Vodafone & Deutsche Bahn: So soll das Handynetz im ICE & Regionalexpress besser werden

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„Hallo, schön das du anrufst. Du, ich sitz im Zug, kann sein, dass du gleich weg bist. … Hallo?“ Das kennst du als Bahn-Fahrer sicherlich? Für Vodafone-Kunden soll sich das ändern. Das versprechen jetzt Vodafone und die Deutsche Bahn. Allerdings: Es dauert!
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VodafoneBildquelle: Artem Sandler / inside digital

Vodafone und die Deutsche Bahn schließen deutschlandweit gemeinsam die noch vorhandenen Lücken im Vodafone-Mobilfunknetz an den Schienenstrecken. Das haben die beiden Unternehmen jetzt angekündigt und zu diesem Zweck eine Infrastrukturpartnerschaft vereinbart. Die Vereinbarung haben die beiden Unternehmen heute in Berlin unter den Augen von Verkehrsministers Volker Wissing verkündet. Das Versprechen: Lückenloses LTE im Zug. Und mehr noch: Auch 5G+, das 5G-Standalone-Netz von Vodafone, soll verfügbar sein. „Bahnreisende profitieren dann neben hohen Bandbreiten erstmals auch von extrem niedrigen Reaktionszeiten im modernsten 5G-Netz Europas“, so Vodafone.

Die Vereinbarung zwischen der Bahn und Vodafone sieht vor, dass Vodafone besonders stark frequentierte Strecken bis 2025 mit einem lückenlosen LTE-Mobilfunknetz mit hohen Bandbreiten versorgt. Davon profitieren vor allem jene Fahrgäste in den Zügen der DB, die das Netz von Vodafone nutzen. Das betrifft auch Kunden bei Discountern oder Providern. Gesprächsabbrüche sollen dann endlich der Vergangenheit angehören. Und auch mobiles Surfen im Internet wird schneller und unterbrechungsfrei funktionieren. Indirekt verbessert sich dadurch auch das WLAN an Bord der Züge, denn das ist auf die drei Mobilfunknetze von Telekom, Vodafone und O2 angewiesen.

So viele Handymasten baut Vodafone an der Bahn neu

Fahrgastanzeige mit Bekanntmachung der Kooperation der Deutschen Bahn und Vodafone
Fahrgastanzeige mit Bekanntmachung der Kooperation der Deutschen Bahn und Vodafone

Konkret sieht der gemeinsame Ausbauplan von Vodafone und Deutscher Bahn vor, dass Vodafone die 7.800 Kilometer Hauptverkehrsstrecken, auf denen ICE und IC fahren, bis Mitte 2025 durchgängig mit Bandbreiten von mindestens 225 Mbit/s im 4G-Netz versorgt. Auf 13.800 Kilometern fahrgaststarker Strecken sorgt Vodafone nach eigenen Angaben für lückenloses 4G-LTE mit Bandbreiten von mindestens 125 Mbit/s. Auch das dauert aber bis Sommer 2025. Dafür wird Vodafone 160 zusätzliche Mobilfunkstationen errichten und rund 1.000 Modernisierungsmaßnahmen durchführen.

Aber auch auf den Nebenstrecken soll sich etwas tun. Denn auch hier will Vodafone den Mobilfunkausbau vorantreiben. Das Ziel: Bis 2024 eine nahezu durchgängige Mobilfunkversorgung realisieren. Die Deutsche Bahn wird dazu mehr als bisher Flächen und Glasfaserinfrastruktur entlang der Schienen zur Verfügung stellen und Dienstleistungen rund um Planungs-, Genehmigungs- und Bauprozesse anbieten. Außerdem arbeitet die Bahn an technischen Innovationen wie mobilfunkdurchlässigen Fensterscheiben, um Mobilfunksignale noch besser in den Innenraum der Züge zu lenken – auch ohne Repeater.

