoring bei 28 Millionen Anschlüssen liegen.

Übrigens: Der Tarif für einen solchen Anschluss für schnelles Internet muss nicht aus der Produktserie Magenta Zuhause kommen. Wie beim klassischen DSL kann auch bei VDSL der Anschluss für das eigene Zuhause bei einem anderen Anbieter bestellt werden – beispielsweise bei Vodafone, O2 oder 1&1. Die günstigsten Angebote gibt es im Tarifrechner von inside digital.

Echter Glasfaseranschluss ist noch die Ausnahme

Die schnellste Anschlussart ist die echte Glasfaserleitung FTTH. Doch diese Anschlussform kommt bei der Telekom noch vergleichsweise selten zum Einsatz. Nach Branchenschätzungen gibt es bundesweit nur etwas mehr als 700.000 Anschlüsse, die technisch schaltbar wären.

Doch trotz des VDSL-Ausbaus hat man auch in Bonn erkannt, dass wohl kein Weg am Glasfaserkabel bis zum Kunden vorbeiführt. Auf der IFA 2018 man das Angebot gemacht, Berlin mit FTTH zu versorgen – allerdings nur, wenn ein Mitbewerber mitmacht und die Hälfte der Ausbaukosten zahlt. Bisher hat sich hier niemand gefunden.

Gleichzeitig erfolgt der Netz-Ausbau aber auch weiter an kleinen und großen Glasfaser-Projekten etwa in Bautzen, Vorpommern-Rügen und Naumburg/Saale mit zusammen 142.000 Haushalten. Ab 2021 plant die Telekom, jedes Jahr zwei Millionen Haushalte direkt mit Glasfaserleitungen anzuschließen. Konkrete Pläne für 2019 gibt es in Bautzen (61.000 Haushalte), im Märkischen Kreis (47.000 Haushalte) und in der Region Nordsachsen (45.000 Haushalte). Auch in und um Stuttgart sollen im Rahmen eines großen Digitalisierungsprojekts die ersten 30.000 Haushalte mit Glasfaser angebunden werden.

Wann baut die Telekom VDSL bei mir aus?

Einige Ausbaupläne, vor allem wenn sie in einem Zeitraum von einigen Monaten fertiggestellt werden, lassen sich in der Verfügbarkeits-Abfrage auf der Telekom-Webseite in Erfahrung bringen.

Der Mobilfunk-Netzausbau der Telekom

Die Ausbaupläne für 2019

Auch beim Mobilfunkausbau gilt das LTE-Netz der Telekom als Vorzeigenetz in Deutschland. Der LTE-Ausbau soll in 2019 weitergehen und die Netzabdeckung mit Hilfe von etwa 2.000 neuen Standorten erweitert werden. Diese Sender sind Bestandteil des 2018 bekanntgegebenen Plans, bis 2021 insgesamt 9.000 zusätzliche Sender zu bauen. Ein weiterer wichtiger Planungsschritt beim Mobilfunkausbau in 2019 ist die geplante Inbetriebnahme von Mobilfunkfrequenzen um 700 MHz.

Schwerpunkt des Breitbandausbaus im Mobilfunk in 2019 seien zum einen die ländlichen Regionen: Rund die Hälfte der neu geplanten Masten werde in ländlichen Gebieten gebaut. Besonders profitieren sollen Kunden in Bayern mit über 300 Standorten sowie Kunden in Baden-Württemberg und NRW mit jeweils über 250 Standorten. In Bayern und Nordrhein-Westfalen wurden in den vergangenen Jahren Mobilfunkpakte mit den Landesregierungen unterzeichnet.

Bessere LTE-Verfügbarkeit für Autobahn und Bahn

Ein weiterer Ausbaufokus im Mobilfunk liegt auf der Erhöhung der LTE-Verfügbarkeit an Autobahnen, Bundesstraßen und Zugstrecken. So soll der Empfang auf der A3 am Elsterberg und auch auf der A27 nahe Hamwiede bei Bremen besser werden. Ziel ist es, dass das Telekom-Netz Ende 2019 alle deutschen Autobahnen vollständig und lückenlos mit Sprachdiensten abdeckt. Auch Zugfahrer profitieren: Der weitere Ausbau entlang der Schiene beginnt 2019 zum Beispiel mit zwei neuen Standorten bei Hamm für die Bahnstrecke zwischen Dortmund und Hannover. Auch auf der Strecke Berlin – Rostock werde ein neuer Standort in Betrieb genommen.

