Spotify-Betrug: Viel Lärm um wenig Geld

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Spotify ist beliebt. So beliebt, dass gleich ein Aufschrei durch die Digital-Gesellschaft geht, wenn das Unternehmen plant, seine Nutzungsbedingungen durchzusetzen und Kunden entsprechend zur Kasse zu bitten. Wer keine Familie ist, soll einfach den vollen Preis bezahlen, findet Stefan Winopal. Ein Kommentar.
Bildquelle: Blasius Kawalkowski / inside digital

Spotify will Ernst machen und bei seinen Nutzern künftig die Berechtigungsgrundlage für seinen vergünstigten Familientarif prüfen. Bis zu fünf Familienmitglieder in einem Haushalt dürfen so für rechnerisch 3 Euro unbegrenzt viele Audio-Inhalte von der Plattform abrufen, ganz ohne Werbung. Nun möchte der Streamingdienst prüfen, ob die Nutzer des Familientarifs auch wirklich in einer „Familie“ leben, was über Google Maps geschehen soll. Das Netz tobt.

Nun kann man argumentieren, dass man ja trotzdem eine Familie sei, auch wenn man unterschiedliche Anschriften habe. Oder auch, dass man sich Spotify ja mit der selbstgewählten „Familie“, dem engsten Freundeskreis, teilt. Doch das ist nicht der Deal. Vielleicht hat Spotify den Begriff „Familie“ auch einfach falsch gewählt, richtiger wäre vielleicht „Haushalt“. Doch warum ist Spotify die Unterscheidung so wichtig?

Es geht ums Geld

Die Wohnort-Frage ist deshalb eine wichtige, weil Spotify Rechnungen zu bezahlen hat. Nicht nur die eigenen Mitarbeiter oder die Server-Infrastruktur, die vorgehalten werden muss, verschlingen Geld. Den größten Teil des Gewinns von Spotify muss die Firma an die Musikindustrie berappen, die schließlich die „Ware“ für Spotify liefert. Und die Zahlungen, die Spotify an Musiker und Plattenfirmen zu entrichten hat, richten sich nicht nach Nutzern, sondern nach Streams.

Von den rund 232 Millionen Nutzern, die den Dienst im 2. Quartal 2019 nutzten, sind weniger als die Hälfte – 108 Millionen – zahlende Kunden. Wenn nun die Hälfte davon auf Familien-Abos entfallen, die nur rechnerisch ein Viertel des Preises bezahlen, sieht man schnell, dass der Schaden groß ist.

Die Streaming-Anbieter gehen davon aus, dass die Familien-Accounts weniger intensiv genutzt werden, wenn sie in einem Haushalt beheimatet sind. Schließlich hört man Musik ja oft auch laut und nur selten kommen dann mehrere Streams auf einmal zustande. Sind die Nutzer jedoch räumlich voneinander getrennt, sieht das Nutzungsverhalten schnell ganz anders aus.

Zehn Euro sind auch Geld, aber …

Die Frage ist, warum so vielen Spotify-Nutzern zehn Euro zu viel sind, für ein Angebot, dass neben mehreren Millionen Songs auch noch Hörbücher und Podcasts enthält. Jederzeit abrufbar, auch offline.

Zehn Euro, das sind zehn Kugeln Eis. Das sind keine zwei Schachteln Zigaretten und etwa 111 Gesprächsminuten bei den meisten Prepaid-Discountern. Für zehn Euro kann man einmal bei McDonald’s satt werden oder Kaffee und Kuchen für Zwei bezahlen. Zehn Euro sind vor allem eines: Schnell ausgegeben.

Zehn Euro sind auch: Ein Album im Download. Oder 8–10 Singles. Wer im Monat mehr Musik konsumiert als das, sollte sich fragen, ob 10 Euro nicht vielleicht ein angemessener Preis sind für so viel Musik, wie man nur hören kann.

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2 KOMMENTARE

  1. Im grunde richtig gewählt. Ein Blick wie Familie sich korrekt definiert (auch rechtlich gesehen!):
    „Familie (Kollektivbildung von lat. famulus „Diener“, familia „Gesamtheit der Dienerschaft“) bezeichnet soziologisch eine durch Partnerschaft, Heirat, Lebenspartnerschaft, Adoption oder Abstammung begründete Lebensgemeinschaft, meist aus Eltern oder Erziehungsberechtigten sowie Kindern bestehend, gelegentlich durch weitere, mitunter auch im selben Haushalt lebende Verwandte oder Lebensgefährten erweitert.“
    Mit Betonung auf: „Lebensgemeinschaft“ – das Bedarf, dass man im selben Haushalt lebt.
    Und um Missverständnisse auszuschließen, hat Spotify ja stets auf den selben Haushalt hingewiesen. Also durchaus transparent und verständlich, auch wenn man Familie etwas anders auslegt…

    • Diese rechtliche Definition halte ich aber durchaus für fragwürdig, denn das würde ja bedeuten, dass man mit seinen Eltern oder Geschwistern streng genommen keine Familie mehr ist, wenn man nicht zusammen lebt. Das klingt für mich doch sehr überholt, dass man sein Leben lang im Familien-Haus wohnt. Und auch, wenn es rechtlich die korrekte Definition sein mag, ist es aus Usability-Sicht die falsche Bezeichnung. Denn das allgemeine Verständnis des Familienbegriffs endet eben nicht an der Haustür. 😉

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