Kontaktlos bezahlen: Den eigenen Laden für Apple Pay und Google Pay aufrüsten

10 Minuten
In großen Supermarkt-Ketten und Kaufhäusern ist das Bezahlen mit Google Pay und Apple Pay längst flächendeckend möglich. Kleinere Läden stoßen aber schnell an ihre Grenzen. Wir zeigen, wie man auch das kleinste Geschäft mit Kontaktlos-Terminals aufrüstet.
Kontaktlos Bezahlen mit Apple Pay und Google Pay im Cafe
Bildquelle: puhhha / Adobe Stock

Kontaktlos zahlen: Längst sind Kredit- und EC-Karten (Maestro, V Pay, Girocard) mit der Technologie bestückt, die man an dem WLAN-ähnlichen Zeichen erkennt. Dahinter steckt NFC (Near Field Communication) und damit eine aus Smartphones längst bekannte Technik. Schnelle Datenübertragung durch Kontakt beziehungsweise Nähe zwischen Sender und Empfänger. Der Sender ist die Karte – im Falle von Mobile Payment das Smartphone. Der Empfänger ist das Kartenterminal – angeschlossen an ein großes, fest installiertes Kassensystem. Teuer, schwer in der Handhabung, komplette Systemumstellung notwendig. Schnell sind Argumente gegen eine Aufrüstung auf Mobile-Payment-konforme Kassensysteme gefunden.

Kleinunternehmer, Händler und Ladeninhaber sind abgeneigt und fallen auf der digitalen Überholspur noch weiter zurück. Wie es auch kleinere Ladeninhaber und Geschäftsleiter schaffen, ihr Business für Apple Pay und Google Pay fit zu machen? Wir vergleichen die gängigsten Lösungen für smarte Kassen- und Bezahlsysteme. SumUp und iZettle sind dabei die bekanntesten Anbieter, aber auch das deutsche Unternehmen Concardis bietet solche Lösungen an.

SumUp und iZettle: Das Smartphone als Kassensystem – fast

Die bekanntesten Anbieter sind SumUp und iZettle. Beide Firmen werben damit, dass jedes noch so kleine Ladenlokal mit einfachen Mitteln und zu geringen Preisen mobiles und kontaktloses Bezahlen anbieten kann. SumUp und iZettle bieten ähnliche Geschäftssysteme. Der Ladeninhaber erhält einen Kartenleser der – je nach Modell – die Daten via Smartphone-App übermittelt und verarbeitet. Es ist also kein großer Kassenapparat und eine Infrastruktur für die Abrechnungen notwendig. Fix bezahlt wird das Lesegerät nur einmal, danach entstehen nur noch umsatzabhängige Kosten, Transaktionsgebühren.

SumUp und iZettle im Vergleich

 SumUpiZettle
Kartenlesegerät für kontaktloses Bezahlen oder Mobile Payment von SumUpKartenlesegerät für kontaktloses Bezahlen oder Mobile Payment von iZettle
Aktuelle VersionSumUp Air
SumUp 3G Kartenterminal
iZettle 2
Preis
(einmalig)
SumUp Air : 59 Euro
SumUp 3G: 89 Euro
iZettle 2: 29 Euro
Monatliche Grundgebühr------
TransaktionsgebührenEC/Girocard (auch Maestro/V Pay): 0,9 Prozent
Kreditkarte: 1,9 Prozent
EC/Girocard (auch Maestro/V Pay): 0,95 Prozent
Kreditkarte: 2,75 Prozent
TechnikKartenleser mit
Bluetooth und NFC;
Smartphone-App mit WLAN / 3G / LTE Zugang
Kartenleser mit Bluetooth und NFC;
Smartphone-App mit WLAN / 3G / LTE Zugang
KartenleserChip, kontaktlos, (Magnetstreifen)Chip, kontaktlos, Magnetstreifen
Akzeptierte KartenVisa, V Pay, Mastercard, EC/Girocard, Maestro, American Express, Diners Club, Discover, China UnionPayVisa, V Pay, Visa Electron (Prepaid) Mastercard, EC/Girocard, Maestro, American Express, Diners Club, Discover, China UnionPay, UCB
Kontaktlos Bezahlen viaKontaktlos per Karte
Apple Pay
Google Pay
Kontaktlos per Karte
Apple Pay
Google Pay
Samsung Pay
ZahlungsbelegeMail, SMS, Ausdruck (Bon)Mail, SMS, Ausdruck (Bon)

SumUp ist dank der niedrigeren Transaktionsgebühr bei Kreditkarten der günstigere Anbieter, während iZettle – das übrigens zu Paypal gehört – das Lesegerät günstiger anbietet.