5G+ im Zug und LTE auf dem Land

Verkehrsminister Wissing trifft Vodafone-Vorstand Ametsreiter und Bahn-Digital-Vorstand Gerd tom Markotten
Verkehrsminister Volker Wissing (links) trifft Vodafone-Vorstand Hannes Ametsreiter (rechts) und Bahn-Digital-Vorstand Daniela Gerd tom Markotten

Vodafone hat auch angekündigt, 5G Standalone in die Züge zu bringen. 5G+ soll bis 2025 deutschlandweit verfügbar sein. Zum Einsatz kommen hier aber die 1800 Megahertz-Frequenzen. Das heißt, Funktionen wie niedrige Latenzen stehen zur Verfügung, nicht aber Gigabit-Internet. Dazu müsste Vodafone andere Frequenzen mit einem breiten Spektrum nutzen, was technisch in der Fläche aber nicht sinnvoll ist. Übrigens: Trotz aller Ausbaupläne und Bandbreiten bleibt ein Problem die Bandbreite für jeden einzelnen. Je mehr Fahrgäste im Zug desto mehr Vodafone-Kunden greifen gleichzeitig auf die 125 oder 225 Mbit/s zu. Bei hundert Kunden bleiben rechnerisch nur noch 1,25 oder 2,25 Mbit/s übrig. Ist der Zug noch voller, sinkt die Bandbreite noch weiter.

Auch, wenn der Zielausbau erst für 2025 zu erwarten ist – Ende des Jahres sollen Nutzer von Vodafone erste Schritte beim Ausbau merken. Denn dann darf Vodafone (so wie auch Telekom und O2) LTE auf 900 MHz im Nahbereich der Schienen nutzen. Bisher war dieses auf einem Abstand von vier Kilometern verboten. Der Grund: Der Zugfunk hätte gestört werden können. Alle Bahnunternehmen überarbeiten aber derzeit ihre Endgeräte, sodass die Nutzung ab Ende des Jahres möglich ist.

Positiver Nebeneffekt des Ausbaus durch Vodafone entlang der Bahnstrecken ist übrigens auch, dass die Versorgung der Bevölkerung entlang der Bahnstrecken besser werden wird. Denn die Sendemasten sind auch aktiv, wenn kein Zug fährt und bringen die bis zu 225 Mbit/s in die Luft.

Auch Telekom kooperiert mit der Bahn

Schon vor fast einem Jahr hatte die Bahn zusammen mit der Deutschen Telekom ähnliche Ausbaupläne vorgestellt. Das Gesamtprojekt läuft bis 2026, doch es gibt mehrere Meilensteine. So soll der Zugfunk bis Ende 2022 umgebaut sein. Dann können die Netzbetreiber weitere Frequenzen einsetzen und so Datenraten erhöhen. Auf vielen Strecken werden die geplanten Investitionen bis 2024 erfolgen. Alle ICE und IC-Strecken will die Telekom bis Ende 2024 mit einer Datenrate von mehr als 200 Mbit/s versorgen. Warum es dennoch kein Highspeed-Internet im ICE geben wird, haben wir dir hier gezeigt.

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1 KOMMENTAR

  1. Frei

    So könnte es 100 % flächendeckend funktionieren. (ggf. auch preiswerter und schneller):
    Bahn kauf einen / einige Satelliten mit breitbandigen Internetanbindung. (Oder macht ein Deal mit Musk / Amazon)
    Jeder ICE erhält eigene mini G5 / LTE- Zelle, und einen Link zu Satelliten- Internet. Dazu eine selbstnachführbare Satelliten-Antenne.
    Dann gäbe es auch in tiefsten Walachei in Grenzzonen 100 % flächendeckend Handy- Telefonate und Internet.
    Die Satelliten dürften nicht zu hoch sein, damit durch die größere Entfernung, die Latenz bei Telefonaten erträglich bleibt.
    Tunnel / tiefe Schluchten ohne speziellen Infrastruktur ausgenommen.

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