Telekom, Vodafone & O2: Das steckt wirklich hinter dem 5G-Ausbau

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Telekom und Vodafone werfen beim Ausbau des 5G-Netzes alles in die Waagschale und bauen das neue Mobilfunknetz so schnell aus, wie kein anderes Netz zuvor. Und auch O2 baut inzwischen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit und die Strategie dem Marketing geschuldet.
Eine symbolische 5G-Antenne auf dem Messestand der Telekom

Denn weite Teile der Netze, die Telekom und Vodafone gerade aufbauen, sind weit von dem entfernt, was 5G eigentlich sein sollte: Ein Netz, das Gigabit-Datenraten überträgt. Auch von den versprochenen Millisekunden ist nichts zu sehen und Slices für bestimmte Anwendungen gibt es ebenfalls nicht. Was bleibt, ist ein Netz, das derzeit langsamer ist als LTE und im Display ein 5G anzeigt – wenn die Kombination aus richtigem Handy im richtigen Netz am richtigen Standort stimmt. Letztlich ist der 5G-Ausbau also ein Marketing-Netz.

Dennoch: Schauen wir auf das, was Telekom, Vodafone und O2 schon an „5G“ ausgebaut haben. Denn Telekom und Vodafone bauen ihr Netz schneller als angekündigt. Vodafone erreichte schon Anfang November sein für Ende des Jahres angekündigtes Ziel.

Vodafone: Alle 20 Minuten eine 5G-Antenne

Für 10 Millionen Menschen steht das 5G-Netz von Vodafone schon bereit. Seitdem haben die Techniker aber weiter ausgebaut und viele weitere in die 5G-Welt überführt. Alle 20 Minuten sei eine neue 5G-Antenne gestartet, heißt es von Vodafone. Das bedeute pro Stunde im Schnitt 9.000 Menschen mehr, die das Netz empfangen könnten.  So steht das Vodafone 5G-Netz jetzt für 16 Millionen Menschen bereit. Das seien mehr als 5.000 5G-Antennen in 800 Städten und Gemeinden.

An den meisten Standorten – vor allem in Städten – nutzt Vodafone 5G-Frequenzen aus dem sogenannten Mid-Band (1,8 Gigahertz-Bereich). Das ist genau der Bereich, mit dem kleine Gigabit-Datenraten machbar sind, weil das Frequenzspektrum nicht ausreicht. Nur an besonders hoch frequentierten Orten oder einigen exponierten Standorten kommen Frequenzen um 3,5 Gigahertz zum Einsatz.

Eine Mobilfunk-Station mit Frequenzen aus dem Mid-Band versorge einen Umkreis von ein bis drei Kilometern und biete bis zu 500 Mbit/s. Die gleiche Datenrate kann dort aber auch mit LTE erreicht werden. Der Grund: LTE und 5G werden parallel auf den selben Frequenzen gesendet. Das Verfahren nennt sich DSS. Nur eine 5G-Station im High-Band kann bereits Geschwindigkeiten von bis 1.000 Megabit pro Sekunden erreichen, versorgt aber nur einen Umkreis von maximal einem Kilometer mit Netz.

Ergänzend gibt es auch noch vereinzelte Standorte mit Frequenzen aus dem Low-Band um 700 MHz. Diese Standorte reichen bis zu acht Kilometer weit und bringen bis zu 200 Mbit/s in die Luft. Aber nur wenige Smartphones unterstützen 5G in diesem Bereich. Vodafone nutzt die Standorte vor allem als DSL-Ersatz mit dem Mobilfunk-Router GigaCube 5G.

Telekom mit 2.000 5G-Standorten – binnen drei Monaten

Die Telekom vermeldete in dieser Woche, 5G bereits an 2.074 Standorten aufgebaut zu haben. Das klingt nach weniger Ausbau als bei Vodafone, der Unterschied liegt aber im Detail. Während Vodafone von 5.000 Antennen spricht, sind es bei der Telekom mehr als 2.000 Standorte. Ein Standort besteht in der Regel aus drei Segmenten, also drei Antennen und somit sind es bei der Telekom mehr als 6.100 Antennen. Noch viel wichtiger: Die 2.000 Standorte sei nicht die Gesamtzahl, sondern nur der Zuwachs der vergangenen drei Monate. Insgesamt seien es 45.000 Antennen – also etwa 15.000 Standorte -,  die heute schon 5G-Signale übertragen.

Das Netz reiche jetzt von der Zugspitze bis nach Helgoland, von Waldfeucht nach Görlitz, heißt es in einer Mitteilung aus Bonn. Auch hier kommt das DSS-Verfahren zum Einsatz, so dass die Standorte immer auch LTE bieten, was aufgrund weiterer LTE-Frequenzen an den Standorten in der Regel sogar schneller ist als 5G.

LTE habe die Telekom an 831 zusätzlichen Standorten ausgebaut, 505 LTE-Standorte in den vergangenen drei Monaten neu gebaut. Die Bevölkerungsabdeckung bei LTE liegt jetzt bei 98,6 Prozent. Und auch 5G-Empfang ist mit den angesprochenen Einschränkungen für zwei Drittel der Bevölkerung möglich. Das wirklich schnelle 5G gibt es aber nur in 13 Großstädten und dort auch nicht flächendeckend.

5G-Ausbau: O2 plant Stand-Alone-Netz für 2021

O2 ist erst vor etwas mehr als zwei Monaten mit 5G gestartet. In 15 Städten gibt es heute erste Standorte. Anders als bei Telekom und Vodafone kommt derzeit ausschließlich der Frequenzbereich um 3,5 GHz zum Einsatz, der Gigabit-Datenraten liefern könnte. Doch O2 drosselt die Geschwindigkeit auf 300 Mbit/s. Bis Ende nächsten Jahres will O2 30 Prozent der Bevölkerung mit 5G erreichen.

Man wolle dann auch ein 5G Standalone-Netz starten. Das wird dann deutlich mehr Funktionen bieten, als die heutigen Netze, die immer noch LTE benötigen. Auch das DSS-Verfahren soll künftig bei O2 zum Einsatz kommen. Zu genauen Senderzahlen hat sich O2 auf Anfrage nicht geäußert.

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