Studie: Top-Smartphone-Apps scheitern immer noch an DSGVO

3 Minuten
Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) sorgt immer noch für Verwirrung: Laut einer Studie hadert ein Großteil der Top-50-Apps für Android mit der Umsetzung der Regeln. Dabei habe es im Vergleich zu 2017 nur marginal Verbesserungen gegeben. Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) spricht daher von „gravierenden Defiziten“. Der IT-Verband Bitkom macht derweil die EU für den Missstand verantwortlich.
Handy mit Foto einer Android-Figur auf dem Bildschirm steht auf dem Tisch

Im Mai 2018 ist die Datenschutzgrundverordnung in Kraft getreten. Seitdem müssen unter anderem Anbieter von Webseiten und Apps neue Auflagen bei der Verarbeitung von personenbezogenen Daten beachten. Einer aktuellen Studie zufolge hat aber nur ein Bruchteil der Unternehmen die DSGVO zufriedenstellend umgesetzt. Laut des Bonner Institut für angewandte Sozialwissenschaft (Infas) gebe es weiterhin Datenschutz-Mängel bei vielen Anbietern. Die Studie des Infas untersuchte die 50 relevantesten Android-Apps aus dem Google Play Store für den deutschen Markt. Die Untersuchung hat das Bundesjustizministerium in Auftrag gegeben.

Das Ergebnis der Studie: Ein Großteil der Apps erhielt die Note „ausreichend“. „Sehr gut“ oder „gut“ war keine der geprüften Anwendungen. Im Vergleich zur ersten Infas-Analyse aus November 2017 reduzierte sich der Anteil der mit „mangelhaft“ bewerteten Apps auf 10 Prozent. Jedoch bleibt gut die Hälfte der getesteten Software auf der Note „ausreichend“ stehen. Eine merkliche Verbesserung gibt es weiterhin nicht. „Insgesamt muss (…) – genau wie bei der Prüfung 2017 – ein negatives Fazit gezogen werden“, zitiert das „Handelsblatt“ exklusiv die Studienautoren.

Barley kritisiert Datenschutz-Mängel, der Bitkom die Politik

Ein Beispiel für die Mängel, das die Autoren der Infas geben, ist die Datenschutzerklärung. Sie soll eigentlich in verständlicher Sprache und auf leicht zugängliche Weise über die Verarbeitung der Daten informieren. Dieses Kriterium ist meistens jedoch nicht erfüllt und „der relevante Informationsgehalt hat nicht zugenommen“. So seien viele Erklärungen nicht spezifisch für die Apps, sondern beziehen sich auf alle Produkte des Anbieters. Überlange Datenschutzhinweise mit durchschnittlich 4.200 Wörtern sind die Folge, so die Studie.

Als Reaktion auf die Studie attestiert Bundesjustizministerin Katarina Barley den Smartphone-Apps „gravierende Defizite bei den Informationen zur Datenverarbeitung“. Diese Verstöße gegen die DSGVO seien keine Lappalie, so die SPD-Politikerin. Auch Die Grünen kritisierten die App-Anbieter: „Aus solchen Studien muss nun endlich mehr folgen“, sagte die Grünen-Netzpolitikerin Tabea Rößner dem „Handelsblatt“. „Wir fordern schon lange eine bessere personelle und finanzielle Ausstattung der Aufsichtsbehörden.“ Außerdem sollen die datenschutzrechtlichen Vorgaben für Social-Media-Apps wie WhatsApp verschärft werden. Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) sieht den Fehler derweil bei der EU: „Viele Unternehmen hadern immer noch mit der Umsetzung der DSGVO, weil der Aufwand hoch ist und viele Rechtsbegriffe nicht eindeutig formuliert sind.“ Der Verband fordert von der Politik bessere Hilfestellungen und klare Guidelines.

Deine Technik. Deine Meinung.

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein

geschützt durch reCAPTCHA Datenschutzerklärung - Nutzungsbedingungen

VERWANDTE ARTIKEL