Arnim Butzen verantwortet bei der Deutschen Telekom als Senior Vice President TV & Entertainment das Geschäft rund um MagentaTV. Auf der Anga Com in Köln haben wir Butzen zum Interview gebeten. Wir sprechen über den Anspruch von Magenta TV, Fernsehen und Streaming zu bündeln, über eigene Inhalte und FAST-Channels. Aber auch über die Migration auf MagentaTV 2.0 und die Folgen des RTL-Sky-Deals. Das Gespräch führte inside digital-Redakteur Thorsten Neuhetzki.
Was macht MagentaTV besonders?
Herr Butzen, wenn Sie einem Kunden, der abends einfach nur Fernsehen und Streaming nutzen möchte, in einem Satz erklären müssten, was MagentaTV 2026 ist – was wäre dieser Satz?
MagentaTV ist die beste Kombination aus linearem Fernsehen und Video-on-Demand-Diensten auf einer Plattform. Der Kunde findet das, was er sucht, zur richtigen Zeit über alle Partner und linearen Anbieter hinweg.
Es ist wenig überraschend, dass Sie sagen, dass Ihr Angebot das Beste ist. Es gibt noch waipu.tv und Zattoo, die sich ebenfalls mit Streaming-Angeboten und Content positioniert haben. Woran machen Sie fest, dass Sie das beste Angebot haben?
Ich bin da sehr selbstbewusst bei dem Thema. Wenn man sich die ganzen Tests der vergangenen Jahre anschaut, haben wir da eigentlich immer als Testsieger abgeschnitten. Das heißt: Auch von Dritten überprüft, können wir schon sagen: Wir haben das beste TV-Angebot am Markt. Was uns unterscheidet, sind auch die Tarife, bei denen beispielsweise RTL+ inkludiert ist, mit Ausnahme von MagentaTV Flex. Zudem haben wir Disney+ und Netflix in unseren Tarifen mit drin. Ein Beispiel ist unser Tarif MegaStream, in dem neben linearem Fernsehen in HD auch RTL+, Netflix, Disney+ in der werbefreien Version sowie Apple TV+ enthalten sind. Und das für nur 30 Euro. Außerdem gibt es weitere Partnerschaften wie mit ARD Plus und ZDF Select. Beide sind bei uns schon enthalten und kosten sonst jeweils 5 Euro monatlich.
Jetzt ist MagentaTV unter den von mir eben genannten Diensten nach meinem Kenntnisstand der einzige Dienst, der auch wirklich eigenen Content produziert oder produzieren lässt. Warum?
Weil wir uns dadurch differenzieren wollen. Der Teil von MagentaTV, bei dem wir – wie die Mitbewerber – Aggregator sind, ist ein Stück weit kopierbar. Dazu muss man sich zwar viel Mühe geben und eine gewisse Größe haben, aber es geht. Unsere exklusiven Inhalte können sie nicht kopieren.
Unsere Strategie fußt auf drei Säulen. Das eine ist die Integration von linearen und SVOD-Partnern wie Netflix. Die zweite Säule ist die beste Kundenerfahrung über Personalisierung, übergreifende Suche, Empfehlungen, einfaches An- und Abbuchen von Tarifen, aber auch Partneroptionen. Die dritte Säule sind unsere exklusiven Inhalte, die Sie gerade angesprochen haben.
Wir setzen auch immer wieder bewusst Content-Highlights, die uns klar differenzieren. Das tun wir im Bereich Sport mit der Fußball-Weltmeisterschaft, aber auch mit Turnieren wie der Europameisterschaft oder der Basketball-WM, für die wir vor zwei Jahren den Fernsehpreis gewonnen haben. Das machen wir im Bereich Musik mit unseren Festivals und im fiktionalen und nonfiktionalen Bereich.
Sie haben begonnen, FAST-Channels stärker in MagentaTV aufzunehmen. Inwieweit bietet das einen Mehrwert, wenn man Inhalte, die man auch auf Abruf jederzeit schauen kann, in lineare Kanäle als Endlosschleife packt und mit Werbung garniert?
