Es war irgendwie von der ersten Sekunde an magisch. Als ich bei Netflix in der ersten Folge der ersten Staffel „Stranger Things“ die Kleinstadt Hawkins kennenlernte, fühlte es sich wie eine kleine Zeitreise an. Plötzlich war ich wieder ein kleiner Junge – genau wie unsere Helden Mike, Dustin, Lucas und Will. Von diesem Ort ging direkt ein Zauber aus, der mich an die Achtziger erinnerte, als ich ähnliche Abenteuer in ikonischen Filmen erlebte. Es war, als würde ich die Goonies in Astoria begleiten oder den Gremlins in Kingston Falls begegnen. Gleichzeitig verspürte ich Heimweh nach Orten, die ich nie besucht hatte, ähnlich wie bei Hill Valley, wo Marty McFly zuhause war.
Was die Duffer-Brüder 2016 mit der ersten Staffel ablieferten, strahlte in jeder Szene den Vibe der Achtziger aus und löste einen besonderen Hype für dieses Jahrzehnt aus. Alles fühlte sich an wie damals, als ich Zurück in die Zukunft, E.T., die Goonies oder jeden John-Hughes-Film sah. Nur war ich 2016 schon 45 Jahre alt. Mittlerweile bin ich 54 und Stranger Things steuert auf sein Finale in Staffel 5 zu.
Alle bisherigen Staffeln gerankt – von der schlechtesten bis zur besten
Grund genug, mich erneut durch die ersten vier Staffeln zu wühlen und sie zu ordnen. Meine Bewertung folgt, von der schwächsten bis zur stärksten Season. Natürlich höchst subjektiv, aber ihr könnt mir vertrauen: Mein Seriengeschmack ist ziemlich solide. Spoiler für die ersten vier Staffeln? Absolut! Anschnallen, es geht los.
Der letzte Platz in meinem Ranking: Stranger Things, Staffel 3
Staffel 3 brachte Stranger Things den wohl auffälligsten Stilbruch und polarisierte die Fans stark. Der subtile Horror der Vorgänger wich einer grellen, sommerlichen Action-Atmosphäre im Stil eines 80er-Jahre-B-Movies. Sommer 1985 in Hawkins bedeutet Neonlichter, aufkeimende Teenager-Romanzen und das neue Herz der Stadt: die Starcourt Mall. Diese stilistische Wendung stieß sowohl auf Begeisterung als auch Kritik.
Zusammenfassung: Ein Sommer der Liebe und des Schreckens
Die Starcourt Mall ist nicht nur ein Konsumtempel, sondern verbirgt ein düsteres Geheimnis: Im Untergrund betreiben sowjetische Wissenschaftler eine Maschine, um ein Tor ins Upside Down zu öffnen. Dadurch kann der Mind Flayer nach Hawkins zurückkehren, findet in Billy Hargrove einen neuen Wirt und erschafft eine Armee von Infizierten. Während die Helden durch aufkeimende Romanzen auseinanderzudriften drohen, decken Dustin, Steve, Robin und Erica die russische Verschwörung auf, was in einem explosiven Showdown endet.
Nostalgie am Rande der Absurdität
Die Platzierung zeigt, dass diese Staffel besonders polarisierte. Sie bewegte sich irgendwie zwischen brillantem Spaß einerseits, aber auch erzählerischen Schwächen andererseits. Vor allem spiegelt die Platzierung aber wider, wie diese Folgen bei mir persönlich hängengeblieben sind.
Ich mag die Staffel auch gar nicht zerreißen, denn so viel ist mal klar: Es gibt KEINE wirklich schlechte Staffel von Stranger Things. Wenn ich mich hier also beschwere, dann auf hohem Niveau. Auch hier glänzen absolute Highlights, wie Dustins zuckersüßes Duett mit Suzie.
