Wirklich wahr? Smartphones lassen Horn am Schädel wachsen

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Eine echte Gefahr oder bloß Panikmache? Diese Frage stellt sich, wenn man einen Blick auf Rötgenbilder wirft, die im Rahmen einer Studie veröffentlicht wurden und jetzt um die Welt gehen. Angeblich sollen Smartphone-Nutzern kleine Hörner am Hinterkopf wachsen. Doch ist das wirklich so? So ganz sicher sind sich selbst die beiden beteiligten Mediziner nicht.
Neue Studie zu gesundheitlichen Risiken der Smartphone-Nutzung
Bildquelle: Scientific Reports / nature.com

Dass im Rahmen von Studien von Mobilfunkstrahlung gewarnt wird, ist nicht neu. Schon spannender ist eine neue Erkenntnis der beiden Mediziner David Shahar und Mike Sayers von der Universität Sunshine Coast in Queensland, Australien. Bei 400 von 1.200 Probanden im Alter zwischen 18 und 86 Jahren entdeckten sie eine auffällige Hornbildung an der Schädelbasis. Ihre These: Durchaus möglich, dass sich dieses kleine Horn durch die regelmäßige Smartphone- oder Tablet-Nutzung bildet. Muskeln, Bänder und Sehnen im Hals- und Nackenbereich seien heutzutage möglicherweise einer zu hohen Belastung ausgesetzt.

Noch keine Beweise erbracht

Wohlgemerkt: Möglicherweise! Denn tatsächlich erwiesen ist bisher noch nichts. Gleichwohl erklären die beiden Mediziner, dass die gebeugte Kopfhaltung (zum Beispiel bei der Smartphone-Nutzung im Alltag) durchaus eine Erklärung für die geänderte Anatomie der (betroffenen) Menschen sein könnte. Denn die Belastung auf den Kopf sei bei einer geneigten Haltung sechs Mal so hoch, wie bei aufrechter Kopfhaltung.

Dass sich bei 400 Probanden ein kleines Horn am Hinterkopf gebildet habe, sei vergleichbar mit der Bildung von Hornhaut, erklären Shahar und Sayers weiter. Letztlich sei die Hornbildung eine Reaktion des Körpers auf eine zu hohe Belastung. Der Körper versuche dadurch, für Entlastung zu sorgen.

Die beiden Mediziner stellten in Australien übrigens auch fest, dass die Bildung eines kleinen Hinterkopf-Horns bei Männern im Alter von 18 bis 30 Jahren besonders groß ausfiel. In dieser Altersgruppe sei die knöcherne Veränderung zudem bei jedem zweiten Probanden zu entdecken. Sie wollen nun weitere Studien durchführen, um zusätzliche Belege zu sammeln.

Andere Mediziner haben Zweifel

Ob aber wirklich das Smartphone die Ursache für die Hornbildung ist, dazu gibt es Stand heute keine gesicherten Erkenntnisse. Wie und warum sich die Beulen nun tatsächlich bildeten, darüber ist in der Studie nichts zu lesen. Gegenüber der „New York Times“ sagte Neurochirurg Evan Johnson, dass von dem knöchernen Vorsprung im Schädel keinerlei Gefahr ausgehe. Eine körperliche Beeinträchtigung in Form von verspannten Muskeln oder Kopfschmerzen sei aber durchaus möglich.

Und noch ein Mediziner kommt in der „New York Times“ zu Wort: David Langer. Er sagt, bisher noch kein solches Horn gesehen zu haben, obwohl er viele Menschen mit Nackenbeschwerden behandele und deswegen auch viele Röntgenbilder anfertige. „Ich hasse es, ein Neinsager zu sein, aber das Ganze scheint mir ein bisschen weit hergeholt“, so der Chirurg.

Michael Nitabach, Physiologe an der Universität Yale kritisiert in der „Washington Post“ zudem, dass die Studie nicht untersucht habe, welche Haltung die betroffenen Personen bei der Nutzung ihrer Smartphones tatsächlich einnahmen. Korrelationen zwischen Smartphonenutzung und Schädelmorphologie hält er deswegen nach eigenen Worten für „unsinnig“.

Übrigens: Die Meldung zu den Knubbeln im Nacken ist trotz der aktuellen Berichterstattung nicht neu. Schon im Jahr 2018 berichtete das Fachblatt „Scientific Reports“ über die australische Studie. Weltweite Beachtung erhielt sie aber erst vor rund einer Woche. Die BBC griff die Studie auf und sorgte so für weltweite Aufmerksamkeit.

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1 KOMMENTAR

  1. Kann möglich sein oder auch nicht. Was diese Haltung jedoch besonders fördert, ist die Erkrankung „Morbus Scheuermann“. Da es aber zu meiner Kindheit (1990er) noch keine Handies gab, ist das bei mir auf was anderes zurückzuführen. Deshalb werden die ganzen Smombies früher oder später einen Stiernacken bekommen.

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