Stiftung Warentest: Samsungs neue Handy-Funktion fällt krachend durch

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Vor knapp einem Monat startete Samsungs hauseigener Bezahldienst, Samsung Pay. Anders sollte er sein und viele Services in nur einer Karte vereinen. Doch die Nutzung hat einen Preis, wie die Stiftung Warentest nun urteilt. Samsung Pay greift weitreichend in das Smartphone ein.
Samsung Pay
Ab sofort ist Samsung Pay in Deutschland nutzbar.Bildquelle: Samsung

Samsung reiht sich in die mittlerweile gar nicht mehr so kurze Liste der mobilen Bezahldienste ein. Apple und Google haben einen, aber auch Unternehmen wie Payback gehören dazu. Samsung Pay ist vergleichsweise aber noch jung und muss sich schon jetzt mit schweren Vorwürfen auseinandersetzen. Die Stiftung Warentest hat sich Samsungs Bezahldienst genauer angesehen. Das Resümee ist ernüchternd: Samsung Pay nimmt sich zu viele Rechte heraus, urteilt die Verbraucherorganisation.

Wie in den meisten Fällen sind nicht die technischen Voraussetzungen mangelhaft, sondern der Umgang mit den Daten der Kunden. Wie die Stiftung Warentest herausfand, nimmt sich Samsung Pay allerhand Rechte direkt nach der Installation der App auf dem Smartphone heraus. Der Bezahldienst löscht nicht nur Daten von anderen Apps, sondern kann sie theoretisch sogar abschalten. Darüber hinaus greift Samsung Pay auf Kontakte zu, kann SMS lesen wie empfangen, WLAN-Netze wechseln und auch den Arbeitsspeicher auslesen. Wobei letztere tendenziell eher zu den klassischen Berechtigungen von Apps zählen.

Samsung Pay: Problematischer Datenschutz

Wer sich eine App herunterlädt, bekommt die Berechtigungen vorher angezeigt und muss aktiv zustimmen, bevor der Download beginnt – sofern die App Zugriffsrechte braucht. Nutzer sollten sich diese Berechtigungen durchlesen und sich gegebenenfalls fragen: Wieso braucht die App den Zugriff auf bestimmte Informationen oder Teile des App-Systems? In vielen Fällen ergeben die Zugriffsrechte Sinn, beispielsweise wenn ein Messenger Kontakte einsehen kann, um sie zu synchronisieren. Mindestens genauso oft ist die gewollte Berechtigung auf sensible Daten aber auch nicht nachvollziehbar.

Hier setzt die Stiftung Warentest an und sagt, dass Apps wie Samsung Pay die Rechte im Hintergrund ausführen – sprich der Nutzer wahrscheinlich nichts von den Aktionen mitbekommt. Im Vordergrund stehen bei Services wie diesen der Komfort für den Nutzer, aber nicht die dahinterstehenden Prozesse. Die Verbraucherorganisation fürchtet deswegen weitreichende Konsequenzen: Beispielsweise könnte Samsung Pay Apps ohne das Wissen des Nutzers nachinstallieren und deren Berechtigungen aushebeln. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass diese nachträglich installierten Apps dann Zugriff auf sensible Daten erhalten könnten. Stichwort: Datenklau.

Konkurrenz verbraucherfreundlicher

In die Bewertung der Stiftung Warentest fließt auch der Umstand mit ein, dass Nutzer von Samsung Pay vor der Nutzung des Bezahldienstes ein Konto bei der Solaris Bank einrichten müssen. Mit dieser ist Samsung eine Kooperation für Samsung Pay eingegangen. Zahlt man mit Samsung Pay, erfolgt die Zahlung danach über eine Visa-Debitkarte der Solaris Bank. Die Konkurrenten Google Pay und auch Apple Pay verlangen das nicht und sind somit deutlich verbraucherfreundlicher.

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2 KOMMENTARE

  1. Stiftung Warentest ist auch nicht mehr das, was sie mal war.
    Ziemlicher Blödsinn was hier steht. Die App erfordert übliche Berechtigungen. Wenn Samsung heimlich etwa nachinstallieren möchte, bräuchten sie – wie jeder andere Handy-Hersteller auch – dazu keine spezielle App, sondern könnten das heimlich im Hintergrund machen, denn schließlich ist das Betriebssystem von ihnen.
    Der Umweg über die Solaris-Bank / Kreditkarte ist doch einfach erklärt. Um eine breite Akzeptanz an den Kassenterminals zu erreichen und nicht mit jedem Hinz & Kunz spezielle Verträge abzuschließen zu müssen (wozu selbst Samsung nicht groß genug ist – sieht man ja selbst bei Google Pay), simuliert das Handy dann einfach eine übliche verbreitete Kreditkarte. Etwas anderes wird außer Apple oder Google keinem Neueinsteiger in diesen Markt übrig bleiben. Selbst bei Google sieht man ja, das denen die Marktmacht fehlt sich gegen Sparkasse & Co durchzusetzen.

  2. @Karl, das „Betriebssystem“ ist nicht von Samsung, sondern von Google.
    Während der Samsung Pay Konfiguration müssen in der Samsung Pay APP die IBAN und Bankzugangsdaten (Account und Pin) eingegeben werden, um sich als Legitimation dann 5 Cent zu überweisen. Was mit diesen Informationen passiert und ob ggf. auch die Kontostände abgefragt werden, ist für mich ein sehr großes Datenschutzproblem. Ich bin nicht einmal sicher, ob die eigene Bank dieses Vorgehen sogar untersagt. Es gibt auch keinerlei Alternativen wie eine PayPal Verknüpfung.
    Hier kann ich dem „Stiftung Warentest“ nur zustimmen.

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