Aktienhandel mit dem Handy: Trade Republic, JustTrade und Co. im Vergleich

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Der Aktienhandel mit dem Handy kommt immer mehr in Mode. Während früher vor allem ING, Comdirect oder Consors in aller Munde waren, kommen jetzt Anbieter wie Trade Republic, JustTrade oder Smartbroker immer stärker auf. Vor allem wegen der niedrigen oder gar kostenlosen Orderentgelte.
Smartphone Trading
Aktienhandel mit dem Smartphone kommt immer mehr in Mode.Bildquelle: Hayo Lücke / inside digital

Die Zeit von lukrativen Tagesgeldkonten ist längst vorbei. Und auch mit Festgeld ist kaum noch eine lukrative Rendite zu erzielen. Da ist es kein Wunder, dass sich immer mehr Menschen mit dem Aktienhandel auseinandersetzen. Jüngste Höhenflüge der Aktienkurse von Unternehmen wie Tesla, Zoom oder auch Siemens Energy lassen schließlich aufhorchen; auch bei jüngeren Menschen. In diesem Zusammenhang boomen vor allem Online-Broker. Dort erfolgen Kauf und Verkauf von Wertpapieren über spezielle Trading-Apps zu günstigen Kosten direkt über das Handy. Millionen von Menschen nutzen derartige Apps bereits in den USA – etwa von Robinhood. In Deutschland nehmen entsprechende Angebote mitten in der Coronakrise nun ebenfalls Fahrt auf. Man hat ja schließlich viel Zeit, sich über seine Investments Gedanken zu machen. Wir haben uns angeschaut, was Billig-Broker wie Trade Republic oder JustTrade kosten und worauf du beim Handel von Aktien, ETFs und Derivaten über das Mobiltelefon achten musst. Denn es lauern auch Gefahren.

Schnelle Anmeldung per Video-Ident-Verfahren

Die erste Hürde, die du nehmen musst, um in den Wertpapierhandel mit deinem Smartphone einsteigen zu können: die Anmeldung. Sie geht aber recht schnell von der Hand. Zum Beispiel setzen die Neo Broker JustTrade und Trade Republic lediglich den Download der passenden Smartphone-App voraus. Dort musst du einige persönliche Daten hinterlegen und anschließend belegen, dass auch wirklich du es bist, der ein Konto beim jeweiligen Broker eröffnen möchte.

Dafür musst du in einer Art Videochat eine Legitimation durchführen, indem du einem Mitarbeiter deinen Personalausweis oder Reisepass in die Kamera hältst. Das kennst du vielleicht schon von anderen Banken, wo ähnlich vorgegangen wird. Vorteil: Eine Videoidentifikation geht deutlich schneller von der Hand als das klassische Postident-Verfahren in einer Post-Filiale. Vorausgesetzt es steht ein Mitarbeiter zur Verfügung, der sich deinem VideoIdent-Anliegen annimmt. Auch hier kann es in Stoßzeiten zu Wartezeiten kommen. In der Regel ist dein Trading-Konto nach erfolgreicher Überprüfung aber schon nach wenigen Minuten startklar.

Vorsicht vor versteckten Kosten bei JustTrade, Trade Republic und Co.

Eines haben alle Billig-Broker gemeinsam: Sie werben mit niedrigen Kosten. Anders als bei vielen Filial- oder Direktbanken, wo ein Aktien(ver)kauf schon mal 10 Euro pro Order oder noch mehr kosten kann, verzichten Trade Republic und Co. in der Regel auf (hohe) Fixkosten. Das ist auf der einen Seite gut fürs eigene Depot, denn mögliche Gewinne bleiben so in (fast) vollem Umfang beim Trader. Es ist aber gleichzeitig auch mit einem höheren Risiko verbunden. Denn das Kaufen und Verkaufen verleitet zum schnellen Zocken und kann bei einer entsprechenden Veranlagung sogar schnell zu einer Sucht werden.

Trading-App von Trade Republic
Beispiel Trade Republic: So simpel sind Trading-Apps aufgebaut.

Doch Vorsicht: Die Angebote sind oft nicht gänzlich kostenlos. Bei Trade Republic fällt beispielsweise eine sogenannte Fremdkostenpauschale von 1 Euro je Order an. Du musst also für jeden Kauf und Verkauf eine geringe Gebühr bezahlen. Bei JustTrade musst du zwar keinerlei Ordergebühren befürchten, dafür droht dir aber aktuell ein Negativzins von 0,5 Prozent, wenn du Geld auf dein Depotkonto einzahlst, aber nicht in Wertpapiere investierst. Ähnlich sieht es bei Smartbroker aus.

„Wir erwarten, dass sich der Markt zweiteilen wird. Auf der einen Seite werden in Zukunft Anbieter mit Gebühren und viel Service stehen. Auf der anderen Seite der Aktienhandel über Online-Broker wie uns“, sagt Michael Bußhaus, Gründer und Geschäftsführer von JustTrade im Gespräch mit inside digital. In seinen Augen sind Billig-Broker wie JustTrade und Trade Republic vor allem gut, um in die Welt des Aktienhandels hineinzuschnuppern. Oder um ein klassisches Zweitdepot zu nutzen und Ordergebühren zu sparen.

Gleichzeitig warnt Bußhaus davor, das Trading nur auf das Smartphone zu beschränken. „Sollte man einmal sein Handy verlieren, ist das unter Umständen vor allem bei risikoreichen Trades nicht ungefährlich“, urteilt der Manager. Damit meint er zum Beispiel den Handel mit Hebelzertifikaten und anderen Hebelprodukten. Hier müsse man im Zweifel immer schnell reagieren können und dann sei es von Vorteil, immer auch über eine Browser-Oberfläche auf sein Depot zugreifen zu können.

Tipp: Beim Aktienhandel langfristig denken!

Experten raten ohnehin dazu, sich nicht zu sehr von schnellen Kursgewinnen über das Smartphone-Trading verleiten zu lassen, sondern eine langfristige Anlagestrategie zu verfolgen. „Die Zahl der Trader, die mit kurzfristigem Handel wirklich Geld verdienen, ist überschaubar“, warnt beispielsweise Markus Horntrich, Chefredakteur des Frankfurter Börsenbriefs gegenüber inside digital und ergänzt: „Erfahrungsgemäß werden an der Börse die großen Gewinne über einen langen Zeitraum erzielt. Es heißt nicht umsonst, ‚Hin und Her macht Taschen leer‘ – eine abgedroschene Börsenweisheit, allerdings mit viel Wahrheitsgehalt.“

Hinzu kommt, dass du bei den Anbietern der Trading-Apps oft nur ein beschränktes Angebot nutzen kannst, also weniger Aktien und ETFs verfügbar sind als der Markt eigentlich hergibt. Vor allem bei Fonds ist das unter Umständen ein Nachteil. Denn die Fonds-Gebühren können von ETF zu ETF (Xtrackers, iShares, HSDBC etc.) auch bei ähnlicher Zusammenstellung unterschiedlich hoch ausfallen.

Zudem wirst du bei Trading-Apps oft auf gewisse Handelsplätze beschränkt. So erfolgt der Handel bei Trade Republic zum Beispiel über das an der Börse Hamburg betriebene elektronische Handelssystem LX Exchange, JustTrade ermöglicht den Handel über LX Exchange und Quotrix. Einen Handel mit dem elektronischen Handelssystem Xetra von der Deutschen Börse gibt es bei den Billig-Brokern hingegen nicht. Ist in den Augen von JustTrade-Chef Bußhaus aber auch nicht notwendig. „Xetra spielt für Privatkunden nicht mehr eine so entscheidende Rolle wie früher. Andere Handelsplätze sind wegen günstigeren Gebühren beliebter.“

Zudem gilt der Xetra als Referenzmarkt, an dem sich auch die anderen Börsenplätze orientieren. Handelst du US-Aktien wie Apple, Amazon oder Tesla gelten die Referenzkurse der Börsen in New York (NASDAQ, New York Stock Exchange). Hier solltest du dann auch immer die jeweiligen Öffnungszeiten der Referenzmärkte im Blick behalten. Auf Xetra wird zwischen 9 und 17:30 Uhr gehandelt, in New York startet der Handel erst am Nachmittag deutscher Zeit. Ein Handel abseits dieser Öffnungszeiten kann in den Trading Apps zu schlechteren Kauf- und Verkaufspreisen (Spreads) führen.

Vorsicht bei Social Trading

Mit einer gesunden Portion Skepsis sollte man auch Social Trading Plattformen wie eToro begegnen. Dort kannst du dir sicherlich viele Tipps von erfahrenen Tradern holen und deren erfolgreichen Aktienhandel nahezu eins zu eins kopieren. Doch es lauern auch hier Gefahren, wie Börsenprofi Horntrich zu berichten weiß. In seinen Augen, „besteht gerade im Bereich des Social Tradings die Gefahr, an die falschen Ratgeber zu geraten.“ Du solltest dich also niemals blind auf nur einen einzelnen „heißen Tipp“ verlassen.

Und noch etwas solltest du laut Horntrich beachten. Bei eToro, JustTrade, Trade Republic und Co. bestehe das Risiko, den Eindruck zu gewinnen, dass Börse im Wesentlichen kurzfristige Spekulation sei. „Bei den neuen Apps, die technisch top sind, wird Wertpapierhandel schon fast zum Spiel. Diese Gamifizierung bringt kurzfristig zwar neue Aktionäre, was gerade in Deutschland absolut zu begrüßen ist, sie vermittelt aber auch einen falschen Eindruck gerade auch im Hinblick auf die Risikobeurteilung“, warnt der Finanzprofi.

Aktienhandel über Trading-Apps im Kosten-Vergleich

Doch mit welchen Kosten musst du nun tatsächlich rechnen, wenn du ein Konto bei Trade Republic und Co eröffnest? Antworten auf diese Frage haben wir dir in der nachfolgenden Tabelle zusammengetragen.

 Trade RepublicJusttradeGratisbrokerSmartbroker
Grundgebühr0 Euro0 Euro0 Euro0 Euro
Kosten je Order1 Euro0 Euro 0 Euroab 0 Euro
Mindestorder bei Kauf0 Euro500 Euro500 Euro500 Euro
DepoteröffnungVideoidentVideoidentVideoidentPostIdent
WertpapierhandelAppApp und BrowserBrowserBrowser
BanklizenzJaNeinNeinNein
PartnerbankSolarisbankSutor BankBaader BankDAB BNP Paribas
Besonderheiten- Anmeldungen zu Hauptversammlungen kosten Extra-Gebühren
- Aktien und ETF-Sparpläne kostenfrei
- 0,5 Prozent Negativzinsen--- - 4 Euro pro Trade unter 500 Euro Ordervolumen
- 0,5 Prozent Negativzinsen
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Solltest du irgendwo übrigens etwas von Differenzkontrakten (Contract for Difference / CFDs) lesen: Lass lieber die Finger davon, wenn du noch keine oder nur wenig Erfahrung mit dem Wertpapierhandel hast. Derartige Finanzwetten sind nur etwas für Börsenprofis. Das Risiko, Geld zu verlieren, ist hier noch um ein Vielfaches höher als beim klassischen Aktien- oder ETF-Handel.

Fazit: Billig-Broker sind Fluch und Segen zugleich

Unter dem Strich bleibt die Erkenntnis, dass Billig-Broker vor allem eines sind: Einfach, günstig und eine schnelle Alternative im Aktienhandel zu den oft langsamen Großbanken. Denn du hast dein Aktiendepot immer in Echtzeit im Blick und hohe Ordergebühren gibt es in den Trading-Apps nicht.

Gleichzeitig verführen die Aktiendepots auf dem Smartphone dazu, in kurzer Zeit viel Geld zu investieren – und im schlimmsten Fall auch sehr schnell zu verlieren. Nur wer auf das richtige Pferd setzt, kann auch tatsächlich einen Gewinn machen. Und das klappt oft vor allem dann, wenn man langfristig denkt, eine gute Anlagestrategie wählt und nicht von heute auf morgen auf den schnellen Gewinn spekuliert.

Achten solltest du übrigens immer darauf, ob der von dir gewählte Anbieter eine EU-Lizenz hat. Das kannst du zum Beispiel auf der Homepage der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) prüfen. Ein Auge solltest du zudem darauf haben, ob du ein Konto nutzen kannst, das bei einer Bank in Deutschland liegt. Denn nur dann kannst du von der deutschen Einlagensicherung profitieren.

Und eines solltest du sowieso immer berücksichtigen: Der nächste große Börsencrash kommt bestimmt. Und das ist bei einem Investment dann in der Regel sowieso mit einem hohen Verlust verbunden, der sich nur langfristig wieder ausgleichen lässt.

Wichtiger Hinweis: Der Handel mit Wertpapieren birgt finanzielle Risiken. Du solltest nur mit Aktien, ETFs oder anderen Wertpapieren handeln, wenn du dir diesem Risiko bewusst bist und etwaige finanzielle Einbußen verkraften kannst. Keinesfalls solltest du dein gesamtes Vermögen an den Wertpapiermärkten investieren.

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