3G-Version zur Nutzung ohne Smartphone

Neben dem SumUp Air bietet SumUp beispielsweise noch das teurere SumUp 3G Kartenterminal an. Hier ist kein Handy mitsamt App mehr für die Hintergrundsteuerung und Datenverarbeitung mehr von Nöten. Mit einer eigenen SIM-Karte funktioniert diese Lösung autark im Mobilfunknetz. Selbst ein WLAN-Netzwerk wird hier nicht benötigt.

iZettle bietet „nur“ das aktuelle Kartenlese-Modell iZettle 2 an, das mit per Bluetooth verbundenem Smartphone und App betrieben wird. Um dieses Gadget herum bietet iZettle aber einiges an Zubehör an, wodurch das Kassensystem wächst und für den Einsatz im Laden oder sogar unterwegs (zum Beispiel für Lieferdienste) fix gemacht wird.

Der Zubehörshop von SumUp bietet ein ähnliches Sortiment, mit dem das Kassensystem mit Bondruckern, Tablet-Haltern oder Lade-Docks für Kartenlesern aufgepeppt werden kann. Ein Blick auf die Preisstruktur in den Zubehör-Shops gibt zudem Aufschluss darüber, wie die Unternehmen weiter Geld verdienen wollen. Aber: Hier steckt keine Kaufpflicht.

Die fixen Kosten sind sowohl bei SumUp als auch bei iZettle transparent und human. Großer Vorteil beider Systeme: Es gibt keinen monatlichen oder jährlichen Mindestumsatz, an den die Nutzung eines der beiden System gebunden ist.

Zusammengefasst: Das braucht man für Mobiles Bezahlen und kontaktloses Bezahlen im eigenen Laden:

  • Kartenlesegerät (zum Beispiel iZettle oder SumUp)
  • Smartphone mit Internetverbindung (3G /4G / WLAN; Verbindung mit dem Kartenleser via Bluetooth)
  • Smartphone-App des jeweiligen Anbieters

Die Alternative: Concardis Smartpay

Die deutsche Firma Concardis ist unbekannter, bietet aber ein ähnliches System wie zum Beispiel iZettle und SumUp. Früher als „Optipay“ bekannt, heißt die Lösung zum kontaktlosen Bezahlen jetzt „Smartpay“. Kompatibel mit Apple Pay und Google Pay, bietet Concardis ebenfalls die Zwei-Geräte-Lösung an: Ein Lesegerät und ein Smartphone mitsamt App reichen aus, um Zahlungen per Karte, kontaktlos oder per Handy, zu akzeptieren. Es gibt jetzt auch ein Terminal mit installiertem Android-System – hier ist dann nicht mal mehr ein Smartphone notwendig.

Mobile Payment mit einem Kartenleser von Concardis

Dabei ist Concardis – je nach Kundenverhalten – sogar der günstigere Anbieter bei den laufenden Kosten. Die Gebühren wurden gemittelt: Egal, womit ein Kunde bezahlt, die Gebühr für den Händler beträgt umsatzabhängig 1,49 Prozent. Dazu kommt eine jeweilige Transaktionsgebühr von 5 Cent. Im Vergleich lohnt sich Concardis somit insbesondere dann, wenn viel mit Kreditkarten bezahlt wird.

Grundsätzlich berechnet Concardis seinen Service per Monatsmiete. Für den mobilen Einsatz im Laden eignet sich das Concardis V400m (24,95 Euro pro Monat). Hierzu braucht es im Hintergrund ein Smartphone mit App. Dank SIM-Kartenplatz ist das Gerät auch mobil nutzbar. Noch fortschrittlicher ist das Lesegerät Concardis mobil A920 (25,95 Euro Monatsmiete). Es ist mit einem Mobilfunkchip ausgestattet und verfügt über eine eine eigene Android-Benutzeroberfläche, sodass es vollständig autark benutzbar ist.

Concardis akzeptiert gängige Kreditkarten, wie Mastercard und Visa, aber auch deren EC-Funktionen Maestro und V Pay. Außerdem Girocard, Google Pay und Apple Pay. Dazu steckt hinter Concardis Smart Pay auch das Benutzerportal „SmartPay Tools“ (auch per App steuerbar), das (anonyme) Kundendaten ermittelt und etwa den Anteil an wiederkehrenden Kunden ausgibt.

Concardis, SumUp und iZettle – die feinen Unterschiede im Dreier-Vergleich

Bei den Kosten tun sich die Anbieter wenig. Wer hohe Umsätze mit Kartenzahlungen erwartet, der muss bei Concardis letztendlich am wenigsten davon abgeben. Da es sich nicht um Abo-Modelle handelt, ist Kostentransparenz gegeben und die Systeme funktionieren sogar in saisonalen Betrieben oder solchen mit saisonalen Schwankungen.