95 Prozent der Bevölkerung bekommen heute bereits LTE. Das ist etwa 80 Prozent der Fläche. Doch dabei will man nicht stehenbleiben. Ende 2019 soll die Netzabdeckung 85 Prozent der Fläche und somit 98 Prozent der Bevölkerung erreichen, bis 2020 sollen es 99 Prozent der Bevölkerung sein. Das seien etwa 90 Prozent der Fläche, so die Telekom. Zum LTE-Netzausbau beitragen soll übrigens auch LTE 900, also LTE auf den bisherigen GSM-Frequenzen. Spezielle LTE-Tarife benötigen die Kunden hierfür nicht. Allerdings ist es wesentlich, dass der Mobilfunktarif überhaupt LTE unterstützt. Bei vielen Tarifen ist das bis heute nicht der Fall und das Smartphone kann nur GSM oder UMTS nutzen.

Mehr Kapazität mit Small Cells

Zu den insgesamt 36.000 Sendemasten im Jahr 2021 sollen noch weitere Small Cells kommen, die nur einen kleinen Bereich in Städten mit zusätzlicher Kapazität versorgen. Mit diesen kleineren „Verstärker-Antennen“ kann Netzkapazität dort erweitert werden, wo Kunden sie benötigen. Im Fokus des Ausbaus stehen Großstädte wie Hamburg, Berlin und München. Als Standorte von Small Cells dienen oft öffentliche Telefone. Den Start in diesem Jahr macht im Januar ein öffentliches Telefon mit einer Small Cell in der Düsseldorfer Altstadt. Zusätzlich werden in diesem Jahr Laternenmaste und Stadtmöbel als alternative Installationsoptionen pilotiert. In diesem Rahmen funkt bereits in Bad Honnef die erste Small Cell an einem Laternenmast.

Warum der Netzausbau manchmal länger dauert, hat Telekom-Deutschland-Chef Dirk Wössner gegenüber inside digital erklärt.

5G in fünf Städten gestartet

5G soll Festnetz und Mobilfunk vereinigen und auf eine neue Netzarchitektur setzen. Dabei werden bestehende Infrastrukturen wie LTE und Glasfaser integriert und reale Netzkapazitäten zu virtuellen Netzen zusammengeschaltet. 5G schafft die Grundlage für Zukunftstechnologien wie virtuelle Realität, autonomes Fahren und das Internet der Dinge. Die ersten Antennen gingen schon im Oktober 2017 in Berlin in den Betrieb – als erste in Europa. Dabei handelte es sich jedoch nur um ein Testnetz. Seit Sommer 2019 ist die Telekom jedoch mit ihrem realen Netz für Endkunden aktiv – allerdings nur in fünf Städten und hier auch nur punktuell. Dabei handel es sich um Berlin, Bonn, Darmstadt, Köln und München.

Bis Jahresende sollen rund 300 5G-Antennen an mehr als 100 Standorten gebaut und in Betrieb genommen werden. Dann sollen auch Hamburg und Leipzig 5G bekommen.Auch das reguläre Netz wird zunächst als 5G New Radio (5G NR) arbeiten und schafft Übertragungsraten von theoretisch zwei Gigabit pro Sekunde. Bis Ende 2020 sollen die 20 größten Städte Deutschlands mit 5G angebunden werden.  Nutzen kannst du 5G der Telekom, wenn du ein 5G-Handy und einen aktuellen Telekom-Tarif hast.

Ausbau von Gewerbegebieten mit Glasfaser

Die Versorgung von Gewerbegebieten mit FTTH soll an Geschwindigkeit zulegen, wenn ein entsprechendes Interesse der Gewerbetreibenden vorliege. In einer Reihe von Pilotstädten werden neue Ausbau- und Vermarktungsmethoden getestet.

Im September 2018 gab die Telekom bekannt, massiv in den Glasfaser-Ausbau für Gewerbegebiete zu investieren. „Wir schieben den Breitbandausbau weiter massiv an und bauen in diesem Jahr 100 Gewerbegebiete aus. In einer vierten Welle gehen wir mit weiteren 103 Gewerbegebieten, in der fünften Welle mit weiteren 163 Gewerbegebieten in die Vorvermarktung“, sagt Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden der Telekom Deutschland. „Unser Ziel für 2022 ist bundesweit 3.000 Gewerbegebiete in Deutschland mit FTTH an unser Glasfasernetz anzuschließen“, so Rickmann.

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2 KOMMENTARE

  1. „Ende 2019 soll die Netzabdeckung 95 Prozent der Fläche und somit 98 Prozent der Bevölkerung erreichen, bis 2020 sollen es 99 Prozent der Bevölkerung sein. Das seien etwa 90 Prozent der Fläche, so die Telekom“. Finde den Fehler 😂😂😂

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