Wegen Telekom & Co.: Oberster 1&1-Chef bittet um Hilfe - das steckt dahinter

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Vor einem Jahr hat United Internet über seine Tochter 1&1 Drillisch Frequenzen für ein eigenes Mobilfunknetz gekauft. Bis heute gibt es aber lediglich einige wenige Testsender. United Internet-Chef Ralph Dommermuth machte nun deutlich, warum man noch nicht weiter ist.
Das 1&1 Logo
Bildquelle: David Gillengerten / inside handy

Im Rahmen einer Pressekonferenz zum Mobilfunkgipfel im Bundesverkehrsministerium verwies Dommermuth heute auf eine aus seiner Sicht besondere Lage in Deutschland. „Wettbewerb belebt das Geschäft“, leitete er seinen kurzen Appell ein und verwies darauf, dass Deutschland seit 2014 nur noch drei Mobilfunkanbieter hat. Das sei unüblich in Europa. Die europäischen G7-Staaten hätten jeweils mehr als drei Anbieter, die sich den Markt aufteilen.

Das habe auch die Politik erkannt und mit der Versteigerung der Lizenzen im vergangenen Jahr die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass es einen Mobilfunk-Neueinsteiger geben kann. „Wir haben das mit 1&1 Drillisch gerne angenommen„, so der Chef des Konzerns.

1&1 will eine neue Generation Netz bauen

Zur Vision der United Internet sagte Dommermuth: „Unser Ziel ist es ein leistungsfähiges 5G Netz zu schaffen, dass sich von den bisherigen Netzen unterscheidet.“ Nun sei natürlich ein 5G-Netz ein 5G-Netz. Was also macht den Unterschied aus? Diese Frage stellte sich Dommermuth selbst, um sie direkt zu beantworten: „Man baut heute die Netze anders und virtualisiert mehr.“ Open RAN, softwarebasierte Netze und Hersteller-unabhängige Technik seien die Stichworte. Ein solches Netz gebe es bisher nur in Japan, in den USA sei ein solches Netz angekündigt und United Internet wolle es in Deutschland bauen.

United Internet ruft Regulierer um Hilfe

Doch damit kommt United Internet und damit das 1&1-Netz nicht vom Fleck. Grund dafür sei eine fehlende Säule, die die Bundesnetzagentur im vergangenen Jahr in Aussicht gestellt hatte. Neben den Kapazitätsfrequenzen hatte der Regulierer ein nationales Roaming in Aussicht gestellt. In ländlichen Gegenden, dort wo ein Neueinsteiger noch nicht gebaut hat, solle dieser die bestehenden Netze nutzen. „Es gibt hier ein Verhandlungsgebot“, so Dommermuth.

Hierzu sei man auch seit einem Jahr in Gesprächen mit den anderen Anbietern. „Das hat – ich versuche es mal gut zu formulieren – bisher nicht funktioniert“. Damit scheint bei Dommermuth auch die Geduld am Ende: „Wir haben jetzt die Bundesnetzagentur angerufen und um Unterstützung gebeten, damit wir in die Gänge kommen.“ Es gehe immerhin um ein Investment von 10 Milliarden Euro.

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7 KOMMENTARE

  1. Was weint Herr Dommermuth da?
    Es gibt doch nur einen einzigen vernünftigen Weg:
    Sämtliche Netz-Hardware in einen Topf werfen und die laufenden Kosten dafür (zuzüglich der bislang angefallenen Investitionen) entsprechend der Nutzung durch die jeweiligen Anbieter umzulegen; für die „Struktur“ also eine „virtuelle Holding“ zu schaffen.
    Hinsichtlich Kampf um Marktanteile und Kundenpflege kann alles beim alten bleiben.
    Nur so lassen sich auch erhebliche Synergie-Effekte erreichen.
    Mit freundlichen Grüßen

  2. Sorry, das staatliche Monopol gab es. Nicht gut, nicht innovativ. Eine Freigabe der Frequenzen auf Lizenzbasis könnte da besser sein. Es kann aber nicht sein, dass eine Grundversorgung an Wasser, Strom, Abwasser, Gas…, Internet hier in Frage gestellt wird. Das besser nicht – oder wer kann sich das leisten, wenn nicht eine Solidarische Gesellschaft…

  3. Also mich wundert die Reaktion von Telekom, Vodafone und O2 nicht! Wer will schon gern sein Netz an einen vermieten , der ein Konkurrenz Netz aufbauen will. Den lässt man dann von Anfang an am langen Arm verhungern und ist somit einen Konkurrenten mehr los.

    So denken Telekom, Vodafone und O2.
    Allerdings verstehe ich die Bundes Netz Agentur nicht, die müsste der Telekom,Vodafone und o2 viel mehr Druck machen. Schliesslich durfte o2 am Anfang auch das netz von der Telekom mit benutzen!

    • Du kennst die Geschichte von o2? Die sind genau so groß geworden, da sie am Anfang das Telekomnetz genutzt haben.

  4. Genau darum geht es. Die Telekom hat ihre Infrastruktur vom Staat geschenkt bekommen, war Staat. Als Mobilfunk losging waren 3 Anbieter da und Zeit zum Aufbau. Jetzt neu anzufangen ist ohne Roaming schlicht nicht möglich. Man würde nicht einen gesunden Kunden bekommen mit einem Netz im Aufbau ohne Roaming. Wenn man ernsthaft für einen freien Markt ist, kann es keine Alternative geben. Man könnte Dommermuth fehlende Sicherheit dahingehend vorwerfen, aber genau solch ein Handeln schafft Innovation. Wünschen wir ihm Glück, oder besser Einsicht der Behörde. Es ist in jedem Fall im Sinne der Allgemeinheit.
    Infrastruktur ist das A und O von allem!

  5. Hoffentlich schauen sich die Mitarbeiter der Bundesnetzagentur auch Mal die Fernsehwerbung der 1&1 genauer an.
    Handys für 0 € (1000€ Marktwert) und all inklusive Tarife für 4,95€ . Klar daß man mit solchen Kundenversprechen keinen der physischen Netzbetreiber zu local Roaming überreden kann.
    Mal ganz davon abgesehen wird ein virtueller Netzbetreiber das Netz Ansich nicht verbessern.

  6. Also ich bin mit 1&1 sehr zufrieden. VDSL und auch Handy über O2 laufen sehr gut. Service war bis jetzt auch TOP. Nicht zu vergleichen mit früher.

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