Telefónica verliert Tausende Kunden: Das ist der Grund

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Neue Zahlen aus dem Hause Telefónica Deutschland. Der gemessen an der Kundenzahl größte deutsche Mobilfunknetzbetreiber hat im ersten Quartal des Jahres nicht nur den Umsatz steigern können, sondern auch weniger Verlust gemacht als noch im Vergleichsquartal des Vorjahres. Doch es gibt auch weniger gute Nachrichten.
o2 Tower in München
Bildquelle: Telefónica

Zwischen Januar und März machte Telefónica Deutschland, Muttergesellschaft von bekannten Mobilfunkmarken wie O2 und Blau, einen Umsatz von 1,85 Milliarden Euro. Das waren 3,8 Prozent mehr als im ersten Quartal 2019 und entspricht nach Angaben des Netzbetreibers dem stärksten Anstieg seit der Fusion mit E-Plus. Allein das Mobilfunkgeschäft steuerte 1,65 Milliarden Euro zum Gesamtumsatz bei – ein Plus von 3,4 Prozent. Es zeigt sich also: Die Corona-Krise setzte dem Geschäft von Telefónica in Deutschland vergleichsweise wenig zu.

Ausgaben bei Telefónica Deutschland schnellen in die Höhe

Zur Wahrheit gehört aber auch: Die Ausgaben für betriebliche Aufwendungen legten im Jahresvergleich um 4 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro zu. Die Investitionsausgaben (CapEx) – dazu zählen zum Beispiel auch Investments in die Netzinfrastruktur – machten weitere 224 Millionen Euro aus. Im ersten Quartal des Vorjahres hatte Telefónica noch eine CapEx-Summe von 252 Millionen Euro in den Bilanzen stehen.

Unter dem Strich steht für die ersten drei Monate des Jahres ein Verlust von 44 Millionen Euro. Das erste Quartal im Vorjahr hatte noch ein Verlust von 107 Millionen Euro gekennzeichnet. Nach wie vor wirken sich hier nach Angaben von Telefónica die Abschreibungen im Zuge der Netzintegration von E-Plus aus.

Telefónica bucht Tausende inaktive Prepaidkarten aus

Interessant ist aber auch ein Blick auf die Kundenzahlen. Denn laut Telefónica Deutschland Chef Markus Haas telefoniert in Deutschland jeder zweite Privatkunde mit einer SIM-Karte von Telefónica. Und da dürfte es den Konzern durchaus schmerzen, dass im Mobilfunksegment der Kundenbestand um 180.000 auf 43,65 Millionen zurückging.

Das lag aber nicht an einer allgemein schlechten Performance des Providers, sondern primär daran, dass Telefónica zum Jahresende 2019 Tausende nicht mehr genutzte Prepaidkarten deaktivierte. Entsprechend reduzierte sich die Zahl der Prepaidkunden um 407.000 auf 19,69 Millionen. Der Bestand der deutlich wichtigeren Vertragskunden legte hingegen um 188.000 auf 22,73 Millionen zu. Hinzu kommen 1,23 Millionen M2M-Anschlüsse, die in Maschinen im Internet der Dinge (IoT) zum Einsatz kommen.

Hohe Nachfrage bei (V)DSL-Anschlüssen

Wachstum ist auch im Festnetzgeschäft von Telefónica Deutschland zu verzeichnen. Die Zahl der geschalteten Breitbandanschlüsse legte um 25.000 auf 2,23 Millionen zu. Einen VDSL-Anschluss des Netzbetreibers nutzen inzwischen 1,69 Millionen Kunden – 36.000 mehr als noch Ende Dezember. Insgesamt ist das Geschäft mit Wohnungs- und Hausanschlüssen so stark gewachsen wie seit der Fusion mit E-Plus nicht mehr, teilte Telefónica am Mittwoch in München mit.

Die mobile Datennutzung im Netz von Telefónica stieg in den ersten drei Monaten des Jahres gegenüber dem Vorjahresquartal um satte 63 Prozent auf 314.000 Terabyte. Und es wurde auch mehr telefoniert. Die Zahl der Gesprächsminuten stieg – besonders sichtbar zum Start der Corona-Krise – um 20 Prozent auf 31,1 Milliarden Minuten.

In den kommenden Monaten will Telefónica Deutschland nicht nur sein LTE-Netz weiter ausbauen, sondern auch den für die zweite Jahreshälfte angestrebten Start eines 5G-Netzes vorbereiten. In Summe möchte Telefónica von 2020 bis 2022 vier Milliarden Euro in das eigene Netz stecken. Die Ausbaulücken im LTE-Netz will man bis zum Jahresende schließen.

Der Ausblick für das Gesamtjahr wurde nach den Ergebnissen des ersten Quartals übrigens bestätigt.

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