Quizduell, Bear Grylls, GNTM und Co: So binden dich TV-Sendungen ins Geschehen ein

7 Minuten
In der Welt der heutigen TV-Sendungen hat der Zuschauer eine Stimme. Immer mehr Sendungen binden ihre Zuschauer vor dem Fernseher ins Geschehen ein. Wir zeigen dir, wie das bei einigen beliebten Sendungen im Detail ausfällt.
Sendungen binden Zuschauer ein
Sendungen binden Zuschauer einBildquelle: Unsplash

Die Zeit, in der Menschen rein passiv vor dem Fernseher saßen und der Handlung einer TV-Sendung nur zusahen, liegt längst hinter uns. In der heutigen Zeit, in der das Internet mit all seinen Inhalten viel mehr Möglichkeiten für Anwender bereitstellt, ist rein passiver Konsum kaum noch ein Anreiz. Um nicht von der Internetkonkurrenz verdrängt zu werden, setzen viele Sender auf iTV-Formate für interaktives Fernsehen – doch auch hier schläft die Online-Konkurrenz nicht.

Der Zuschauer als Teil der Sendung

Zuschauer aktiv in das Geschehen der Sendung einzubinden, ist im Grunde keine neue Idee. Die ersten Versuche reichen bereits in das Jahr 1969 zurück. Damals forderte man Zuschauer noch dazu auf, Elektro-Geräte einzuschalten und war darauf angewiesen, Partizipationswünsche am Stromverbrauch abzulesen. Mittlerweile liegt dieses Zeitalter hinter uns. Dank Telefonanrufen, SMS, E-Mails, Kommentarfunktionen und App-Anwendungen, ist es leichter als jemals zuvor, den Nutzer aktiv am Sendegeschehen teilhaben zu lassen. Das eröffnet nicht nur neue Möglichkeiten, sondern zwingt Sendungen förmlich dazu, die Stimme der Nutzer zu berücksichtigen, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Sendungen mit Zuschauerinteraktionen

Immer mehr Sendungen binden Zuschauer aktiv ins Geschehen ein. Das geschieht längst nicht mehr nur durch die klassischen Telefonanrufe, mit denen für den Wunschkandidaten oder das Wunschergebnis abgestimmt wird. Mit heutigen technologischen Standards sind auch Apps, die man direkt mit TV-Sendungen nutzt, keine Seltenheit mehr. Am häufigsten sind dabei Apps zu Quizshows vertreten, da sich das Format besonders für das Mitraten von Zuschauern anbietet.

„Die Maus“ – WDR

Die berühmte „Sendung mit der Maus“ hat ebenso wenig auf eine App verzichtet. Die MausApp zielt dabei vor allem auf junge Zuschauer ab. So bietet die App nicht nur die Möglichkeit, die letzten beiden Sendungen auf Abruf zu sehen, sondern bietet auch diverse Sach- und Lachgeschichten sowie Maus-Spots und zahlreiche Minispiele. Die App wurde unter anderem durch „BesteKinderApps.de“ mit dem Gold Award ausgezeichnet.

„Das Quizduell“ – ARD

Die ARD-Sendung für Rätselenthusiasten bietet zu ihrer Show eine eigene App an. Mit deren Hilfe können Zuschauer parallel zur Sendung die Quiz-Fragen aus der Show beantworten. Die Antworten selbst werden aufgegriffen, um sie direkt im Studio zu zeigen, wo sie dem Kandidaten als Orientierung dienen. So soll Zuschauern das Gefühl suggeriert werden, ein Team mit dem Kandidaten zu bilden und durch Mitarbeit aktiv zu helfen, die Quizfragen zu beantworten.

„Galileo-Smart-Quiz“ – ProSieben

Mithilfe der App zur Show kürte Galileo einen seiner Zuschauer zum „Galileo-Quiz-Champion“. Der Sender setzt ähnlich wie ARD darauf, Zuschauer live am Quizgeschehen teilhaben zu lassen. Das geschieht durch die App zur Sendung. Allerdings liegt der Fokus hierbei weniger darauf, einem Kandidaten zu helfen als sich selbst im Vergleich zu anderen Teilnehmern zu messen.

„Gefragt – Gefragt” – ARD

Hier bietet die ARD dank der ARD Quiz App allen Mitspielern nicht nur die Möglichkeit, sich selbst gegen den Jäger zu messen. Es ist auch mögich, sich als Kandidat oder Kandidatin für die Sendung zu qualifizieren. Wer besonders hohe Punktzahlen erreicht, soll die Möglichkeit erhalten, als Kandidat im Fernsehen aufzutreten.

Germany‘s next Top Model – Pro Sieben

Auch „Germany’s next Top Model“ setzt auf verschiedene Formen von Zuschauerpartizipation. So sind zum einen Chaträume beliebt, in denen sich Zuschauer während der Sendung treffen und über das Geschehen auf dem Bildschirm austauschen. Doch auch die Instagram-Accounts der Kandidatinnen spielen mittlerweile eine größere Rolle. Wer nicht genügend Follower aufweist und so eine zu kleine Fanbase besitzt, braucht sich wenig Chancen auf ein Weiterkommen auszurechnen. Dadurch versucht die Sendung nicht nur, Zuschauer stärker zu integrieren, sondern schätzt auch künftige Chancen für Gewinner ein, längerfristig im Fokus der Öffentlichkeit zu bleiben.

