Start von 5G in Deutschland noch 2019: Wie kann das funktionieren?

5 Minuten
Die Deutsche Telekom überraschte auf dem Mobile World Congress (MWC) mit der Ankündigung, noch in diesem Jahr mit einem Privatkundenangebot für 5G starten zu wollen. Dabei hat die Frequenz-Auktion noch nicht einmal begonnen. Doch die deutschen Netzbetreiber haben ein Ass im Ärmel und die Telekom gleich mehrere.
Ein Mobilfunk-Sendemast der Telekom mit 5G

Wer vom Start der 5G-Netze spricht, dem fällt oftmals zunächst die bevorstehende Frequenzauktion bei der Bundesnetzagentur ein. Ab dem 19. März 2019 sollen die Frequenzen, die für 5G vorgesehen sind, unter den Hammer kommen, sofern Gerichte die Auktion nicht noch stoppen. Mit dabei: Ein Spektrum von 300 MHz im Bereich zwischen 3.400 bis 3.700 MHz. In der Regel ist hier vom 3,5- oder 3,6-GHz-Band die Rede.

Diese Frequenzen gelten als das Rückgrat von 5G. Sie sollen die hohen Datenraten in die Städte bringen. Die Auktion wird einige Tage, wenn nicht gar Wochen andauern. Zudem wird die Zuteilung der Frequenzen erst mit Beginn des Jahres 2022 greifen. Denn: Bis Ende 2021 sind die Frequenzen noch vergeben. Unter anderem gibt es dort regionale Nutzung, beispielsweise von Internetdienstleistern, die per Funk Daten zu Kunden übermitteln. Der Fachbegriff dafür: Broadband Wireless Access – kurz BWA. Diese Dienste müssen die Frequenzen räumen. Im 5G-Netz soll es übrigens ähnliche Angebote geben.

Schwachstelle Genehmigungsverfahren

Ein weiteres Problem für einen zeitnahen Start von 5G in Deutschland scheint auch zu sein, dass die Netzbetreiber für jeden Standort, den sie an klassischen Sendemasten in Betrieb nehmen, eine Genehmigung der Bundesnetzagentur brauchen. Die Behörde kontrolliert die Einhaltung von Sendeleistungen und Frequenzen. Alleine in Stuttgart warte die Telekom auf 70 Genehmigungen, sagte Telekom-Chef Tim Höttges. 40 von ihnen seien seit mehr als zwei Jahren im Genehmigungsverfahren. An diesen Genehmigungen kommt kein Netzbetreiber vorbei – wenn er auf die bekannten Makro-Standorte auf Dächern und an Sendemasten setzt. Höttges will aus Verärgerung über diese Verzögerungen eine Karte mit Standorten mit fehlender Genehmigung online stellen.

Es gibt aber einen Ausweg aus dem Genehmigungsverfahren. Dabei handelt es sich um Small Cells. Das sind kleine Mobilfunkstandorte, die nur einen sehr kleinen Radius versorgen. Solche Standorte wird es in den 5G-Netzen häufiger geben, die da Frequenzen aus dem 3,6-GHz-Band ohnehin keine hohe Reichweite haben. Möglicherweise setzt die Telekom hier auf ein Konzept, das einer der Lieferanten der Telekom vorgestellt hat: 5G aus dem VDSL-Kabelverzweiger. Auch die eigenen Telefonzellen beziehungsweise Telefonsäulen ließen sich zu kleinen 5G-Sendern für die Innenstädte umwandeln. Große Straßenkreuzungen und Hotspots könnte die Telekom so recht unkompliziert mit 5G versorgen und hohe Datenraten anbieten.

Alle drei Netzbetreiber haben bereits „5G-Frequenzen“

Bleibt das Problem der Frequenzen. Dieses Problem ist aber gar keines. Denn sowohl die Telekom als auch Vodafone und O2 haben bereits heute Frequenzspektrum im Bereich der 3,6-GHz-Frequenzen. Diese sind umgangssprachlich als 5G-Frequenzen bekannt.

Jeder der Anbieter darf bis Ende 2021 jeweils ein Spektrum von 42 MHz nutzen. Diese Lizenzen haben die Anbieter entweder vor vielen Jahren ersteigert oder untereinander mit Genehmigung der Bundesnetzagentur verkauft. So hat beispielsweise Vodafone seine 42 Megahertz Spektrum Anfang 2018 von Telefónica gekauft. Telefónica wiederum hat damit eine der Auflagen aus der Fusion mit E-Plus erfüllt. Diese sah den Verkauf von Frequenzen vor.

