Abschaltung von 3G / UMTS: Millionen Handynutzer in Gefahr - theoretisch

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In den kommenden Monaten und Jahren bauen Vodafone, Deutsche Telekom, Telefónica Deutschland und Neueinsteiger 1&1 Drillisch neue, moderne 5G-Netze auf. Parallel dazu ist es aber auch beschlossene Sache, dass die UMTS-Netze in Deutschland nach und nach verschwinden sollen. Auf dem Papier hätte das verheerende Folgen für Millionen Handynutzer.
Mobilfunk Basisstation Montage
Bildquelle: Telefónica Deutschland

Das Problem: In vielen Handytarifen ist (noch) nicht vorgesehen, dass diese mit LTE nutzbar sind. Stattdessen sind maximal UMTS-Verbindungen vorgesehen. Das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ berichtet nun unter Berufung auf einen Bericht der Bundesnetzagentur von konkreten Zahlen. Ende 2018 wurden demnach nur 47 Prozent der in Deutschland eingesetzten Karten mit LTE benutzt. Der Rest nutze ältere Technologien wie 3G.

UMTS-Rückbau trifft vor allem Discount-Kunden

Nun könnte man meinen, dass es ein riesiges Problem darstellt, wenn über 50 Prozent der Deutschen in Handyverträgen feststecken, die kein LTE unterstützen. Wäre es auch, wenn die deutschen Mobilfunk-Provider nicht längst gegensteuern würden. Richtig ist, dass die großen deutschen Netzbetreiber in vielen Regionen UMTS-Standorte zu Gunsten von LTE-Antennen (und künftig auch zu Gunsten von 5G) abbauen. Zur Wahrheit gehört aber eben auch, dass LTE in immer mehr Tarifen fester Bestandteil ist – oder bald sein wird.

Auf Basis der vorliegenden Zahlen zog die Bundesnetzagentur in ihrem Bericht richtigerweise den Schluss, dass in erster Linie viele Mobilfunk-Discounter ihre Tarife ohne Zugang auf die LTE-Netze anbieten. Das betrifft allerdings (fast) ausschließlich auf Tarife in den beiden D-Netzen von Deutscher Telekom und Vodafone zu. Denn Telefónica Deutschland hat sein LTE-Netz längst auch für Tarife von Drittanbietern geöffnet. Zwar beschnitten auf meist 21,6 oder 50 Mbit/s, aber LTE ist verfügbar.

Den unmittelbaren Schluss zu ziehen, dass viele Kunden aufgrund des UMTS-Rückbaus bald nicht mehr mit ihrem Handy telefonieren können, wäre aber zu oberflächlich betrachtet. Denn kein Provider in Deutschland wird Interesse daran haben, Tarife anzubieten, die faktisch nicht (mehr) nutzbar sind. Auch die großen Netzbetreiber übrigens nicht. Denn sie können über Discount-Anbieter ihre Netze besser auslasten und so kostendeckend(er) betreiben.

LTE kommt in immer mehr Tarife

Und die Entwicklungen der vergangenen Monate sprechen auch für sich. Congstar, klarmobil.de, freenet mobile oder auch otelo bieten ihren Kunden inzwischen in ersten Tarifen auch den Zugang zum LTE-Netz an. Nicht nur Neu-, sondern auch Bestandskunden werden hier nach und nach auch für die LTE-Nutzung freigeschaltet. Weitere Anbieter werden nachziehen. Müssen nachziehen. Tun sie es nicht verlieren sie schlicht und ergreifend ihre Geschäftsgrundlage.

Viel größeres Problem: Handys ohne LTE-Technologie

Ein ganz anderes Problem sind Handys, die aus rein technischer Sicht kein LTE unterstützen. Viele Menschen telefonieren auch heute noch mit Mobiltelefonen, nicht fit für die vierte Mobilfunk-Generation sind. So wies Telefónica Deutschland beispielsweise für das erste Quartal 2019 eine Smartphone-Penetration von 66,6 Prozent unter den eigenen Kunden aus.

Kunden die entweder aus Gewohnheit oder aus mangelndem Interesse auf die Nutzung eines Smartphones verzichten, könnten in Zukunft tatsächlich vor dem Problem stehen, dass sie in immer weniger Regionen Deutschlands – vor allem im ländlichen Raum – mobil zu erreichen sind. Hier muss dann auch beim Verbraucher ein Umdenken einsetzen.

