Ende einer Ära: Das letzte gelbe Telefonhäuschen muss gehen

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Telefonzelle und LKW auf einer Fähre
Bildquelle: Deutsche Telekom
Vor dem Zeitalter der Smartphones waren sie weit verbreitet: die Telefonhäuschen. Romantische Telefonate, Verabredungen, geheime Unterredungen – wenn die gelben Häuschen sprechen könnten, hätten sie vermutlich viele Geschichte zu erzählen. Nun baute die Telekom das letzte gelbe Telefonhaus Deutschlands ab.

Bis vor einiger Zeit gehörten Telefonzellen zu jedem Stadtbild dazu. Die kleinen Boxen in auffälligem Gelb waren an jeder Ecke zu finden. Mittlerweile neigt sich die Ära jedoch seinem Ende zu. Telefone werden dank dem Aufkommen der Handys mobil.

Die Telefonzelle: Anfänge liegen im 19. Jahrhundert

Ihre Anfänge können Telefonhäuschen im weitesten Sinne vor 120 Jahren verbuchen, konkret im Januar 1881. In Berlin nahm man zeitgenössisch ein sogenanntes „Fernsprechkiosk“ in Betrieb, für dessen Nutzung man sich eine Art Ticket kaufen musste. Diese funktionierten so ähnlich wie die heutige Telefonkarten. Während sich ab 1899 Münzfernsprecher in Hotellobbys oder der Post etablierten, kamen sie erst in den 1920er in die Innenstädte.

Gelbe Telefonzelle auf einer FähreQuelle: Deutsche Telekom

Über zwanzig Jahre später, 1946, entschied man sich für die Signalfarbe Gelb als generelles Aushängeschild. Die gelben Telefonhäuschen aus Kunststoff, wie man sie heute kennt, stellte man jedoch erst ab 1978 auf. Ihre farbliche Gestaltung musste bereits ab Mitte der 90er-Jahre hingegen den neuen Telekom-Farben Weiß, Grau und Magenta weichen.

Goodbye my love, machet jot

Das letzte gelbe Telefonhäuschen der Republik musste nun dran glauben. Am bayerischen Königssee, auf der Wallfahrtsinsel St. Bartholomä, wurde das Exemplar aus vergangenen Zeiten aus einem alten Gebäuden mitten in der Bergkulisse demontiert. Der eigentliche Abbau dauert dabei nur etwa drei Stunden, wie Josef Linnert von der Deutschen Telekom erzählt. „Im Vorfeld muss mit der Kommune abgeklärt werden, dass wir es abbauen dürfen. Es muss der Auftrag gestellt werden. Das Ganze dauert etwa acht bis zehn Wochen.“

Hintergrund des Abbaus ist, dass die Kosten-Nutzen-Schere immer weiter auseinander driftet. Wie die Telekom verrät, haben sich die Telefonzellen im Prinzip noch nie rentiert. Wenn ein Telefonhäuschen im Monat aber weniger als 50 Euro Kosten abdeckt, lohnt sich die Erhaltung nicht mehr. Die Wartungs- und Stromkosten sind dafür schlichtweg zu hoch.  Auswärts telefonieren geht hingegen weiterhin: An ihre Stelle treten nun vereinzelt Funkzellen, die technisch auf dem neuesten Stand sind.

Und so tritt das letzte gelbe Telefonhäuschen seine finale Fahrt an, auf einer Fähre über den Königssee, entlang einer Bergkulisse, begleitet von symbolischen Trompetenklängen.

Quellen:

Bildquellen:

  • Gelbe Telefonzelle: Deutsche Telekom
  • Gelbes Telefonhäuschen: Deutsche Telekom
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Die deutschen Mobilfunknetze stehen in der Kritik: Zu schlecht sei die LTE-Netzabdeckung, zu langsam die Netze. Die Telekom will ab kommender Woche in die Offensive gehen und macht zusammen mit den Kunden Jagd auf Funklöcher.
Simone Warnke
Simone liebt Technik und kann sich heute immer noch für analoge Technologien begeistern. Wenn sie nicht gerade vor der Kamera steht oder Handys miteinander vergleicht, studiert die gebürtige Aachenerin in Bonn Komparatistik - und vergleicht Bücher. Neben ihrer Leidenschaft für Literatur ist Simone ein Bonvivant. Reicht man ihr leckeren Wein und ein paar Tapas, kann man ihr hin und wieder ein paar Sätze auf Spanisch entlocken. Sollte Simone jemand oder etwas auf die Palme bringen - was in etwa einmal pro Dekade passiert - bleibt sie nur kurz oben sitzen. Und lächelt dabei auch schon wieder.

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