Vodafone zieht den Stecker: Foto-Nachrichten bald nicht mehr möglich

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Vodafone räumt im eigenen Netz weiter auf. Nachdem im Sommer das UMTS-Netz abgeschaltet wurde, macht Vodafone nun die nächste Abschaltung öffentlich und offiziell. Demnächst kannst du keine Multimedia-Nachrichten mehr mit dem Handy verschicken.
Vodafone Zentrale in Düsseldorf
Vodafone Zentrale in DüsseldorfBildquelle: Vodafone

Die MMS wird Anfang 2023 bei Vodafone virtuell zu Grabe getragen, der Dienst abgeschaltet. Das machte der Düsseldorfer Netzbetreiber am letzten Tag des Jahres und somit mehr als ein Jahr vor der Abschaltung öffentlich. Am 17. Januar 2023 wird der Multimedia Messaging Service – kurz MMS – abgeschaltet. Der Grund: Vodafone sieht den Dienst als veraltet an. Zudem wird er kaum noch genutzt.

Die MMS war, bevor es Messenger wie WhatsApp und Telegram gab, faktisch die einzige Möglichkeit neben einer E-Mail, Bilder digital und in Echtzeit von A nach B zu verschicken. Die MMS, praktisch eine SMS mit Bildern, war lange Zeit Standard in jedem Handy. Doch wirklich durchsetzen konnte sie sich nie – nicht zuletzt aufgrund ihres Preises. In der Regel kostete eine MMS innerhalb desselben Netzes 39 Cent, bei einer Nachricht in ein anderes Netz mehr als ein Euro.

MMS: Erstmals digitale Bildübertragung ohne E-Mail

Europapremiere feierte der MMS-Dienst im April 2002 im Vodafone-Netz. Mit dem Start der MMS entfiel auch die Beschränkung auf 160 Zeichen pro SMS. Auch farbige Fotos, Musik oder Töne ließen sich als Multimedia-Nachricht versenden. Ein Jahr später konnten Vodafone-Kunden sogar kurze Video-Clips verschicken. „Mit der Video-MMS sollen Handybilder ‚laufen lernen‘“, hieß es in der dazugehörigen Ankündigung von Vodafone auf der Cebit 2003. Voraussetzung für den Versand einer MMS war ein MMS-fähiges Handy.

 „Die MMS ist veraltet, ihre Bedeutung gering und der Kundennutzen minimal. Deshalb gehen Vodafone und die MMS ab 2023 getrennte Wege“, sagt Vodafone-Technik-Chef Gerhard Mack. Technisch erfolgt der Versand einer MMS wie bei einer SMS über das mobile Datennetz im 2G-, 4G oder 5G-Netz. Ein Datentarif ist nicht notwendig. Ein MMS-Bild wird zunächst auf dem Handy komprimiert, dann an das zentrale Multimedia Messaging Center weitergeleitet und von dort an den Empfänger gesendet. Nachteil: Während ein Smartphone-Foto heute mehrere Megabyte groß sein kann, beträgt die Maximalgröße eines MMS-Fotos in allen deutschen Netzen nur 300 Kilobyte, also 0,3 Megabyte. Fotos, die per MMS versendet werden, kommen somit aufgrund der Kompression in einer geringeren Auflösung beim Empfänger an. Und kosten dabei weitaus mehr als normale Datenübertragungen.

Im Mobilfunknetz von Vodafone sei die MMS-Nutzung in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Alternativen für die MMS sind populäre Messenger wie WhatsApp oder Kommunikationstechnologien wie die „Rich Communication Services“ (RCS) auf Android-Geräten sowie die „iMessage“ auf iPhones.

MMS erreichte 2012 ihren Zenit

Rückblickend wurden im Vodafone-Netz zu Hochzeiten der MMS die meisten MMS-Nachrichten jeweils im Monat Dezember verschickt. In vielen Nachrichten dürften sich wohl Weihnachtsbäume und Feuerwerk-Fotos befunden haben. Der Spitzenwert wurde im Vodafone-Netz mit rund 13 Millionen versendeten MMS im Dezember 2012 erreicht. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum waren es im Vodafone-Netz 1,5 Milliarden SMS. Heute sind es gerade mal fünf Prozent des damaligen MMS-Wertes – also etwa 650.000 MMS-Nachrichten. Vodafone geht davon aus, dass die Zahl der monatlich versendeten MMS-Nachrichten in den kommenden Monaten weiter abnehmen wird.

Bis Ende Dezember 2022 kann die MMS im Vodafone-Netz noch uneingeschränkt genutzt werden, am 17. Januar 2023 schaltet Vodafone den Dienst vollständig ab. Für Geschäftskunden wird Vodafone im Bedarfsfall individuelle Lösungen anbieten. Die SMS, der Short Message Service, mit dem Textnachrichten verschickt werden, wird nicht abgeschaltet. Der SMS-Dienst funktioniert unabhängig vom MMS-Dienst und wird im Dezember 2022 sein 30-jähriges Jubiläum feiern können. Bei der MMS hingegen ist nach etwas mehr als 20 Jahren Schluss.

Bildquellen

  • Ein Sendemast für mobiles Internet: Pixabay / inside digital
  • Vodafone Zentrale in Düsseldorf: Vodafone
Vodafone Zentrale Düsseldorf
Vorwurf: Telekom, Vodafone & Co verstoßen gegen Datenschutz
Nach einer Recherche von Norddeutschem Rundfunk (NDR) und Süddeutscher Zeitung (SZ) verstoßen die deutschen Mobilfunkanbieter gegen geltende Datenschutzbestimmungen. Dabei geht es um Daten, die bei jedem Vertrag an die Schufa und andere Dienste übertragen werden.

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1 KOMMENTAR

  1. somidraso

    Warum kann sich nicht einmal ein Journalist, der die Sprache beherrschen sollte, an die richtige Schreibweise halten: Es heißt NICHT „…30-jähriges Jubiläum“, sondern 30. Jubiläum! oder „Jubiläum zum 30-jährigen Bestehen“.

    Ein „Jubiläum“ ist ein „Jahrestag“ oder ein „Jubeljahr“ und ist keinesfalls „30-jährig“.

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