Auch Robin und Steve, die mit dieser Staffel eingeführt wurden, haben mir großartig gefallen. Dennoch hab ich hier ein paar negative Schwingungen verspürt, die ich in den anderen Staffeln nicht so wahrgenommen habe.
Robin und Steve, eingeführt in dieser Staffel, gefielen mir ebenfalls sehr. Dennoch empfand ich einige negative Nuancen, die mir in den anderen Staffeln von Stranger Things weniger auffielen. Meiner Meinung nach wurde zu stark auf den Nostalgie-Faktor gesetzt. Ich liebe die Achtziger und Serien, die darauf Bezug nehmen, doch hier wirkte es, als wollte man so viele Referenzen wie möglich in den Plot quetschen.
Gerade gegen Ende war mir die Inszenierung zu pompös. Der Zauber der ersten Staffel ging verloren, ersetzt durch CGI-Schlachten, die etwas lieblos wirkten. Meinetwegen hätte man die ganze Russen-Verschwörung weglassen können – das betrifft allerdings auch andere Staffeln.
Platz 3 für Staffel 2: Das schwierige zweite Album
Die zweite Staffel litt für mich an einem typischen „zweites Album“-Problem: Nach dem perfekten Debüt sollte der Nachfolger noch besser sein, aber in kürzerer Zeit produziert. Staffel 2 hat mir dennoch ausgesprochen gut gefallen.
Zusammenfassung: Düsteres Halloween in Hawkins
Ein Jahr nach Wills Rettung herrscht Herbst 1984. Eine düstere Halloween-Stimmung legt sich über Hawkins, doch die Normalität täuscht. Will wird von Visionen eines gigantischen Schattenmonsters geplagt – dem Mind Flayer, der Besitz von ihm ergreifen will. Elfi findet Unterschlupf bei Polizeichef Hopper, leidet aber unter der dortigen Isolation. Die Freundesgruppe wird durch Skaterin Max und ihren aggressiven Stiefbruder Billy aufgemischt, was auch die Dynamik zwischen Dustin und Lucas verändert.
Der fatale Ausflug nach Chicago
Zwei Gründe erklären für mich die Platzierung dieser Staffel:
- Der „Lost Sister“-Ausreißer: Kritiker und Fans sehen die siebte Episode, „Die verschwundene Schwester“, als größten Schwachpunkt. Elfi reist nach Chicago, trifft Kali (Nummer Acht) und ihre kriminelle Bande. Die Folge wirkt thematisch fremd und bricht abrupt die Atmosphäre in Hawkins.
- Repetitive Bedrohung: Nach der ersten perfekten Season musste nachgelegt werden – größer, besser. Die Folgen funktionieren größtenteils, doch die Ambition bleibt manchmal zu gering. Der Mind Flayer spielt noch eine Nebenrolle, sodass Staffel 2 wie ein Aufguss der ersten wirkt.
Trotz Schwächen zeigt Staffel 2 Stärken: Max und Billy bereichern das Ensemble, die Teenager wirken greifbarer und die Charaktere werden in ihren Antrieben klarer gezeichnet.
Platz 2: Zurück zu alter Stärke mit Staffel 4
Staffel 4 heilte mein Herz. Ich hatte Angst, nach Staffel 3 die Serie erneut anbrüllen zu müssen. Stattdessen lieferte die Serie eine fantastische Story, neue Helden und Bösewichte, eine perfekte Dosis Achtziger sowie viel Action und Drama.
Zusammenfassung: Vecnas Ankunft
Die Handlung spielt an mehreren Schauplätzen. In Hawkins erschüttern grausame Morde die Stadt, verursacht von Vecna aus dem Upside Down. In Kalifornien kämpft Elfi darum, ihre Kräfte zurückzugewinnen, konfrontiert mit ihrer traumatischen Vergangenheit im Hawkins-Labor. Hopper überlebt in einem russischen Gulag. Alle Stränge führen zum unausweichlichen Kampf gegen Vecna, den Drahtzieher des Unheils in Hawkins.