„NDR Quizshow“ – NDR

Die NDR-Quizshow im Sonntagabend-Programm des Senders ist ebenfalls mit der ARD Quiz App kompatibel. Zuschauer können hier ebenso mitraten und sehen, wie sie im Vergleich abgeschnitten hätten.  

„Wer weiß denn sowas“ – ARD

Die Sendung „Wer weiß denn sowas“ bietet dank der ARD Quiz App die Möglichkeit, dass Zuschauer aktiv mitraten können. Die ARD Quiz App ist somit nicht auf eine einzelne Sendung beschränkt, sondern man kann sie universell für viele ARD-Quizsendungen einsetzen.

Filme mit Zuschauerinteraktion

Auch immer mehr Filme liefern dem Zuschauer die Gelegenheit, aktiv das Geschehen mitzugestalten. Einer von ihnen ist der Film „Terror“ der ARD. Im Prinzip dreht sich die gesamte Handlung des Films darum, ob der Pilot einer Luftwaffe des 164-fachen Mordes schuldig ist. Hintergrund für diesen Vorwurf stellt dar, dass der Pilot ein entführtes Passagierflugzeug vom Himmel schoss, bevor die Möglichkeit bestanden hätte, das Flugzeug in die gefüllte Allianz-Arena zu steuern. Um den Ausgang des Films bestimmen zu können, registrierten sich 600.000 Nutzer, um ihre Stimme über App oder Telefon abzugeben. Aus Sicht des Senders war das Projekt damit ein voller Erfolg, obwohl ARD mit technischen Komplikationen zu kämpfen hatte. So war etwa die Internetseite dank des hohen Nutzungsaufkommens schwer zu erreichen und die vorgesehenen Telefonnummern häufig besetzt.

Ein weiteres Beispiel dafür stellt das Galileo-Event „You Are President“ dar, in dem Deutschland bestimmen konnte, wie der US-Präsident als Nächstes handelt. Dabei bot man den Zuschauern sogar ein breites Angebot an Ergebnissen vom hervorragenden Triumph bis hin zum vollkommenen Scheitern. Da solche Formate einen relativ hohen Anklang beim Publikum zu finden scheinen, ist davon auszugehen, dass auch künftig weitere Sendungen und Filme auf interaktive Elemente setzen werden.

Die Konkurrenz schläft nicht: Netflix versucht sich an interaktiven Sendungen

Um Zuschauern mehr Möglichkeiten zu liefern, das Geschehen aktiv mitzugestalten, ergänzte der Streamingdienst seine Serie „Black Mirror“ etwa um einen interaktiven Film namens „Bandersnatch“. Hier bestimmt der Zuschauer, wie die Handlung weiter verläuft und kann so aktiv das gewünschte Ende beeinflussen. Bandersnatch sollte nicht der einzige Versuch von Netflix sein, Zuschauerinteraktion zu schaffen. Nach seinem ersten Vorstoß in diese Richtung, sollte mit „Du gegen die Wildnis“ eine komplette Serie geschaffen werden, in der der Nutzer das Geschehen mitbestimmt. 

Die Sendung setzt darauf, dass das Publikum mit dem Protagonisten Bear Grylls interagiert. So soll es wirken, als würde der Zuschauer selbst sich mit dem Helden durch die raue Natur schlagen und so seine Erfolgsaussichten beeinflussen. Durch Klicks an bestimmten Punkten hat man die Wahl zu entscheiden, wie man das gewünschte Ziel erreichen soll. Etwa durch die Wahl der gewünschten Ausrüstung oder darüber welchen Weg man einschlägt, um ein Hindernis zu überwinden.

Der große Vorteil von Streamingdiensten zu TV-Sendungen besteht darin, dass hier die Entscheidung des einzelnen Zuschauers zählt und nicht die Entscheidung der Masse. Ebenso steht es Nutzern hier frei, nach dem Erleben einer Variante, auch alle anderen Varianten des Filmgeschehens anzusehen. So können sie jedes mögliche Ende erfahren. Das erhöht natürlich den Wiedersehenswert eines einzelnen Films, sodass ein Film einen Zuschauer für mehr als eine Spielzeit binden kann.

Zuschauereinbindung allein rettet nicht alle Sendungen

Leider ist die Einbindung von Zuschauern allein kein Garant dafür, dass ein Sendeformat bestehen bleibt. Beispiele für gescheiterte Sendungen, die auf Zuschauerinteraktion setzten, stellen „Keep your Light Shining“ von ProSieben sowie „Rising Star“ von RTL dar. Trotz der Option ihre Zuschauer einzubinden, hatten diese Sendungen eine so schwache Quote, dass ihre Sender sie schnell absetzten.

Sendungen der Zukunft

Die Sendungen der Zukunft lassen darauf hoffen, dass Zuschauer noch mehr Interaktionsmöglichkeiten erhalten. Allerdings bleiben Streaming-Anbietern und andere Online-Services hier wesentlich mehr Optionen als dem klassischen Fernsehformat. Es dürfte daher auch in Zukunft immer schwieriger für TV-Sendungen werden, sich weiterhin gegen die Konkurrenz durchzusetzen und nicht verdrängen zu lassen.

Deine Technik. Deine Meinung.

1 KOMMENTAR

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein