5G in Deutschland: Der LTE-Nachfolger ist da

9 Minuten
Die Mobilfunkanbieter in Deutschland wollen bei 5G nicht nur in Europa, sondern weltweit ganz vorne mit dabei sein. Sie haben in den vergangenen Jahren viel Zeit und Arbeit in die Erforschung und Standardisierung des neuen Mobilfunknetzes gesteckt. Jetzt aber ist es an der Zeit, über ein echtes Netz zu sprechen. Denn 5G ist in Deutschland angekommen
5G-Kaffeebecher der Telekom.
Bildquelle: Thorsten Neuhetzki / inside handy

Das künftige 5G-Netz entscheidet sich gravierend von seinen Vorgängern UMTS und LTE. Denn der kommende Mobilfunkstandard verfügt über Spezialfähigkeiten, die es vorher noch nicht gab. Das neue Mobilfunknetz besteht aus drei sogenannten Slices mit unterschiedlichen Funktionen. Bei diesen Features handelt es sich um geringe Latenzen, hohe Bandbreiten und geringen Energiebedarf. Somit besteht das 5G-Netz im Prinzip aus drei Netzen mit unterschiedlichen Anforderungen. Bei Bedarf können darüber hinaus noch weitere lokale und regionale Slices mit spezialisierten Qualitätsanforderungen definiert werden, die sich nicht von anderen Nutzern beeinflussen lassen.

Wann startet 5G in Deutschland?

5G ist in Deutschland bereits angekommen. Allerdings nur mit dem 5G-NR-Standard. Dabei handelt es sich um 5G New Radio. Dieser Standard bietet höhere Datenraten als mit LTE möglich. Die Spezialfähigkeiten gibt es aber zum Start noch nicht.

5G gibt es in Deutschland aktuell von Vodafone und der Telekom. Beide Netzbetreiber haben erste Sendemasten in Betrieb genommen. Auch die aktuellen Mobilfunktarife der beiden Netzbetreiber sind 5G-fähig. Kunden, die 5G nutzen wollen, brauchen also einen aktuellen Vodafone- oder Telekom-Vertrag sowie ein passendes 5G-Handy. Und er braucht 5G-Empfang. Denn der ist in Deutschland zumindest zum Start im Sommer 2019 noch selten.

O2 hat sich noch nicht zu einem Datum für die Einführung von 5G in Deutschland hinreißen lassen. Der Anbieter arbeiten aber auch schon intensiv an einem eigenen 5G-Netz. Für Neueinsteiger United Internet (1&1 Drillisch) ist es für einen Starttermin viel zu früh, man geht aber von 2021 aus.

Wo gibt es 5G?

Die Telekom hat 5G bereits in ihre Netzabdeckungskarte eingearbeitet. Für die Zukunft ist damit zu rechnen, dass es mehrere Netzabdeckungskarte für 5G gibt – vergleichbar mit der heutigen Abdeckung von GSM, UMTS und LTE. Denn die drei Kernfunktionen von 5G wird es nicht flächendeckend im ganzen Land geben und sie werden unterschiedliche Bereiche abdecken, um die jeweiligen Anwendungen zu realisieren.

Das ergibt sich auch aus den Frequenzen, die für 5G zur Verfügung stehen. So ist es mit den im Frühjahr 2019 versteigerten Frequenzen wirtschaftlich nicht möglich, Gigabit-Datenraten in das letzte Waldstück und in ländliche Regionen zu bringen. Niedrige Latenzen und Sensoren-Netze lassen sich jedoch über andere Frequenzen realisieren, die die drei etablierten Anbieter bereits heute nutzen können. In Stadien und Hotspots oder dort, wo Kunden hohe Kapazitäten für Internet oder das 5G-Netz mit seinen Fähigkeiten benötigen, wird es hingegen schnelles Internet geben.

Das Vodafone-5G-Netz

Erste Vodafone-Stationen gibt es in Birgland (Bayern), Lohmar (Nordrhein-Westfalen) und Hattstedt (Nordfriesland), aber auch in Köln, Düsseldorf, Hamburg, Dortmund und München. Auch einzelne Sender in Berlin, Bremen, Dresden, Darmstadt, Leipzig, Mühlheim an der Ruhr und Frankfurt sind on Air. Vodafone will bis Ende 2020 10 Millionen Menschen mit 5G erreichen.

Das Telekom 5G-Netz

Die Telekom startet in fünf deutschen Städten. Dabei handelt es sich um Berlin, Bonn, Darmstadt, Köln und München. Bis Jahresende sollen rund 300 5G-Antennen an mehr als 100 Standorten gebaut und in Betrieb genommen werden. Dann sollen auch Hamburg und Leipzig 5G bekommen. In den jeweiligen Städten gibt es aber mitnichten ein flächendeckendes Netz. Vielmehr sind es einzelne Stadtviertel oder Hotspots. In den nächsten 18 Monaten sollen die 20 größten Städte Deutschlands mit 5G angebunden werden.

Gibt es mit 5G weniger Funklöcher?

Indirekt war es das Ziel der Bundesnetzagentur, mit den Auflagen für die 5G-Frequenzen auch die bestehenden Netze zu verbessern. Sie hat entsprechende Auflagen gemacht, die auf die Bestandsnetze der Mobilfunkbetreiber abzielen. Es ist allerdings falsch, anzunehmen, dass 5G Funklöcher schließen wird. Der Grund: Der Frequenzbereich um 3,6 GHz eignet sich wirtschaftlich nicht für eine Flächenversorgung. Weiße Flecken verschwinden durch 5G nicht. Bestenfalls werden in Ballungszentren einige Funklöcher geschlossen, die bisher durch die Sendestandorte auf den Dächern nicht erreicht werden konnten. Mit 5G werden die Antennen wohl deutlich dichter und niedriger gebaut werden müssen.

Welche Auflagen haben die 5G-Anbieter?

Die drei etablierten Netzbetreiber Telekom, Vodafone und O2 müssen

  • bis Ende 2022 mindestens 98 Prozent der Haushalte je Bundesland mit mindestens 100 Mbit/s sowie alle Bundesautobahnen mit mindestens 100 Mbit/s und höchstens 10 Millisekunden Latenz und außerdem zahlreiche Bundesstraßen (Verbindungsfunktionsstufen 0/1) mit mindestens 100 Mbit/s und höchstens 10 ms Latenz
  • bis Ende 2024 alle übrigen Bundesstraßen mit mindestens 100 Mbit/s und höchstens 10 ms Latenz sowie alle Landes- und Staatsstraßen und die Seehäfen sowie das Kernnetz der Wasserstraßen im Binnenbereich mit mindestens 50 Mbit/s
  • und bis Ende 2022 die Schienenwege mit mehr als 2.000 Fahrgästen pro Tag mit mindestens 100 Mbit/s
  • sowie bis Ende 2024 alle übrigen Schienenwege mit mindestens 50 Mbit/s

versorgen. Das gilt nicht explizit für den LTE-Nachfolger 5G, sondern für das generelle Mobilfunknetz der Anbieter. Die genannten Datenraten gelten nicht für jeden einzelnen Nutzer oder Haushalt als garantierte Geschwindigkeit, sondern als ausgesendete Leistung pro Antennensektor. Durch den Shared-Medium-Effekt ist die tatsächliche Datenrate geringer.

Außerdem müssen die Netzbetreiber bis Ende 2022 1.000 Basisstationen mit der 5G-Technik errichtet haben und 500 weitere Basisstationen mit mindestens 100 Mbit/s in „weißen Flecken“ im ländlichen Raum – auch hier ausdrücklich nicht nur per 5G.

Für United Internet gelten als Neueinsteiger andere Auflagen. 1&1 Drillisch muss bis Ende 2023 mindestens 25 Prozent der Haushalte und bis Ende 2025 mindestens 50 Prozent der Haushalte mit seinem neuen Netz versorgen. Auch Drillisch muss 1.000 5G-Basisstationen errichten.

Arbeiten die Netzbetreiber beim 5G-Ausbau zusammen?

Offen ist, in welchem Umfang und auf welche Art die Mobilfunk-Netzbetreiber den ländlichen Raum mit dem neuen Standard erschließen. Denkbar ist hier, dass die Mobilfunker sich dazu entschließen, an der ein oder anderen Stelle zusammenzuarbeiten und ein gemeinsames Netz errichten. Das wird zumindest von der Bundesnetzagentur als wünschenswert beschrieben. Diese Lösung wäre in dünn besiedelten Räumen zudem ökonomischer. Seitens der Bundesnetzagentur heiß es auch, dass die Ausbau-Auflagen für die Verkehrswege als erfüllt gelten, wenn einer der Anbieter dort ein Netz errichtet hat – egal ob es ein Roaming-Abkommen gibt oder nicht.

Die Unternehmen sind skeptisch, was solche Netz-Kooperationen angeht und sehen ihr Alleinstellungsmerkmal der Netze gefährdet. Gleichzeitig hat die Telekom als Inhaber vieler Sendemasten aber auch angeboten, als Service-Anbieter sogar das Netz der Mitbewerber in Teilen mit aufzubauen.

Welche Frequenzen werden für 5G in Deutschland genutzt?

Grundsätzlich ließe sich jede Mobilfunkfrequenz für 5G nutzen. In Deutschland ist jedoch vor allem das Frequenzband um 3,6 GHz als Pionierband für 5G vorgesehen. Dieser Bereich bietet vor allem die Möglichkeit, hohe Datenraten und somit schnelles Internet zu liefern. Dabei werden sich die Netzbetreiber aber auf Großstädte konzentrieren. Sie sehen keine finanzielle Basis, das mit den Frequenzen zwischen 3,4 und 3,7 GHz zu realisieren. Die Reichweite der Frequenzen ist sehr gering, die Sendemasten müssten sehr viel enger aufgebaut werden als noch unter 4G oder 3G. Telefónica hat berechnet, dass eine flächendeckende Versorgung eine Investition von 76 Milliarden Euro und 200.000 Sendern erfordern würde. Zum Vergleich: Aktuell unterhalten die Betreiber der verschiedenen Netze jeweils etwa 40.000 Standorte im ganzen Land.

Im versteigerten 5G-Spektrum um 3,6 GHz haben Telekom und Vodafone im Frühjahr 2019 jeweils 90 MHz ersteigert. O2 hat sich in der Auktion 70 MHz gesichert und Neueinsteiger United Internet 50 MHz. Die Versteigerung für die Frequenzen der neuen Mobilfunkgenerationen war dabei teurer als geplant. Das gemeinsame Gebot lag am Ende in Summe bei 6,55 Milliarden Euro.

Es gibt weitere Frequenzbänder, die sich für die neue Mobilfunk-Generation in Deutschland anbieten. Es ist davon auszugehen, dass die 5G-Netze auch im Bereich um 700 MHz senden werden. Diese haben die großen deutschen Netzbetreiber bereits 2015 ersteigert. Telekom, Vodafone und O2 haben hier jeweils ein Spektrum von 2×10 MHz. Damit lassen sich keine Gigabit-Datenraten erzielen. Sehr wohl ermöglicht dieser Frequenzbereich den Netzbetreibern aber, ein 5G-Netz in der Fläche zu erreichten. Dieses kann Sensoren- und Maschinen-Funktionen abbilden. Damit kann die Digitalisierung und Vernetzung Deutschlands weiter vorangetrieben werden.

Aktuell diskutieren die Netzbetreiber mit dem Regulierer außerdem über die Vergabe von Frequenzen um 26 und 60 GHz für den Mobilfunk der fünften Generation. Diese Frequenzen sollen eine Alternative zu Glasfaserleitungen zu den Kunden in die Wohnungen und Firmen sein. Die letzten Meter von der Straße bis in die Wohnung soll eine Funkstrecke auf diesen Frequenzen im 5G-Standard überbrücken.

Weitere Hintergrund-Informationen zu 5G

 Übersicht:  Alles zum neuen Mobilfunkstandard 5G
5G Smartphones: Huawei, Samsung, Apple und Co. in Position
→ Infrastruktur: Die Technik hinter dem Netz der Zukunft
→ 5G in der Praxis: Möglichkeiten für Industrie, Medizin & private Nutzer
→ Immer informiert: Aktuelle News zum Thema 5G

Affiliate-Link: inside digital erhält eine kleine Provision, wenn du über den markierten Link einkaufst. Den Preis für das Produkt beeinflusst dies nicht. Die Einnahmen tragen dazu bei, dir unseren hochwertigen Journalismus kostenfrei anbieten zu können.

Deine Technik. Deine Meinung.

4 KOMMENTARE

  1. Schön zu sehen wie sich mobilfunkbetreiber dafür einsetzten das 5G netz so schnell wie möglich in deutschland (usa, china…) zu verbreiten so, dass die ohnehin bereits hohe mikrowellenstrahlung auch wehe jedes fleckchen erreichen kann wie dörfer, grundschulen, waldgebiete etc. das diese strahlung aber zu fehlgeburten, krebs, veränderung der zellen von menschen, tieren und jedem natürlichen leben führt und hunderte mio menschen unfruchtbar macht tja das interressiert niemanden aber das sind ja alles nur spekulationen wie die klimakrise (siehe donald) und das alles dafür, dass so ein larry seine brazzer movies in full uhd und ohne ladezeit jederzeit überall gönnen kann… Menschlich gesehen ziemlich menschlich Gute Nacht.

    • Sie haben das sehr richtig bemerkt. Was interessiert schon die Gesundheit der Menschen, wenn die Kasse klingelt. Die ersten Frequenzen liegen noch im cm Bereich, schon bald will man in den mm Bereich vordringen und weil die Eindringtiefe zu niedrig ist, müssen alle 100-200 m Antennen her. 5G ist Überwachungs- und Radartechnik aus dem Militär. Wenn ich die schönen Werbefilmchen der Telekom auf dieser Seite ansehe, dann bin ich mir nicht mehr so sicher, ob nicht vielleicht doch die bisherigen Netze bereits zu viele Hirnzellen verbrannt haben, da man anscheinend jede Warnung von Tausenden Medizinern und Wissenschaftlern in den Wind schlägt und vor Technikbegeisterung gleich ganze Purzelbäume schlägt. Es gibt keine einzige, noch einmal KEINE EINZIGE (!!!) industrie- und herstellerunabhängige Studie zu den Langzeitfolgen. Wir fliegen also blind hier! Ohne mit der Wimper zu zucken wird die Gesundheit der Menschen aufs Spiel gesetzt.

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein

geschützt durch reCAPTCHA Datenschutzerklärung - Nutzungsbedingungen