Die einst für breitbandige Internetdienste gedachten Frequenzen sind inzwischen von der Bundesnetzagentur flexibilisiert worden. Damit dürfen die drei Netzbetreiber auf 5G auf diesen Frequenzen einsetzen, wie ein Sprecher der Bundesnetzagentur gegenüber inside handy bestätigte.

5G-Netz zum Start wohl eher ein Flickenteppich

Auf Nachfrage eines Journalisten, wann mit einem 5G-Start zu rechnen ist, antwortete ein Sprecher im Rahmen der Pressekonferenz der Telekom auf dem Mobile World Congress: „Wir benötigen nun erst einmal Frequenzen“. Diese Aussage ist so also nicht ganz korrekt. Es darf vermutet werden, dass die Telekom sicher gehen möchte, auch nach 2021 ausreichend Frequenzen in dem fraglichen Spektrum zu haben. Mit dem Einstieg der Drillisch Netz AG in die Auktion wird die Luft für die bestehenden Anbieter zumindest dünner.

Faktisch ist ein 5G-Start der Telekom noch in diesem Jahr möglich. Damit könnten dann auch die auf dem Mobile World Congress vorgestellten neuen 5G-Smartphones von Privatkunden zum Einsatz kommen. Dennoch wird der Start des Netzes vermutlich eher punktuell und in Großstädten mit einem hohen Datenbedarf erfolgen. Zu vermuten ist, dass ein Start von 5G ähnlich aussieht wie der Start von Viag Interkom im Jahr 1998: Hier gab es in nur acht Städten ein Netz. In allen anderen Regionen wurde auf Roaming gesetzt – zunächst über die Schweizer Swisscom in allen drei Netzen, später auf ein Roaming mit der Telekom. Da die erste Generation 5G ohnehin nicht ohne LTE auskommt, wäre ein solcher Start die pragmatischste Lösung.

90 Prozent Flächendeckung bis 2025?

Die Telekom hat auch versprochen, bis 2025 insgesamt 90 Prozent der Fläche Deutschlands mit 5G zu versorgen. Das seien 99 Prozent der Bewohner. Das aber bedeutet nicht, dass im gesamten Abdeckungsgebiet 5G mit Gigabit-Datenraten verfügbar sein wird. Weitere wichtige Bestandteile von 5G sind die Sensoren-Anbindungen und die geringen Latenzen.

Es ist zu erwarten, dass die Telekom ihre bestehenden Frequenzen wie jene im Bereich um 700 MHz nutzen wird, um hier eine schnelle Netzabdeckung zu erreichen. Ein Teil der jetzt versteigerten Frequenzen aus dem bisherigen UMTS-Frequenzband um 2 GHz wird zudem erst 2025 frei. Auch dies dürfte Einfluss auf die Aussage der Telekom haben. Zunächst aber setzt die Telekom die 700-MHz-Frequenzen nun für LTE ein.

Bildquellen:

  • Telekom 5G MWC: Deutsche Telekom
Senatsverhandlung
Vertragsverlängerung trotz Kündigung: Kostenfalle Rückholangebot
Wer kennt es nicht: Ein Mobilfunkvertrag wurde gekündigt, man entscheidet sich für ein Angebot eines neuen Anbieters und wenige Tage später klingelt das Telefon. "Guten Tag, Ihre Kündigung ist bei uns eingegangen, aber wir hätten da ein ganz tolles Angebot für Sie…" Wer jetzt nicht aufpasst, kann schnell in die Kostenfalle tappen.
Thorsten Neuhetzki
Thorsten liebt Technik und ist seit 2018 als Redakteur an Bord. Als "alter Hase" in der Branche schreibt Thorsten am liebsten über alles, was mit Breitband, Netzen und Tarifen zu tun hat. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um Super Vectoring, DOCSIS 3.1 oder 5G geht - schnelles Internet ist für Thorsten und seine Berichterstattung das A und O. Abseits des Newsdesks ist Thorsten mit großer Begeisterung auf seinem Tourenrad unterwegs. Vor allem Schweden hat es dem in Berlin wohnhaften Ostwestfalen angetan.

Handy-Highlights

Samsung Galaxy 5G
Xiaomi Mi Mix 3 Technische Daten Neuigkeiten Preisvergleich

Deine Technik. Deine Meinung.

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein

geschützt durch reCAPTCHA Datenschutzerklärung - Nutzungsbedingungen

VERWANDTE ARTIKEL