Telekom: Das passiert mit Kunden bei der UMTS-Abschaltung

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Das UMTS-Netz wird demnächst abgeschaltet. Auch wenn sich die Telekom noch nicht auf einen konkreten Termin festlegen will, so hat man doch Pläne, was mit den Kunden passieren wird.
Das Logo der Telekom auf einem Messestand
Bildquelle: inside handy / Thorsten Neuhetzki

Die Meldungen einiger Medien vor wenigen Wochen klangen dramatisch: Wenn UMTS abgeschaltet wird, werden viele Kunden kein Netz mehr haben – das war der Grundtenor. Dass das Panikmache ist, haben wir dir bereits gezeigt. Jetzt zeigt sich erneut, dass die Realität ganz anders aussieht. Wie inside digital für dich am Rande der IFA in Berlin erfahren hat, muss nach aktuellen Plänen der Telekom kein Kunde im Telekom-Netz Angst haben, plötzlich ohne Netz dazustehen.

Zunächst einmal gibt es die Kunden im Telekom-Netz mit einem Telekom-Vertrag. Die meisten dieser Kunden haben ohnehin schon LTE und zumeist auch ein LTE-Handy. Bei Kunden, bei denen das nicht der Fall ist, kann die Telekom aber aufgrund des Nutzungsverhaltens, des Tarifes und des verwendeten Gerätes auch sehen, wie der Bedarf der Kunden ist. Kunden, die keine Datendienste nutzen, kommen auch mit dem GSM-Netz zurecht, das weiter existieren wird. Für diese Kunden gibt es kaum spürbare Veränderungen. Das GSM-Netz hat eine bessere Abdeckung und reicht zum Telefonieren allemal aus.

Nutzen die Kunden aber Datendienste, reicht GSM nicht aus. Bei einer UMTS-Abschaltung brauchen sie LTE. Hier kann die Telekom den betreffenden Kunden auf einen LTE-Tarif umberaten. Wichtig ist, dass sie das oftmals alte Smartphone ohne LTE dann auch austauschen. Hier plant die Telekom dem Vernehmen nach, den Kunden auch spezielle Angebote zu machen.

Das passiert mit Provider-Kunden

Schwieriger wird es bei Kunden, die zwar das Telekom-Netz nutzen, aber keinen Telekom-Vertrag haben. Hier kann die Telekom zwar ebenfalls die Daten der Kunden erheben, kann und darf die Kunden aber nicht kontaktieren. Das aber werde man je nach Partnerschaft mit den entsprechenden Providern zusammen machen. Diese können dann wiederum die Kunden ansprechen und sie auf die bevorstehende Abschaltung aufmerksam machen. Das Ziel sei in jedem Fall, keinen Kunden mit der Abschaltung des UMTS-Netzes zu überraschen.

In den AGB der Telekom ist verankert, dass die UMTS-Abschaltung Ende 2020 möglich sei. Das sei aber nur eine rechtlich vorbereitende Maßnahme, sagte Telekom-Privatkunden-Chef Michael Hagspiehl auf der IFA. Einen festen Abschalttermin gebe es noch nicht.

Doch eins ist klar: Die Telekom hat das Interesse, die Frequenzen möglichst schnell freizuräumen. Der Grund: UMTS gilt als veraltet und ineffizient. LTE arbeitet deutlich effizienter und für 5G braucht die Telekom Frequenzen mit einer besseren Reichweite als sie heute zur Verfügung hat. Die Vorbereitungen zur UMTS-Abschaltung laufen in jedem Fall, denn mittlerweile können mehr und mehr Provider und Discounter LTE im Telekom-Netz anbieten. Dagegen hatte die Telekom sich lange gewehrt. Doch bis alle Kunden umgestellt sind, wird es noch lange dauern.

Zur IFA hatte die Telekom selber neue Tarife für ihre Kunden vorgestellt.