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10 KOMMENTARE

  1. Ich lebe seit einigen Jahren in Frankreich, nicht weit von der deutschen Grenze. Seit mehr als zwei Jahren gibt es hier schon kein UMTS Netz mehr, es wurde alles auf LTE umgestellt. Das merkte ich sehr schnell, als nach der Umstellung mein deutscher Smartphone Tarif keine Roaming Verbindung mehr bekam, auch telefonieren ging nicht mehr! Das war kein Prepaid, sondern ein teurer Postpaid Tarif. Eine außerordenliche Kündigung war nicht möglich, den Grund akzeptierte der Provider nicht.

  2. Mal abgesehen, dass ihr statt einer UMTS Antenne eine Rifu-Antenne zeigt, stimmt es schlicht nicht, dass man mit einem 3g Vertrag ohne UMTS-Infrastruktur nicht telefonieren könne. Denn MB09 gibt es ja weiterhin, bei dem Gsm900 und Lte900 parallel auf eine Antenne gemultiplext werden.

      • GSM bleibt ja weiter verfügbar, also kannst Du dein Handy auch weiter nutzen. Solltest Du aber mobiles Internet auf dem Nokia nutzen, wird es schwieriger… um nicht zu sagen quasi unmöglich…

  3. Hallo Zusammen, was ich sage ist, da wo ich wohne habe ich oft genug nur Edge oder UMTS. Das heißt also wenn UMTS weg kommt bleibt mir vorerst Edge, denn ein 5G Handy habe ich so schnell nicht. Und das LTE plötzlich bei mir so gut geht das ich das nutzen kann… An sowas glaube ich seit dem LTE Ausbau nicht mehr, denn da Mobilfunkbetreiber wollen ihre neue Technik einsetzen und da weicht nicht bloß altes sondern es wird auch weniger versorgt. Damals war ich in BW in der schwäbischen Alb und musste zusehen wie ich immer schlechteren Empfang mit UMTS hatte. Und der letzte Knackpunkt, nachdem bei der 5G Auktion soviel Geld rausgeschmissen wurde, wird es mit 5G wie mit LTE, zuerst die Gebiete wo mehr Geld rein kommt. Also dünner besiedelte Gebiete bleiben wieder auf der Strecke. Danke Vater Staat, für diese blödsinnige Aktion um Geld zu verdienen, auf Kosten von allen die außerhalb der Großstädte leben. Da nutzen auch keine Auflagen an die Konzerne. Die sitzen am längeren Hebel und zahlen lieber eine Strafe als auf die Gewinne zu verzichten.

  4. Das Drama an der Sache ist, daß in vielen ländlichen Regionen weder LTE zur Verfügung steht, noch UMTS gescheit funktioniert … dies hat der Autor des Artikels vollkommen übersehen. Man kann von einer flächendeckenden Versorgung Deutschlands nur träumen … insbesondere im Netz der Telefonica!

    • Aber daran wird ja gearbeitet… die Netzbetreiber haben Auflagen, dass sie bis Jahresende noch sehr viel mehr Fläche per LTE abdecken müssen als bisher… die Auflagen der Bundesnetzagentur werden vrsl. nicht alle erfüllt werden, aber dass am LTE-Ausbau eifrig von allen Beteiligten gewerkelt wird, daran gibt es keinen Zweifel.

  5. Es gibt einen Problembereich, der im Artikel und auch in den Kommentaren noch nicht berücksichtigt wurde: Bei den meisten Dual-SIM-Geräten wird LTE nur für den erstem SIM-Kartensteckplatz unterstützt. Der zweite Kartensteckplatz kann nur mit maximal GSM/UMTS betrieben werden.

    So wird aus einem Dual-SIM-Gerät ein einfaches Singe-SIM-Gerät. 🙁

    Ich habe mir vor nicht einmal 2 Jahren ein Samsung Note 8 gekauft. Dieses Gerät wäre von dem oben beschriebenen Problem betroffen.

  6. Thema Dual-SIM. Der zweite Schacht wird ja meist nur gebraucht um geschäftl. zu telefonieren oder telefonisch erreichbar zu sein. Und das geht ja auch über 2G.

  7. Blödsinnige Antwort.
    Dann kannst du auch gleich wieder auf Rauchzeichen und Trommeln umsteigen…
    geht auch ….sogar ohne alles

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