Schnelles Internet: Vodafone gibt sein Kabel-Monopol auf

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Ein Paukenschlag auf dem deutschen Breitbandmarkt: Vodafone hat angekündigt, sein Kabelnetz für andere Anbieter zu öffnen. O2 soll der erste Anbieter sein, der 23,7 Millionen Haushalte mit schnellen Anschlüssen versorgen kann. Doch es gibt einen Haken.
Flaggen mit dem Vodafone-Logo wehen vor der Konzernzentrale in Düsseldorf
Bildquelle: Thorsten Neuhetzki / inside handy

Was jahrelang aus angeblich technischen Gründen von den Kabelnetzbetreibern abgelehnt wurde, ist nun auf einmal möglich: Vodafone öffnet sein Kabelnetz für andere Anbieter. Wie Vodafone und Telefónica übereinstimmend mitteilten, haben die beiden Anbieter eine Vereinbarung geschlossen, wonach O2 künftig Zugriff auf die Kabelnetz-Infrastruktur von Vodafone bekommen soll. Gegenüber inside handy bestätigte ein Unternehmenssprecher, dass es sich dabei nicht nur um Vorleistungsprodukte mit anderem Namen, sondern um einen wirklichen Zugriff auf das Netz handeln wird. O2 sei damit in der Lage, eigene Produkte zu kreierten.

O2 hat Zugriff auf 300 Mbit/s per Kabel

Im ersten Schritt handelt es sich bei der Vereinbarung um Anschlüsse mit einer Download-Geschwindigkeiten von bis zu 300 Mbit/s. Die schnelleren Leitungen mit bis zu 1 GBit/s per DOCSIS 3.1 bleiben zumindest zum Start der Zusammenarbeit noch in der Hand von Vodafone. Dennoch erreicht O2 durch den Vertrag 23,7 Millionen Haushalte mit bis zu 300 Mbit/s. Der Anbieter ergänzt damit die VDSL-Vorleistungen von der Telekom und anderen Anbietern. Im VDSL-Netz sind mit VDSL Supervectoring bis zu 250 Mbit/s möglich.  Der Kabel-Großhandelsvertrag ist langfristig ausgelegt, wobei sich Telefónica Deutschland verpflichtet, während der Vertragslaufzeit ein Mindestmaß an Kunden zu erreichen. Über die genaue Zahl ist nichts bekannt.

Damit die Vereinbarung zum Tragen kommt, und O2-Kunden Kabel-Anschlüsse buchen können, gibt es jedoch noch mehrere Voraussetzungen zu erfüllen. Kern des Ganzen ist die geplante Übernahme des Kabelnetzanbieters Unitymedia durch Vodafone. Nur wenn die EU-Kommission sie genehmigt, kommt auch die Vereinbarung mit Telefónica zum Tragen. Zuletzt sah es nicht gut aus für die Genehmigung.

Platzt die Unitymedia-Übernahme, platzt der O2-Vertrag

So macht Vodafone auch keinen Hehl daraus, dass man den Vertrag mit O2 nur geschlossen hat, damit die EU-Kommission der Übernahme zustimmt. „Mit dem der EU-Kommission vorgestellten Maßnahmenpaket bietet Vodafone eine Lösung für eine potentielle Verminderung des Wettbewerbs durch Vodafones DSL-Angebote im Unitymedia-Gebiet sowie Bedenken hinsichtlich möglicher Wettbewerbsbeschränkungen im Fernsehmarkt“, heißt es in einer Mitteilung von Vodafone.

Mit der geplanten Übernahme der Unitymedia will Vodafone nach eigenen Angaben den Wettbewerbsdruck im Markt deutlich erhöhen. Es soll „erstmals neben der Telekom einen zweiten, bundesweiten Festnetz-Anbieter“ geben. Klar ist auch: Platzt die Übernahme, platzt der Vertrag mit O2.

Erste O2-Kabelanschlüsse wohl ab 2020

O2 hingegen freut sich, künftig mehr Kunden per Festnetzleitung erreichen zu können. Gleichzeitig macht sich das Unternehmen unabhängiger von der Telekom und ihren VDSL-Vorleistungen. „Durch das geschlossene Kabel-Abkommen können wir künftig Millionen zusätzlicher Haushalte in Deutschland mit Highspeed-Internet ausstatten. Durch die Ergänzung mit schnellen Kabelanbindungen haben wir nun Zugriff auf ein umfangreiches Infrastruktur-Portfolio“, sagt Markus Haas, CEO von Telefónica Deutschland.

Mit einem Start der Vermarktung von O2-Anschlüssen per Kabel ist erst im Jahr 2020 zu rechnen, wie ein Sprecher inside handy mitteilte. Der Grund ist nicht nur die schwebende Übernahme der Unitymedia. Auch die Schaffung von technischen Schnittstellen zwischen dem Vodafone-Kabelnetz und der Telefónica müssen noch realisiert werden. Entsprechend kann O2 auch noch keine Angaben zu den Endkunden-Angeboten machen.

O2 war gerade erst wieder in den TV-Markt eingestiegen und bietet seinen Festnetz- und Mobilfunkkunden seit 2. Mai O2 TV an.

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