UMTS-Aus: Diese böse Überraschung für Autofahrer steht bevor

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Ende des Monats werden Telekom und Vodafone ihr in die Jahre gekommenes UMTS-Netz abschalten. Während man Smartphone-Kunden vergleichsweise leicht mit LTE-Smartphones versorgen kann, dürfte es im Sommer eine böse Überraschung für viele Autofahrer geben.
Der Innenraum eines Merdeces mit Lenkrad und Bordcomputer
Mercedes me connect DienstBildquelle: Mercedes Benz

Viele Autos sind heute über sogenannte M2M-SIM-Karten online. Das sind SIM-Karten, die nur zur Kommunikation einer Maschine mit dem Internet dienen. Das beginnt beim Tesla, der sich komplette Firmware-Updates für das Auto per Mobilfunk herunterlädt und endet beim eingebauten Navigationssystem, das nur Echtzeit-Verkehrsinfos braucht. Die Hersteller der Autos und On-Board-Systeme haben dazu mit den Mobilfunkanbietern entsprechende Rahmenverträge geschlossen. Autofahrer haben darauf aber keinen Einfluss. Sie müssen die Verträge auch nicht separat bezahlen.

Wenn im Juli die UMTS-Netze abgeschaltet sind, dürften zahlreiche Autofahrer aber bemerken, dass die Datenkommunikation ihres Autos deutlich langsamer wird. Denn vor allem etwas ältere Autos haben oftmals noch kein LTE-Modul verbaut. Diese On-Board-Systeme haben dann nur noch Zugriff auf das langsame GSM- oder EDGE-Netz, um Daten zu übertragen.

Vodafone: „Auswirkungen überschaubar“

Oftmals kommt in diesen Systemen das Netz von Vodafone zum Einsatz. Doch der Netzbetreiber hält die Auswirkungen der 3G-Abschaltung auf die mit UMTS-Kommunikationsmodulen ausgestatteten Fahrzeuge für „überschaubar“. Es sei richtig, dass in den vernetzten Fahrzeugen der ersten Generation bei den meisten Autoherstellern und -marken Technik verbaut ist, die im 2G- und 3G-Netz funktioniert. Dabei handele es sich um Autos, die bis 2014 auf den Markt gekommen seien, teilte der Netzbetreiber auf Anfrage von inside digital mit.

Doch die Anzahl der Anwendungen sei gering und „diese übertragen nur sehr kleine Datenmengen“. Dazu gehört einerseits der eCall, der automatische Notruf im Auto. Als weitere Beispiele nennt Vodafone „Remote Services“, bei denen die Autos beispielsweise Kommandos zum Öffnen von Türen empfangen. Auch Anwendungen, die „textbasierte Verkehrsinformationen“ abrufen, gebe es. „Alle diese Dienste funktionieren auch nach der 3G-Abschaltung in Deutschland, da sie abwärtskompatibel sind und dann der Rückgriff auf das 2G-Netz erfolgt“, so ein Konzernsprecher.

Datenintensive Dienste kamen erst mit LTE

Anwendungen, die besonders datenintensiv sind, habe die Autoindustrie erst ab 2014 und damit nach Einführung des LTE-Mobilfunkstandards in ihre Fahrzeuge integriert. Dabei handelt es sich beispielsweise um Firmware- und Software-Aktualisierungen oder Karten-Updates für Navigationssysteme, heißt es von Vodafone.

In diesen Fällen könnten die übertragenen Datenmengen bis zu einem Gigabyte groß sein. Sie werden über das LTE-Netz und zum Teil zu Hause auch über WLAN-Verbindungen transportiert. Die UMTS-Abschaltung hat keine Auswirkungen auf die Breitbanddienste, die vernetzte Fahrzeuge der zweiten Generation (ab 2014) verwenden.

UMTS-Abschaltung internationales Thema

Vodafone betont, dass die 3G-Abschaltung kein Alleingang sei, sondern vielmehr ein internationales Thema. „In Deutschland haben wir sehr lange am 3G-Netz festgehalten“, so das Unternehmen. Da die Mobilfunkstandards weltweit gelten und Autos in alle Märkte verkauft werden, arbeite die Telekommunikationsbranche schon seit Jahren in verschiedensten Gremien eng mit der Automobilindustrie im Hinblick auf die 3G-Abschaltung zusammen, so Vodafone.

Dennoch wird es im Juli wohl vereinzelt Kunden geben, bei denen es länger dauern wird, bis das eingebaute Navi die Verkehrsdaten geladen hat. Eine Umrüstung der Systeme ist nicht möglich. Unsere Anfragen an verschiedene Autohersteller zu diesem Thema blieben unbeantwortet.

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13 KOMMENTARE

  1. Wo ist jetzt die „Böse Überraschung für Autofahrer“, wenn sie im Artikel darlegen, das es kaum jemanden betrifft?

  2. Es gigt Systeme, die sich, statt einen eigene Verbindung aufzubauen, mit einem WLAN Verbinden können. Das kann der Hotspot vom Smartphone sein oder auch ein mobiler LTE Router. Und so ist man dann auch wieder flotter online

  3. Nur das LTE immer noch nicht flächendeckend ausgebaut ist. Ja immer erstmal abschalten. Elektroaustos das selbe. Erstmal über Verbrennerverbote diskutieren, bevor es eine vernünftige Ladeinfrastruktur gibt. Armes Deutschland.

