Sparkassen-Ableger 1822direkt: Schluss mit kostenlos

3 Minuten
Wer ein Konto bei der 1822direkt, der Direktbank-Tochter der Frankfurter Sparkasse hat, der brauchte bei entsprechendem Geld-Eingang bislang weder für sein Konto noch für die Sparkassen-Karte etwas zu zahlen. Doch damit ist jetzt Schluss.
Ein umgekipptes Glas voll Kleingeld
Bildquelle: Photo by Josh Appel on Unsplash

Ab 2022 soll die Sparkassen-Card, auch als Girocard oder im Volksmund als EC-Karte bekannt, Geld kosten. Das teilt die Bank jetzt ihren Kunden mit. In einem 88 Seiten langen Dokument findet sich die Information, dass Kunden mit einem Girokonto für die Sparkassen-Card künftig 6 Euro pro Jahr zahlen müssen. Bislang war diese Karte kostenlos.

Die 1822direkt reiht sich damit ein in die Regie der Banken, die die Konditionen für ihre Kunden verschlechtern. Gleichzeitig muss man aber auch sagen, dass 6 Euro pro Jahr ein überschaubarer Betrag bei einem ansonsten komplett kostenlosen Konto-Führung ist, sofern du – je nach Kontomodell – einen Geldeingang von 700 oder 1.200 Euro monatlich verzeichnest. Die 6 Euro pro Jahr sind nun aber fast obligatorisch, da du als Kontonutzer sonst weder an Bargeld kommst noch mit der Karte im Geschäft bezahlen kannst. Die Änderung gilt übrigens auch für alle Kunden, die sich für 1822mobile, die Handyvariante der 1822direkt, entschieden haben.

Neu ist aber auch, dass die 1822direkt nun generell Gebühren für die Visa-Kreditkarte berechnen will. Bisher hat dir die Bank die jährlichen Kosten von etwa 30 Euro erstattet, wenn du einen Umsatz von 4.000 Euro mit der Kreditkarte erzielt hast.

Änderung bei 1822direkt: Zustimmung erforderlich

Ferner geht die 1822direkt in dem 88 Seiten langen Dokument auf das BGH-Urteil vom April ein. Hier hatte der BGH im Fall der Postbank geurteilt, dass eine Änderung der AGB und Preise durch die Bank eine aktive Zustimmung benötigt. Ein Nicht-Reagieren des Kunden könne nicht als Zustimmung gesehen werden. Zwar sei die 1822direkt nach eigenen Angaben aktuell nicht direkt von dem Urteil betroffen, dennoch reagiert sie. Man spricht von einer Rechtsunsicherheit nach dem Urteil. „Um diese Rechtsunsicherheit zu beseitigen, möchten wir die Ihnen in der Vergangenheit über den AGB-Änderungsmechanismus mitgeteilten Bedingungen neu mit Ihnen vereinbaren.“

Betroffene Kunden finden die neuen Unterlagen in ihrem elektronischen Postfach im Online-Banking. Sie werden aufgefordert, den Änderungen zuzustimmen. Konsequenzen, wenn keine aktive Zustimmung erfolgt, nennt die 1822direkt aber nicht. Zu vermuten ist, dass man bei den Kunden bei einer nicht erfolgten Zustimmung noch mehrmals nachfragen wird. Ob die Bank dann möglicherweise die Kündigung eines Kontos in Erwägung zieht, bleibt abzuwarten. Zu kritisieren ist, dass man aktuell im Neukundengeschäft noch mit einer kostenlosen Sparkassen-Card wirbt. Auch die Rückerstattung der Kosten für die Visa-Card bei entsprechendem Warenumsatz erwähnt die Bank noch.

Die 1822direkt hatte erst im vergangenen Jahr die kostenlose Versorgung mit Bargeld am Automaten eingeschränkt.

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6 KOMMENTARE

  1. Paul

    6€/Jahr, also 50ct im Monat, ist in der Tat nicht viel, wenn man bedenkt, dass viele andere Banken 5-6€ pro Monat und nicht pro Jahr verlangen. Jedoch trotzdem schade, gerade bei aktiver Nutzung als Gehaltskonto hätte man es bei den höherwertigen Tarifen inkludieren können. Aber gut, die vielen Filialen und Mitarbeiter müssen ja auch bezahlt werden, Niedrig- bzw. Minuszinsen hin oder her. Bin zufriedener Kunde dort.

    Antwort
  2. Fett

    Notfalls kann man die SparkassenCard auch manuell über Karten-/Kontoverwaltung kündigen ohne gleich das ganze Konto aufzulösen. Damit spart man sich dann 6€/a, an Bargeld muss dann entweder mit einer Kreditkarte ran und sonst mit dieser alles bezahlen.

