Stromanbieter stellen Neukundengeschäft ein: Auch dieser Konzern ist betroffen

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39 Stromanbieter haben in diesem Jahr schon die Lieferung mit Strom an ihre Kunden einstellen müssen. Stromio war dabei wohl der bekannteste. Doch damit nicht genug: Viele Anbieter verabschieden sich vom Neukundengeschäft.
Stromzähler misst den Stromverbrauch in kWh
Bildquelle: Lisa-S / Shutterstock.com

So teilte uns nun Media Saturn mit, dass man ab sofort keine Stromverträge mehr vermitteln könne. Media Markt und Saturn hatten in der Vergangenheit Stromtarife und Gastarife von eprimo und E.ON vermarktet und sie mit einem zusätzlichen Bonus versehen. Diese Angebote galten als sehr attraktiv im Markt. Doch damit ist jetzt erst einmal Schluss.

Auf den Webseiten, auf denen bislang die Stromverträge zu finden waren, heißt es nun: „Liebe Kundinnen und Kunden, unsere Partner E.ON und eprimo überarbeiten aktuell ihre Strom- und Erdgasprodukte. Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir Ihnen daher zum aktuellen Zeitpunkt in unserem Onlineshop keine Strom- und Erdgasprodukte anbieten können. Sobald unsere Partner das Angebot überarbeitet haben, finden Sie dieses wieder wie gewohnt auf unserer Homepage.“

Zuvor hatten schon eprimo und E.ON in der Direktvermarktung entweder komplett eingestellt oder die Tarife massiv erhöht. So verlangt E.ON je nach Region von Neukunden teils mehr als das Doppelte des eigentlichen Abschlags.

Neue Kunden kosten Stromanbieter derzeit Geld

Das Problem der Stromanbieter: Sie müssen ohnehin schon mehr für die Strombeschaffung zahlen, als sie kalkuliert haben. Vor allem die Stromdiscounter setzen auf die kurzfristige Beschaffung von Strom an der Börse. Hier sind die Preise aber buchstäblich explodiert, das Geschäftsmodell zusammengebrochen. Vor allem durch den Ausfall von Stromio und Grünwelt findet nun eine massive Umverteilung der Kunden statt. Die fallen entweder in die Ersatzversorgung oder suchen sich einen neuen Stromanbieter. Diese hatten jedoch nicht mit einem derartigen Kundenzuwachs gerechnet und haben somit selbst bei einem langfristigen Einkauf von Strom nicht genügend Strom eingekauft.

„Ein wesentliches Problem besteht darin, dass unseriöse Billiganbieter ihre Kunden nicht mehr beliefern, die dann in der Ersatzversorgung landen“, sagt Kerstin Andreae, Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDWE). „Für sie müssen die Unternehmen zu den aktuell extrem hohen Preisen zusätzlich Energie zukaufen- über die von ihnen langfristig für ihren ursprünglich absehbaren Bedarf beschafften Mengen hinaus.“ Nach BDWE-Angaben haben in 2021 schon 39 Anbieter ihre Stromlieferungen eingestellt.

Das schlägt am Ende des Tages auch auf die Grundversorger durch. Wie der MDR berichtet, haben unter anderem die Stadtwerke Leipzig ihren Grundversorger-Tarif angepasst. Er sei jetzt doppelt so hoch wie bisher. Seit September habe man 10.000 Kunden übernommen, weil der eigentliche Anbieter ausfiel. Bei den Stadtwerken Erfurt sind es 3.000 Kunden, auch hier arbeitet man an einem neuen Tarif.

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