Genau dieses Leanback-Verhalten ist bei einer bestimmten Zielgruppe extrem nachgefragt. Es geht um dieses einfache Sich-berieseln-Lassen und, wie bei vielen FAST-Channels, darum, eine Folge nach der nächsten zu schauen. Wir haben die ersten 18 FAST-Kanäle bei uns auf der Plattform. Bis Ende des Jahres werden es 40 sein und wir werden das darüber hinaus noch anbieten. Der große Vorteil von MagentaTV ist, dass wir das Nutzungsverhalten der Kundinnen und Kunden gut kennen. Die Crime-Channels, die wir jetzt schon bei FAST gelauncht haben, werden super angenommen. Mit MagentaTV können wir auch dafür sorgen, dass man nicht 400 FAST-Channels durchzappen muss, sondern dass wir dem Kunden zur richtigen Zeit die vier oder fünf ausspielen, die seinen Interessen entsprechen. Das wird kommen. Und dann ergeben FAST-Channels absolut Sinn.
MagentaTV 2.0: Darum dauert die Migration so lange
Lassen Sie uns mal weg von den Inhalten und hin zur Technik kommen. Sie migrieren Ihre Kunden von der alten MagentaTV-Plattform auf MagentaTV 2.0. Das erfolgt seit Langem und schrittweise. Wann sind Sie fertig und wann sind alle Kunden auf die neue Plattform umgestellt?
Wir haben mittlerweile weniger als eine Million Kunden auf der alten Plattform. Wir sind immer noch dabei, zu migrieren. Vor uns liegen größtenteils noch Kunden mit den alten Entertain-Receivern wie dem MR401. Hier müssen wir nicht nur ein Software-Update der TV-Box oder des Sticks durchführen, sondern tatsächlich die Hardware tauschen. Das ist aufwendiger und benötigt mehr Abstimmung mit den Kundinnen und Kunden.
MagentaTV 2.0 bringt Vorteile wie UHD, mehr Sender und alle Lokalfenster der dritten Programme. Gleichzeitig erleben viele Kunden Cloud-Aufnahmen, Vorspulsperren und neue Einschränkungen als Rückschritt. Wie erklären Sie, dass ein modernes TV-Produkt an manchen Stellen weniger kann als der alte Receiver?
Das sind Vorgaben der linearen Sender. Das folgt ihren Interessen, gerade was das Thema Werbung angeht. Wir müssen hier den rechtlichen und vertraglichen Forderungen unserer Partner Rechnung tragen. Das hat also nichts mit der alten oder neuen Plattform zu tun, sondern mit diesen neuen Content-Verträgen.
RTL: Künftig Freund oder Feind?
Kommen wir zu Ihrem Partner RTL. Der Sender wird zum 1. Juni Sky übernehmen und es entstehen neue Markt- und Machtverhältnisse.
Ja, darauf freuen wir uns.
Sie freuen sich? Ist RTL denn künftig eher Partner, Konkurrent oder beides?
RTL ist ein großer und wichtiger Partner. Wie schon erwähnt, ist RTL+ in fast allen unseren Tarifen integriert. Von unserer Partnerschaft haben beide Seiten in den vergangenen Jahren sehr profitiert. Ich finde es gut, dass es jetzt einen deutschen Player am Markt gibt, der mit seinen Kundenzahlen auch mit den großen amerikanischen Content-Häusern mithalten kann. Insofern stehe ich dieser Entwicklung positiv gegenüber.
Auch mit Blick auf ein Produkt, das Sky Stream heißt und eine direkte Konkurrenz für MagentaTV ist, weil auch dort alle linearen Kanäle enthalten sind.
Das schauen wir uns an. RTL selbst muss erst einmal für sich entscheiden, wie das Unternehmen damit umgehen möchte. Da wird es sicherlich Gespräche geben, die aber aufgrund der Übernahme, die ja erst zum 1. Juni vollzogen wird, tatsächlich noch nicht gestartet sind.
Herr Butzen, bis hierhin vielen Dank für das Gespräch.
Wir haben mit Arnim Butzen auch über das Thema Fußball-Weltmeisterschaft und MagentaTV gesprochen. Diesen Teil des Gespräches liest du in wenigen Tagen vorm WM-Auftakt auf inside digital.