    Antwort
    • RollinCHK

      Und was hat man davon? Dann ist das Konto nicht nur kostenlos, sondern irgendwie auch „umsonst.“ Nicht falsch verstehen, ich bin lange Jahre Kunde der 1822direkt und mich stören die 6 Euro pro Jahr nicht, aber was bitte spricht denn noch für die 1822direkt? Das Girokonto kostet Gebühren ohne Geldeinang, wie bei anderen Banken auch. Das Sparkassenautomaten-Netz wird erstens ohne SparkassenCard bedeutungslos und zweitens ist es auch nicht mehr so relevant wie vor etlichen Jahren. Bargeld wird mitunter weniger benötigt bzw. man bekommt es auch im Supermarkt beim Einkauf. Bei anderen Banken gibts aber häufig noch ne Visa / Mastercard Debitkarte dazu, um Bargeld kostenlos abzuheben. Das funktioniert dann an wesentlich mehr Automaten, als nur an denen des Sparkassennetztes.

      Die Art und Weise, wie man das jetzt mit der AGB Änderung und der Preisanpassung macht schafft auch nicht gerade Vertrauen und Sympathiepunkte. Eine 82 Seiten PDF in der Postbox ohne die konkrete Aussage, was passiert, wenn man den Änderungen nicht aktiv zustimmt.

      Apple Pay hat man ja nun endlich hinbekommen und ja, das ist ne feine Sache. Was gibt es denn aber sonst für Innovationen? Andere Banken bieten Unterkonten (Pockets), kostenlose Kreditkarten, Girokarten usw. Warum sollte ein Neukunde zur 1822direkt gehen und ein Bestandskunde dort noch bleiben? Was kommt denn als nächstes, vielleicht eine Datenerstellungsgebühr für die monatlich zur Verfügung gestellten Kontoauszüge?

      Eine anständige, faire Kontoführungsgebühr wäre völlig in Ordnung, aber die SparkassenCard kostenpflichtig zu machen und dann weiterhin mit einer kostenlosen Kontoführung zu werben… Puh… sehr kreativ…

      Antwort
  3. San

    Hm damit werde ich mein Konto wohl endgültig zur Comdirekt schieben. Seit der Einführung der Visa Debit dort kann man ja sowieso das Sparkassen Automaten Netz kostenlos mitbenutzen + zusätzlich andere Automaten anderer Banken auch noch. Bei 700€ Geldeingang kostet das Konto dort ebenfalls nichts und (bisher) gibt es auch keine Gebühr für die Girocard/Visa Debit. Schade die 1822 war lange Zeit die beste Direkt Bank grade weil sie eben eine Sparkasse zu DirektBank Konditonen war. Mittlerweile fallen die Vorteile gegenüber anderen Direktbanken weg und man könnte im Prinzip gleich zur örtlichen Sparkasse gehen da hat man dann immerhin vor Ort Service, Einzahl Möglichkeit außerhalb von Frankfurt & keine Begrenzung für Abhebungen.

    Antwort
  4. Alex

    Von: 1822direkt
    Gesendet: 15.10.2021
    Nachricht

    Sehr geehrter Herr XXX,

    vielen Dank für Ihre Nachricht.

    Gerne möchten wir für die gewünschte Transparenz sorgen. Bitte haben Sie Verständnis, dass die Geschäftsbeziehung nur fortgeführt werden kann, wenn Sie die aktuellen Bedingungen, AGB und Preise bestätigen. Es ist uns nicht möglich, kundenindividuelle Preis- und/oder Bedingungsmodelle zu führen. Damit wir weiterhin vertrauensvoll mit Ihnen zusammenarbeiten können, ist es erforderlich, dass Sie den Bedingungen usw. zustimmen.

    Bei weiteren Fragen sind wir gerne Ihr Ansprechpartner. Sie erreichen unsere Kundenbetreuung von Montag bis Freitag zwischen 08:00 und 20:00 Uhr und samstags zwischen 08:00 und 16:00 Uhr telefonisch unter 069 94170-0. Bitte halten Sie für Ihren Anruf Ihre Kundennummer und Telefon-PIN bereit.
    Gerne können Sie uns direkt auf diese Nachricht antworten oder Ihre Fragen stellen. Wählen Sie hierfür bitte das Feld »Antworten«.

    Mit freundlichen Grüßen
    1822direkt

    Patrick Dold
    Teamleiter Korrespondenzteam
    Bereich Kundenservice
    Tel.: 069 94170-0

    Antwort
  5. Krösus Megalos

    Die Produkte der 1822direkt finde ich so schlecht nicht. Aber die Kunden-„Betreuung“ ist unter aller Kanone. Meine Rückfrage zum Preismodell im 80-seitigen Schreiben vom Oktober 2021 wurde damit beantwortet, dass ich mir das Scheiben durchlesen solle, anstatt meine einfache Frage kurz zu beantworten. Bin momentan aktiv auf der Suche nach einer anderen Bank. Die Mätzchen und Borniertheit der 1822direkt habe ich nach mehr als 20 Jahren satt.

    Antwort

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