Unzählige Kunden im Telekom-Netz haben 2019 noch kein LTE – nicht weil sie es nicht wollten, sondern weil die Telekom es den Providern, die die Verträge mit den Kunden haben, nicht erlaubt hat. Nun aber will man UMTS abschalten und nicht jeder Provider nutzt die Möglichkeit, LTE einfach freizuschalten. Müssen die Kunden aber selbst aktiv werden, LTE bestellen oder gar bezahlen, dauert es lange, die Kunden in das neuere Netz zu überführen.

Hier hat sich die Telekom in den vergangenen Jahren unnötiger Weise ein Ei ins Nest gelegt und zu lange an der Premium-Provider Strategie festgehalten. Jetzt muss man vermutlich viel Zeit aufwenden, um die direkten und indirekten Kunden nicht zu verärgern. Hinzu kommt: Viele Kunden reagieren allergisch auf Anrufe ihrer Provider, die versuchen, ihnen einen anderen Tarif anzubieten – selbst wenn es in diesem Fall im Sinne des Kunden und möglicherweise sogar mit einem Rabatt wäre.

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4 KOMMENTARE

  1. Die Netzabdeckung von LTE ist wegen der geringeren Reichweite längst nicht so gut wie die von UMTS. Eine Abschaltung würde also doch dazu führen, dass auf Zugfahrten oder auf der Autobahn öfter die Verbindung abbricht als vorher. Die Erfahrung musste ich erst auf einer Zugfahrt letztes Wochenende machen: 20% LTE, 15% UMTS und 65% nichts. WLAN war im Zug nicht vorhanden, bzw. hat nicht funktioniert. Da nützt auch der schöne teure LTE-Tarif nichts.

  2. Was in solchen Artikeln einfach immer unterschlagen wird: LTE ist keineswegs der Goldstandard, weil es dort für die meisten Kunden nicht so einfach möglich ist zu telefonieren. Denn Telefoniedienste waren bei LTE ursprünglich überhaupt nicht vorgesehen und wurden als Krücke später mit VoLTE nachgerüstet. Bei 5G wird es das selbe sein. Und wie das bei Krücken so ist, funktionieren sie niemals richtig. Für die Nutzung von VoLTE braucht man ein spezielles Handy vom jeweiligen Provider mit der richtigen Firmware. Wechselt man mit seinem Handy z.B. das Netz, funktioniert VoLTE in der Regel schon nicht mehr. Daraus ergibt sich als Konsequenz, dass alle Nutzer, deren Geräte kein VoLTE unterstützen, nach der Abschaltung von UMTS zum Telefonieren grundsätzlich ins uralte 2G Netz zurückfallen werden. Dort ist keine gleichzeitige Nutzung der Telefoniedienste zusammen mit den Datendiensten möglich: Während eines (längeren) Telefonates wird es also nicht mehr möglich sein, z.B. gleichzeitig WhatsApp-Nachrichten zu empfangen oder zu versenden oder mal kurz mit dem Browser etwas im Internet nachzuschauen. Bei 3G (UMTS) ist dies noch möglich. 3G hat also durchaus signifikante Vorteile gegenüber LTE und 5G. Leider wird dies auch in den Medien stets verschwiegen.

  3. Fakt ist folgender. Viele Menschen empfangen nur 3G. LTE ist schlichtweg nicht verfügbar. Keiner redet über die noch immer schlechte Netzabdeckung von LTE. Hier bei mir Zuhause und am Arbeitsplatz bekommt man bei guten Wetter gerade mal 3G. LTE ist einfach nicht verfügbar. Mit 2G dauert sogar eine Mail abzurufen ewig. Vom Surfen ganz zu schweigen. Das ganze Übel entpuppt sich aber erst wenn man die Hotlines anruft. Den die sind der Meinung das man LTE hat weil das in der Netzabdeckungskarte so aussieht. Das bedeutet dass LTE auch nicht weiter ausgebaut wird und man demnächst Daten mit Rauchzeichen übertragen muss. Armes Deutschland. Danke dafür.

  4. Pure Geschäftemacherei – ZWANG zu neuen Handys und neuen (teureren) Tarifen. Der für 95% aller Nutzer UNNÖTIGE „Fortschritt“ zu 5G muss eben erzwungen werden …

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