Transparenz-Offensive: So will Huawei die 5G-Vorwürfe entkräften

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Lange hat Huawei auf sich einprügeln lassen, wenn es um Spionagevorwürfe und die Sicherheit der Netze beim künftigen 5G-Ausbau geht. Jetzt schlagen die Chinesen eine neue Richtung ein und kündigen eine Transparenz-Offensive an.
Ein LTE-Sendemast
Bildquelle: Telefónica

Hintertüren, Spionagevorwürfe und ein mögliches Verbot zur Beteiligung am 5G-Ausbau in Deutschland. Huawei hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten vieles anhören und lesen müssen über sich und die vermeintliche Zuverlässigkeit des Ausrüsters aus China. Am vergangenen Wochenende sendete der Deutschlandfunk ein Interview mit dem leitenden Technologiechef von Huawei in Deutschland, Michael Lemke. Dieser plädierte dafür, dass die komplette Diskussion um Huawei und die Bedenken um die Technik und Sicherheit faktenbasiert geführt werden sollte. Hier fühle man „doch eine große Lücke in der öffentlichen Diskussion bezogen auf unsere Wahrnehmung“.

Lemke kritisierte, dass keiner der Vorwürfe, mit denen sich das Unternehmen konfrontiert sieht, in „irgendeiner Form mit bisherigen Kooperationen von Huawei global und auch in Deutschland in Verbindung bringen“ ließe. Das betreffe Backdoors, Datenabflüsse oder auch Sabotageakte.

Huawei habe „hervorragendes Verhältnis zu deutschen Netzbetreibern“

Möglicherweise ließen sich die gegenüber Huawei gemachten Vorwürfe darauf zurückführen, dass der Konzern eine „gewisse Marktwahrnehmung erreicht“ habe. Huawei sei seit 2005 in Deutschland aktiv und habe „ein hervorragendes Verhältnis zu den deutschen Netzbetreibern“. Man habe auch Vertrauen geschafft, indem „wir Einblick in unsere Technologie gewährt haben, indem wir sehr kooperativ beim Thema der Planung und der Entwicklung neuer Technologien waren.“ Die Telekom hatte sich in der Diskussion hinter vorgehaltener Hand für Huawei stark gemacht. Das Unternehmen setzt massiv auf die Technik der Chinesen und hatte bei einem Verbot Nachteile befürchtet, Vodafone hingegen will auf Huawei-Technik verzichten.

Dass nun bei 5G das Misstrauen wächst, führt der Technologiechef darauf zurück, dass das Thema Digitalisierung eng mit 5G verknüpft sei. Die Öffentlichkeit denke, 5G sei etwas fundamental Neues. „Das stimmt aber nicht. Die Technologie, die mit 5G fortentwickelt wird, stammt aus dem Umkreis 4G – ist also ähnlich. Es werden nur höhere Fähigkeiten eingebaut. Mit diesen höheren Fähigkeiten wird aber auch eine größere Verbreitung von vernetzten Geräten“ kommen.

„Wir haben kein Interesse an Hintertüren“

Auf die Frage, wie Huawei argumentiert, wenn es um Befürchtungen geht, dass Netzwerkkomponenten chinesischer Hersteller Hintertüren für den Zugang staatlicher Stellen aus China haben könnten, sagte der Huawei-Manager: „Wir haben daran kein Interesse.“  Huawei sei eine Firma, die Geschäfte machen möchte. „Wenn man sich diesem Verdacht nur nähert, hat das Einfluss auf das Geschäft.“

Außerdem sei keine der fraglichen Netzwerkkomponenten in den Mobilfunknetzen an das Internet angeschlossen. „Die Netzbetreiber betreiben diese Netzkomponenten in einem eigenen abgeschlossenen Netz – in einem privaten Netz.“  Das sei vom öffentlichen Internet komplett separiert. „Das heißt, es besteht eine sehr hohe Hürde und man müsste zusammen mit dem Betreiber kooperieren, um überhaupt an die Netzprodukte heranzukommen.“

Dass staatliche chinesische Stellen ohne das Wissen von Huawei Hintertüren einbauen, sei für das Unternehmen schwierig zu entkräften. Huawei stelle jedoch sicher, dass die gelieferten Komponenten und die Software auch auf dem Lieferweg vollständig von Huawei kontrolliert und überwacht wird. „Es müsste dort tatsächlich illegalerweise passieren.“ Das allerdings sei außerhalb seiner Kommentierungsreichweite. Er machte deutlich: „Huawei selber macht die Türen nicht auf“.

Deutschland-Chef: Staat hat keine Anteile an Huawei

Auch der Deutschland-Chef von Huawei, Dennis Zuo, hat Spionagevorwürfe gegen sein Unternehmen zurückgewiesen. „Die Sicherheit der Netze hat für uns oberste Priorität“, sagte Zuo dem „Handelsblatt“. Das Unternehmen gehöre zu 100 Prozent der Belegschaft. „Der Staat hält keinen Anteil an Huawei. Und er hält sich aus unseren Geschäften raus“, sagte Zuo. Künftig werde Huawei daran arbeiten, sich offen und transparent in die Debatte um die Sicherheit der Mobilfunknetze einzubringen.

Zuo betonte, Huawei sei unabhängig und es habe niemals einen Zugriff des chinesischen Staates gegeben. „China sind nicht die USA. Dort setzt die Regierung vielleicht ihren langen Arm über Grenzen hinweg ein“, sagte Zuo. Zudem werde Huawei in den kommenden fünf Jahren rund zwei Milliarden Dollar investieren, um die Netzwerksicherheit zu erhöhen.

Deutschland hatte sich zuletzt dazu entschlossen, Huawei nicht von einem 5G-Ausbau auszuschließen – aber die Sicherheitsvorgaben zu erhöhen.

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