Internationale Geschäfte

Wer international agiert, muss aufpassen. Tatsächlich bietet derzeit nur SumUp seine Dienste und Systeme für das Ausland an. Allerdings nur in ausgewählen Ländern. Dabei gelten verschiedene Auflagen und Gebühren.

Wann überweist mir der Anbieter mein Geld?

Die Zahlungsdienstleister überweisen das Geld in der Regel schnell weiter. SumUp gibt einen Zeitraum von 2 bis 3 Werktagen an, gleiches gilt für Concardis. iZettle verspricht den Geldeingang sogar nach 1 bis 2 Tagen. Je nachdem steht eine gesammelte Auszahlung pro Woche oder pro Monat zur Auswahl.

Verwaltung von Rechnungen und Transaktionen

Die verbundenen Smartphone-Apps stellen die Abrechnungen, Transaktionen und Statistiken cloudbasiert dar. Für den Überblick auf größeren Bildschirmen gibt es die Darstellung auch auf in den Konto-Bereichen auf den Anbieter-Webseiten im sogenannten Online-Dashboard. iZettle bietet obendrein die Integration der Buchhaltungssoftware Xero oder debitoor. Importlösungen bietet hier aber auch SumUp an.

So läuft die Bezahlung

Der Kunde möchte bezahlen? Kein Problem. Das Kartenlesegerät ist schnell gezückt, der Betrag wird in der Smartphone-App eingegeben und schon geht es los. Bei Chip&PIN steckt der Kunde seine Bank- oder Kreditkarte in das Lesegerät und gibt seine PIN ein. Kontaktlos hält der Kunde seine Karte knapp über die Vorderseite des Geräts und mit Google Pay und Apple Pay sein Android-Smartphone oder iPhone. Das Lesegerät empfängt die Daten entweder via Chip oder NFC. Per Bluetooth ist der Kartenleser mit dem Handy verbunden, das die Verbindung zum Internet und damit zu den PCI-DSS-gesicherten Servern (siehe nächster Absatz) herstellt.

Wenn der Kunde bezahlt hat, kann der Beleg entweder digital ausgestellt werden oder wird ebenfalls per kabelloser Übertragung an den Bondrucker gesendet und ausgedruckt.

Datenschutz und Sicherheit

Alle drei hier genannten Unternehmen geben an, den Sicherheitsanforderungen der Europäischen Kreditkartenindustrie voll zu entsprechen. Alle Daten werden für die Übermittlung verschlüsselt. Gerade das Thema Zahlungs- oder Kundendaten auf dem Handy ist ein heikles. Hier versprechen alle drei Anbieter, dass die verschlüsselten Daten niemals direkt auf dem Smartphone gespeichert werden und gar nicht erst mit diesem in Kontakt geraten.

iZettle, SumUp und Concardis sichern die Zahlungsdaten auf PCI-DSS-zertifizierten Servern. Dahinter verbirgt sich ein einheitlicher, von der gesamten Kreditkartenindustire vorgegebener und verwendeter Standard zur Übertragung und Speicherung von Daten.

Voraussetzungen für die Zertifizierung sind zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen, wie das ständige Pflegen einer Firewall, die verschlüsselte Übertragung jeglicher Kreditkartendaten und auch die Beschränkung des physischen Zugangs auf Daten. Es handelt sich also nicht nur um rein virtuelle Sicherheitsmaßnahmen.

Fazit: Dieses Zahlungssystem ist das richtige für meinen Laden

Die Unterschiede sind marginal, aber unter Umständen wichtig. Die Basislösung mit den einfachsten, aber wichtigsten Inhalten bietet Concardis. Dank sehr transparenter Kostenaufstellung – pauschal 1,49 Prozent + 5 Cent je Transaktion – lässt sich hiermit am besten kalkulieren. Allerdings verlangt Concardis obendrein noch weitere Pauschalen, wie eine Monatsmiete. Immerhin – mit im Paket ist dann auch ein 24/7-Service. Ideal für Einsteiger, die zunächst noch mehr Supportbedarf haben – in der Gastronomie teilweise auch zu unchristlicher Zeit.

Angebot bei Concardis

Wer international agiert und auf Mobilität setzt, greift zu SumUp. Hier gibt es mit dem 3G-Kartenleser außerdem die Möglichkeit, Zahlungen komplett autark und ohne Smartphone entgegen zu nehmen. SumUp ist die mobilste Lösung des Mobile Payments. Dazu ist SumUp dann am günstigsten, wenn Kunden viel mit klassischer Kontokarte (EC, Girocard) zahlen (0,9 Prozent).

