Streit zwischen O2 und 1&1 Drillisch: Darum hat Drillisch jetzt ein Problem

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Seit 2014 arbeiten Telefónica und Drillisch intensiv zusammen. Drillisch darf das O2-Netz aufgrund eines Vertrages, der aus der Übernahme von E-Plus durch O2 als Auflage resultiert, anders Nutzen als normale Provider. Drillisch hatte hier auf Preisabsenkungen gehofft – doch da hat man sich wohl verspekuliert. Das hat Folgen.
Ein Mobilfunksender im ländlichen Raum
Bildquelle: Thorsten Neuhetzki / inside handy

Der nicht regulierte Vertrag zwischen der United Internet Tochter 1&1 Drillisch AG und Telefónica sieht vor, dass Drillisch 30 Prozent der Kapazitäten im O2 Netz anmieten kann. Gleichzeitig hat Drillisch das Recht, Überprüfungen des vereinbarten Preises einzuleiten . Das hatte Drillisch getan und im Rahmen eines schiedsgutachterlichen Verfahrens erwartet, dass über die Art und Höhe dauerhafter Preisanpassungen zu ihren Gunsten entschieden worden wäre. Das aber ist nun zumindest bei der ersten Entscheidung, die sogar rückwirkend gegolten hätte, nicht passiert.

Mit Wirkung zum September 2017 hatte Drillisch auf rückwirkende Senkung der Vorleistungspreise gehofft. Doch der Gutachter hat nun in einem Entwurf durchblicken lassen, dass das nicht zu erwarten ist. Für Drillisch heißt das, dass man die Geschäftszahlen der vergangenen Jahre nicht durch Preissenkungen verbessern kann. Nach eigenen Angaben gibt es sogar eine Preiserhöhung für dieses Jahr, die man schlucken muss, weil sie zumindest vorerst weiterhin gültig bleibt.

Weitere Preis-Überprüfungen laufen

Drei weitere Überprüfungen, die unabhängig von der jetzigen Entscheidung sind, laufen. Ihre Ergebnisse werden für 2020 erwartet. Zwar sind sie unabhängig von der jetzigen Entscheidung, dennoch könnte sie Signalwirkung haben.

Die Folgen für Drillisch sind gravierend. Man sah sich zu einer Gewinnwarnung gezwungen. Die Folge an der Börse: Der Aktienkurs fiel um weit mehr als 20 Prozent, was nach Beobachtern der größte Kursrutsch seit 2011 gewesen sein soll.

Telefónica meldet Ansprüche im dreistelligen Millionen-Bereich an

Wie Telefónica mitteile, sei die abschließende Bestätigung noch abhängig vom Ausgang eines unabhängig von Telefónica Deutschland initiierten Verfahrens, bei dem es um Partner-Zahlungen für Frequenznutzungsrechte aus der Auktion 2015 geht. Der Netzbetreiber verfolgt zudem weiterhin Ansprüche im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich im Zusammenhang mit Partnerverträgen. Dies umfasst auch die genannte Kostenbeteiligung aus der Frequenzauktion 2015. Das Unternehmen erwartet den Abschluss dieser Verfahren im Laufe des Jahres 2020.

Was wird aus dem 5G-Netz von Drillisch?

Der Streit zwischen O2 und Drillisch dürfte auch den Start des eigenen Mobilfunk-Netzes von Drillisch erschweren. Einerseits fehlt 1&1 Drillisch durch die Entscheidung nicht unerheblich Kapital, das man zum Ausbau des Netzes brauchen könnte. Anderseits ist Drillisch auch auf den Partner O2 angewiesen, um möglichst schnell über ein National-Roaming-Abkommen oder ähnlich gelagerte Verfahren direkt ein bundesweites Netz zu haben.

Hier ist man aber auf Entgegenkommen des Netzbetreibers angewiesen. O2 muss den Netzzugang nicht nur zulassen, Drillisch benötigt dafür auch möglichst geringe Vorleistungspreise um seine mitunter aggressiven Preise weiter anbieten zu können und sich so Marktanteile zu sichern. Die jetzige Entscheidung spielt dem künftigen neuen vierten deutschen Netzbetreiber also wohl nicht gerade in die Karten. 2021 wollte man mit einem eigenen LTE-Angebot, später dann mit 5G starten.

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