"Telekom unter Volldampf" - doch ein Kernmarkt schwächelt

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„Die Deutsche Telekom steht voll unter Dampf“, kommentiert der Telekom-Vorstandsvorsitzende Tim Höttges die am Donnerstag neu vorgelegten Quartalszahlen. Sie können sich sehen lassen - wenngleich es auch den ein oder anderen Schatten gibt - ausgerechnet beim Steckenpferd Mobilfunk.
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Bildquelle: Deutsche Telekom

Zunächst einmal ein Blick auf das Endkundengeschäft. Hier setzt die Telekom seit einigen Jahren auf die Produktschiene Magenta Eins und versucht, die Kunden sowohl für Mobilfunk als auch Festnetz von dem Konzern zu begeistern. Wer beides bei der Telekom nutzt, bekommt Rabatte und Vorteile. Knapp 24 Prozent der Breitband-Kunden der Deutschen Telekom nutzen inzwischen Magenta Eins, teilte der Konzern jetzt mit. Vor einem Jahr seien es noch 21 Prozent gewesen. Bei den Mobilfunk-Vertragskunden stieg der Anteil der Bündel-Produkt-Kunden von von 47 auf 55 Prozent. Unterm Strich sind es 4,6 Millionen Kunden, die sich für Magenta Eins entschieden haben und somit ihre komplette Kommunikation über die Telekom erledigen.

Kunden wechseln verstärkt zu VDSL

Im Festnetz gewann die Telekom im Sommer-Quartal insgesamt 47.000 neue Breitbandkunden. Betrachtet man nur die Zahl der Kunden, die sich für einen Anschluss auf Basis von VDSL oder FTTH entschlossen, so stieg diese Kundenzahl um 534.000 Kunden. Da hier auch Upgrades von DSL auf VDSL enthalten sind, ist die Anzahl der gesamten Breitband-Neukunden geringer. Die Gesamtzahl der Breitbandanschlüsse lag zum Stichtag Ende September bei 13,68 Millionen, davon sind 8,23 Millionen auf Basis von VDSL oder Glasfaser geschaltet. Hinzu kommen noch einmal 7,28 Millionen Anschlüsse, die im Wholesale-Geschäft für andere Anbieter geschaltet sind. Die Telekom ist somit in Deutschland für fast 21 Millionen Breitbandanschlüsse zuständig.

Stream On findet „reißenden Absatz“

Im Mobilfunk findet die Option Stream On, mit der Musik, Gaming oder Video nicht auf das Datenvolumen des Tarifs angerechnet werden, “reißenden Absatz”, wie die Telekom schreibt.. Zum Ende des dritten Quartals nutzten 2,8 Millionen Kunden diese Option, rund 79 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Weitere Zahlen wie etwa den dadurch generieren Traffic lieferte die Telekom nicht. Und obwohl Stream On für die Kunden oft kostenlos buchbar ist, stiegen die Service-Umsätze im Mobilfunk um 0,7 Prozent. Die Steigerung sei geringer als zuletzt, was die Telekom einmal mehr auf Regulierungseffekte schiebt. Seit kurzem lässt sich Stream On übrigens auch in der gesamten EU ohne Aufpreis nutzen.

Mobilfunk: Viele Prepaid-Kunden mit wenig Umsatz

45,598 Millionen Kunden nutzen das Mobilfunknetz der Telekom. Ausgerechnet um Vertragsgeschäft musste die Telekom allerdings im Vergleich zum Vorjahr Federn lassen. Mit 25,138 Millionen Kunden waren es 41.000 weniger als im Vorjahr. Allerdings: Gegenüber dem zweiten Quartal dieses Jahres legte die Telekom um 164.000 Verträge zu. Besonders stark entwickelt sich das Prepaid-Geschäft. Hier liegt man 10,8 Prozent über dem Vorjahr und zählt erstmals mehr als 20 Millionen Prepaid-Nutzer: 20,460 Millionen sind es. Allerdings machen diese kaum Umsatz: Gerade einmal 2 Euro im Monat generiert ein Prepaid-Kunde im Schnitt – 33 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Vertragskunden machen durchschnittlich stabile 22 Euro Umsatz.

Die Kernzahlen: Umsatz, EBITDA, Ausblick

Der Umsatz des gesamten operativen Segments Deutschland legte um 0,6 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro zu, während das bereinigte EBITDA AL um 2,4 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro wuchs. Die Deutsche Telekom als Gesamtkonzern wächst weiter rasant und hebt ihre Prognosen für das laufende Geschäftsjahr an. Im dritten Quartal 2019 stieg der Umsatz um 4,8 Prozent und übertraf erstmals in der Unternehmensgeschichte in einem Quartal die Marke von 20,0 Milliarden Euro. Gleichzeitig legte das bereinigte EBITDA AL gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5,4 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro zu.

Der Konzernüberschuss wuchs gegenüber dem dritten Quartal 2018 um 23,2 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Bereinigt um Sondereinflüsse ergab sich ein Plus von 7,5 Prozent.

Die Deutsche Telekom passt ihren Dividendenausblick an. Die Dividende für 2019 soll auf 60 Cent je dividendenberechtigter Aktie festgesetzt werden. Dies soll gleichzeitig die Mindestdividende für die kommenden Jahre sein, unabhängig vom Zustandekommen des Zusammenschlusses von T-Mobile US und Sprint. Ansonsten bleibt die bisherige Dividendenstrategie unverändert. Die Anpassung der Dividende sei auch auf die „unerwartet hohen Kosten“ für die Mobilfunk-Auktion in Deutschland zurückzuführen.

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