Gipfel des Schreckens und der Emotionen
Staffel 4 überzeugt durch emotionale Tiefe und exzellente Charakterzeichnung. Gänsehaut, Tränen, Jubel – alles dabei. Als Max zu „Running Up That Hill“ schwebte, war das nicht nur ein Serienmoment, sondern ein kulturelles Erdbeben, das die Macht von Musik und Freundschaft zeigt. Ihr Charakterbogen ist herausragend.
Eddie Munson, Metal-Fan und D&D-Meister, wird zum neuen Fanliebling, sein Gitarrensolo zu Metallicas „Master of Puppets“ ist unvergessen. Vecna fungiert hier eher als psychologischer Horror statt als „Monster der Woche“.
Die Serie stabilisierte sich, tauchte in neue Sphären ein und legt den Grundstein für das große Finale in Staffel 5. Für mich ist Staffel 4 ein Meisterstück, das die Mythologie vertieft, Charaktere an ihre emotionalen Grenzen führt und das Finale vorbereitet.
Meine Nummer 1: Die Premieren-Staffel, mit der alles begann
Trotz des Lobes für Staffel 4 ist mir die erste Staffel am meisten ans Herz gewachsen. Die Geburt eines globalen Phänomens. Hätte ich eine Serie selbst entwerfen dürfen, sie hätte genau so ausgesehen: ein perfekter Mix aus 80s-Nostalgie, Mystery, Science-Fiction und Coming-of-Age.
Zusammenfassung: Das Verschwinden des Will Byers
Am 6. November 1983 verschwindet Will Byers spurlos in Hawkins. Seine verzweifelte Mutter Joyce und der desillusionierte Polizeichef Hopper ermitteln, während Mike, Dustin und Lucas selbst auf die Suche gehen. Sie treffen auf ein Mädchen mit kahlgeschorenem Kopf und übernatürlichen Kräften, das sie Elfi (nach ihrem Labornamen „11“) nennen. Die Suche führt zu geheimen Regierungsexperimenten, einer düsteren Paralleldimension und einem furchterregenden Monster, dem Demogorgon.
Ein Meisterwerk für sich
Ehrlich gesagt hätte auch schon nach Staffel 1 Schluss mit Stranger Things sein dürfen! Ich stecke fest in dieser Ambiguität zwischen „Wow, das ist die perfekte Staffel“ und dem Verlangen „diese Serie darf nie aufhören“. Das ist jetzt erst mal nur mein Gefühl, aber erfreulicherweise verehren außer mir ja noch ein paar Leute mehr diese ersten acht Folgen. Die Gründe dafür sind mannigfaltig, lassen sich aber auf zwei Kernpunkte reduzieren:
- Die Geburtsstunde des Phänomens: Staffel 1 funktionierte als perfekter Köder. Sie schuf eine einzigartige und faszinierende Welt, indem sie 80er-Jahre-Nostalgie meisterhaft mit unheimlichen Sci-Fi-Konzepten und echtem Horror verband. Die Charaktere waren von der ersten Minute an liebenswert, die Handlung fokussiert und das Mysterium fesselnd.
- Eigenständige Perfektion: Die Staffel könnte für sich allein als abgeschlossene Miniserie stehen. Die Handlung wäre – perfekt und in sich geschlossen – auch ohne Fortsetzungen ein Meisterwerk. Alles, was Stranger Things ausmacht, wurde hier etabliert.
Für unzählige Fans ist und bleibt die erste Staffel der unantastbare Goldstandard. Ich kenne aber auch genügend Menschen, die Staffel 4 sogar als noch stärker empfinden. Hier hab ich jetzt mal niedergeschrieben, wieso ich mich für die Reihenfolge genau so ist, wie sie ist. Hoffe, du kannst damit leben – nenne mir aber ruhig deine Reihenfolge in den Kommentaren.
