Telekom & Vodafone legen LTE-Netz zusammen – das steckt dahinter

4 Minuten
Es ist wahrlich eine kleine Sensation: Wie berichtet wollen künftig Telekom und Vodafone Teile ihres Mobilfunknetzes zusammenwerfen. Was bringt das für dich als Kunden und warum machen die Anbieter das? Wir klären auf.
Telekom und Vodafone teilen sich das Netz
Telekom und Vodafone teilen sich das NetzBildquelle: Pixeabay / inside digital

2.000 Sendemasten von Vodafone will die Deutsche Telekom künftig mitnutzen. Umgekehrt will Vodafone 2.000 Sendemasten der Telekom für ihr Netz einspannen. Das klingt erst einmal nicht spektakulär. Denn schon heute teilen sich alle Netzbetreiber verschiedene Sendemasten. So gehört zum Telekom-Verbund unter anderem eine Firma namens Deutsche Funkturm (DFMG). Sie baut Sendemasten und vermietet sie auch an andere Netzbetreiber.

Doch dieser Deal ist anders. Denn wenn beispielsweise Vodafone einen Sendemast bei der Telekom mietet, baut Vodafone stets eine eigene Antenne und eigene aktive Technik auf. Auch um Strom und die Leitung zum Sender muss sich Vodafone kümmern. Letztlich vermietet die Telekom in diesem Beispiel also nur Stellfläche an Vodafone.

Aktive Technik und Frequenzen werden geteilt

Beim jetzt geschlossenen Deal ist das anders. Denn auf dem Sendemast steht nur von einem der beiden Anbieter aktive Technik. Der andere nutzt diese mit. So wird es künftig vorkommen, dass an einer Bahnstrecke beispielsweise ein Sendemast von Vodafone steht. Die Antennen, die bisher nur LTE von Vodafone übertragen haben, werden aber auch LTE der Telekom transportieren.

Für dich als Kunde ist das nicht zu bemerken. Dein Telekom-Handy wird sich auf dem Vodafone-Sender einbuchen, so als wäre es ein Telekom-Sender. Nur Insider können aufgrund der LTE-Frequenz erkennen, dass das verwendete Netz eigentlich ein Vodafone-Netz ist. Denn: Die Frequenzen stammen immer von dem Anbieter, der den Sender aufgebaut hat.

Verfahren ähnelt dem Roaming, ist aber keines

Rein theoretisch ist die Verfahrensweise ähnlich wie beim Roaming – doch es handelt sich nicht um Roaming. Der Unterschied: Beim Roaming verarbeitet der Netzbetreiber, in dessen Netz das Handy sich befindet, die komplette Abwicklung der Vermittlung und stellt später dem Netzbetreiber des Kunden eine Rechnung für die Leistung. Das Handy des Kunden ist lediglich zu Gast im Fremdnetz. Vergleichbar ist das mit einem Hotelgast in einem Hotel: Das Hotel kümmert sich um alles, am Ende gibt es eine Rechnung.

Beim hier verwendeten Verfahren werden aber nur die Frequenzen und die Antennentechnik mitgenutzt. Das Handy jedoch fühlt sich wie Zuhause. Weder gibt es eine Rechnung für die Vermittlungsleistung, noch meldet sich das Handy als Gast in einem fremden Netz an. Der Vergleich hier: Wohnungstausch auf Zeit.

Das Verfahren würde in Deutschland erstmalig eingesetzt. In anderen Ländern hingegen kommt es schon zum Einsatz. Zwar gibt es in Deutschland auch Gebiete wie Fußballstadien oder U-Bahn-Tunnel, wo die Netzbetreiber beim Ausbau zusammenarbeiten, doch das Verfahren ist ein anderes. Hier werden nur die Antennen geteilt, dennoch baut jeder Anbieter vor Ort aktive Technik auf.

Was habe ich von dem Telekom/Vodafone-Deal?

Es gibt viele Standorte von Sendemasten in Deutschland, die bisher nur die Telekom oder nur Vodafone erschlossen haben. Der jeweils andere Netzbetreiber hat dort keine Technik – und auch kein Netz. Die Kunden haben also keinen Empfang. Das ist gerade entlang von Bundesstraßen, Autobahnen und Bahnstrecken ärgerlich.

Oft stehen diese Sendemasten so ländlich, dass es sich für den jeweils anderen Anbieter nach seiner Kalkulation nicht rechnet, Sendetechnik für mehrere zehntausend Euro auf diesem Mast anzubringen. Also bleibt das Funkloch für die Kunden dieses Anbieters bestehen.

Aufsichtsbehörden müssen dem Deal noch zustimmen

Wenn aber künftig das zweite Netz einfach zusätzlich auf diesem Netz ausgesendet wird, sind diese hohen Kosten nicht notwendig. Durch die gegenseitige Freigabe von jeweils 2.000 Sendemasten können so in beiden Netzen jeweils 2.000 Funklöcher gestopft werden, ohne dass derart hohe Kosten entstehen. Das gesparte Geld können die Anbieter verwenden, um andere Funklöcher zu stopfen.

Allerdings: Damit dieser Deal, den die Deutschland-Chefs von Vodafone und Telekom unterschrieben haben, auch zustande kommt, gibt es noch Hürden. Denn sowohl die Bundesnetzagentur als auch das Bundeskartellamt müssen zustimmen. Immerhin: Die Bundesnetzagentur hatte in der Vergangenheit durchblicken lassen, dass sie derartigen Zusammenarbeiten generell offen gegenüber steht.

Deine Technik. Deine Meinung.

7 KOMMENTARE

  1. Dann teilen sich aber auf einmal doppelt soviel Personen die gleiche Bandbreite.
    Also wird die Geschwindigkeit des Netzes sehr langsam.

  2. Der letzte scheiß, dann teilen sich noch mehr Menschen die Bandbreite und alles wird noch langsamer als es schon ist. Aber Hauptsache das Datenvolumen wird durch immer wieder neuladen schnell verbraucht damit diese Opfer von Vodafone und Telekom ihr Geld bekommen ohne mehrleistung. Hab seit Jahren nur Ärger mit der Telekom weil sie auf dem Dorf nur lte kacke anbieten können und der Dreck absolut nur langsam ist. Ich Wunsch das ihr mal eine richtig in die fresse bekommt.
    Sind alle arbeiten ist das Internet auf dem Dorf etwas schneller aber sobald alle zuhause sind und die gleiche Bandbreite sich teilen von einem Mast geht alles in die Knie, dann hast anstatt versprochene 50mbit 0,2 bis2mbit…. Mega toll und dafür dann geden Monat 40€kassieren…abzocker Verein.

  3. Es geht hier erstmal um 2000 Sendemasten. Die stehen vermutlich in Gegenden wo nur wenige Kunden sind. Es wird also keinen spürbaren Einbruch der Übertragungskapazität geben.

  4. Es wird immer Typen geben, die nicht zufrieden sind und rummotzen. Wir sollten froh sein, dass wir weniger Funklöcher haben.
    Also ich finde, das sind sehr gute Nachrichten

  5. wenn ich endlich einen guten empfang bekomme und es im preisbereich nicht teurer wird, ist das einen gute ausicht! wo liegt also der „HASE IM PFEFFER??

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein

geschützt durch reCAPTCHA Datenschutzerklärung - Nutzungsbedingungen

VERWANDTE ARTIKEL