Bei SumUp registrieren

iZettle ist hingegen die Lösung für Bürokraten. Wer die Ordnung liebt und gleichzeitig die höchste Funktions- und Kompatibilität wertschätzt, ist hier richtig. Dazu ist das Geld am schnellsten da. Manko: iZettle funktioniert nur in dem Land, in dem man das System bestellt. Wer für sein Café in Deutschland bestellt, kann das System nur in Deutschland und mit Euro-Währung nutzen.

bei iZettle registrieren

Die Währungsbeschränkung gilt auch für Concardis und SumUp. SumUp erklärt hierzu:

„Wenn Ihr Kunde etwa ein amerikanisches Bankkonto hat und Ihr Geschäft in Deutschland registriert ist, wird die Zahlung in EUR ausgeführt. Da das Konto des Kunden in USD geführt wird, wird dem Kunden durch seine Bank eine Wechselgebühr berechnet.“ SumUp

Die wichtigsten Daten in Kürze

  • Nur Anschaffungskosten, keine Laufzeitkosten
  • Schnelle Ausstiegsmöglichkeiten
  • Kein Mindestumsatz
  • Einfache Handhabung auch für Einsteiger
  • Google Pay / Apple Pay und kontaktlos per Karte zahlen möglich

Square, PayPal here und Payleven: Der Blick zurück und über den Tellerrand

Wer sich mit der Materie schon etwas länger befasst hat, wird auch schon über die Namen PayPal here oder Square gestolpert sein. Insbesondere Square gilt in der Branche als Innovationsmotor und wurde schon 2009 von Twitter-Gründer Jack Dorsey gegründet. Das Start-Up hat es über die halbe Welt von San Francisco bis nach Großbritannien geschafft, nicht aber nach Kontinentaleuropa. Für eine weitere Expansion dürfte die Geschäfts- und Konkurrenzlage mittlerweile zu unbequem sein.

Die Frage nach dem Deutschland-Start von PayPal here ist noch leichter zu beantworten: iZettle gehört nämlich ebenfalls zum PayPal-Konzern und ist die deutlich weiterentwickelte Plattform.

Vor einigen Jahren hat sich zudem ein Anbieter namens Payleven als Fintech-Start-Up versucht. 2016 übernahm SumUp Payleven und galt nach dem Zusammenschluss als „Square-Klon“ in Europa.

Affiliate-Link: inside digital erhält eine kleine Provision, wenn du über den markierten Link einkaufst. Den Preis für das Produkt beeinflusst dies nicht. Die Einnahmen tragen dazu bei, dir unseren hochwertigen Journalismus kostenfrei anbieten zu können.

Deine Technik. Deine Meinung.

9 KOMMENTARE

  1. Hallo,
    „EC“ gibt es seit zig Jahren nicht mehr. Der Nachfolger heißt „girocard“, wird aber weder von SumUp noch von iZettle akzeptiert, die Zahlungen laufen hier über die jeweiligen Co-Brandings Maestro oder VPAY. Das merkt man u.A. daran, dass die meisten girocards dort nicht kontaktlos funktionieren.

    • Tatsächlich geben die Anbier „EC“ mit dem altbekannten Logo aber noch an. Die Vermutung liegt nahe, dass hiermit auch der grundsätzlich fesstehende Überbegriff „Electronic Cash“ gemeint ist, ohne die – wie du sagst – veraltete Technologie als solche zu meinen. Das kann ich natürlich in der Tabelle noch etwas schärfer qusdrücken. Danke für den Hinweis!

      • Interessant: Ich bin soeben selbst in einem Café mit SumUp-Air-System gewesen: Magnetstreifen durchziehen war nicht möglich mit dem Gerät. Es gibt also keine Vorrichtung dafür.

        • Wer in Deutschland Magnetstreifen akzeptiert, gehört eh an den Marterpfahl: Zu leicht zu fälschen, zu häufige Lesefehler, seit 2013 für deutsche Karten abgeschafft (d.h. inzwischen sind auch die letzten deutschen Karten mit Magnetstreifen ungültig). Der Magnetstreifen ist damit nur noch für ausländische Karten oder für den Auslandseinsatz deutscher Karten vorgesehen – ob das dem Zielkunden entspricht, mag jeder Händler selbst beantworten.

          • Eine Korrektur: Für ELV (Lastschrit mit Unterschrift) ist der Magnetstreifen der „ec-Karte“ auch noch zugelassen. Nur: Dafür braucht man gar kein Terminal mit Magnetstreifen, dafür reicht ein Zettel „Ich erlaube Händler X, Y Euro von Konto Z abzubuchen“ und die Registrierung als Händler bei der Bank. Wenn man sich denn darauf einlassen will.

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein

geschützt durch reCAPTCHA Datenschutzerklärung - Nutzungsbedingungen