  4. Es wurden bis 2016 von einigen Anbietern Autos ohne 4G verbaut (BMW z.B). Leider wusste man das als Kunde nicht. Die Hersteller lassen den Kunden mal wieder im Regen stehen, dabei wäre ein Upgrade auf ein moderneres Modem technisch kein Problem. Aber die Autos sind ja aus einem Stück gefeilt, Upgrades nicht vorgesehen. Das bei Produkten die mehrere Zehntausend Euro kosten. Beim BMW kann man auch nicht einfach Internet über das Telefon beisteuern. Ich habe jetzt alle Abos bei BMW gekündigt. Antwort auf die Frage nach einem Upgrade habe ich auch nicht bekommen. Man redet sich als Hersteller raus,man solle sich an die Werkstatt vor Ort wenden. Die wissen natürlich nichts. Sehr professionell vom BMW… nicht.

    • Stimme voll zu. Habe einen BMW von 2016. Auto wurde 03/2016 auf den Markt gebracht. Nur 3G verbaut. BMW 2020 auf UMTS Abschaltung angesprochern. Antwort: „Pech gehabt. e-call geht ja noch“. Bin mal gespannt ob man die teuren „Connected Drive“ Dienste noch bnuchen kann, obwohl sie nicht mehr richtig funktionieren.

      • Auto ist ein PHEV. Da werden auch die Ladesäulen online (frei?) angezeigt (nach Abschaltung nicht mehr. Auch die Ladestatus ist wahrscheinlich über App nicht mehr abrufbar. Ganz zu schweigen von remote-Klima.

        g

  5. Was für Schwachsinn UMTS abschalten, eine weiteres terrorisieren des Bürgers, 3G wird noch benötigt.
    Was haben wir nur für Politiker die und ständig mit abschalten hier und abschalten dort nerven.

  6. Es macht den Eindruck als ob man die Deutschen nicht so lässt wie sie es könnten.Weshalb funktioniert im kleinen Inselstaat oder sog.dritte Weltländern das Internet vorbildlich hier leider nicht?
    Dürfen wir nicht?Oder sind wir noch immer zum ausbeuten da?Ich glaube diese Lahmheit in der technischen Entwicklung ist nicht freiwillig.Besser werden,wenn man gelassen wird.

  7. Deutschland ist ein klassisches Beispiel Unternehmen Känguru. Große Klappe aber leere Beutel und Kassen. Auf dem Bestem Weg zum Dritte Welt Land. Von einer Handvoll Politik und Wirtschaftsmachos regiert und gesteuert. Bürger auch Lemminge folgen diesem System Blind wegen Ihrer Bequemlichkeit.

  8. Liebe Mitbürger. Warum jammert ihr denn immer? Jeder meckert und jammert, aber niemand steht auf! Ihr habt diese korrupten und teilweise geistig minderbemittelten Politiker doch gewählt. Für die freie Wirtschaft sind sie zu blöd, aber für die Politik reicht es völlig aus.
    Kauft oder Finanziert euch doch einfach einen neuen BMW😂 (Spaß)
    Mit uns Deutschen kann man doch machen was man will!
    Beste Grüße aus Bayern.

  9. Also wenn ich mal nur EDGE habe, dann kann ich nicht einmal mehr eine Nachricht auf WhatsApp und Co. verschicken und oder erhalten geschweige denn eben mal was googeln oder eine Telefonnummer suchen…

    Also wie zur Hölle sollen Notrufe usw. dann noch funktionieren?

    Die Technik wurde verkauft, also muss auch zu 100% sichergestellt werden, dass alles noch reibungslos funktioniert, und das wird es nicht, nicht mit unseren Intelligenten überbezahlten Fachkräften!

    Hier gibt es noch nicht einmal eine flächendeckende Mobilfunk Versorgung, LTE ist nicht einmal annähernd überall verfügbar und es wird 5G als die Zukunft angepriesen und schaffen es nicht einmal ein Netz auszubauen, und 5G benötigt einiges mehr an Sendemasten, vergleicht es mit eurem 5G WLAN zuhause, dass reicht nur ein paar Meter und so ähnlich ist es auch mit 5G Mobilfunk nur was dramatischer, denn in Gebäude geht es nicht rein, also muss weiter ausgebaut werden, und wie bereits erwähnt, es wurde nicht einmal geschafft LTE auszubauen was völlig ausreichend ist!
    Ich meine, die meisten haben einen 50er DSL Anschluss und sind zufrieden und jammern bei 300 Mbit LTE rum weil es zu langsam ist und alle 5G wollen?
    Ich denke nicht das es so ist!

    Fazit: Bevor man was neues beginnt was auch noch erheblich aufwendiger ist, sorgt man dafür, dass das was funktioniert ausgebaut wird und bezahlbar für alle ist und fängt nix neues an was scheitern wird und viel zu teuer ist!

  10. Ich habe einen BMW i3 Baujahr 10 / 2016. Auch dieses „ultramoderne“ Elektroauto kann kein LTE. Darum wurde mir schon im Januar mein Entertainment-Abo gekündigt.
    Auch, wenn Vodafone da keine Probleme sieht: Ich habe nur zähneknirschend auf mein Entertainment-Abo verzichtet.
    Auf Nachfragen bei meinem Autohändler und BMW i Kundenbetreuung ist eine Aufrüstung auf LTE nicht möglich und nicht vorgesehen.

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