Sonos: Der Spagat zwischen zufriedenen Kunden und Zukunft

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Sonos hatte Gegenwind der Kunden eingeplant. Aber der Gegenwind blies dann offenbar doch in Orkanstärke statt als steife Brise. So sah sich Sonos gezwungen, den angekündigten Update-Abgesang zumindest ein Stück weit zurückzunehmen. Und das ist gut so, kommentiert inside digital Redakteur Thorsten Neuhetzki.
Sonos Sub
Sonos SubBildquelle: Sonos

Kein Mensch kann ernsthaft erwarten, dass ein Produkt jahrelang mit Updates versorgt wird. Nach einigen Jahren muss ein Gerät ausgetauscht werden, will man weiter Updates bekommen. Das ist beim Smartphone seit Jahren so – egal ob Apples iOS oder Googles Android auf dem Handy laufen.

Auch ein Fernseher bekommt nicht in alle Ewigkeiten Updates. Trotzdem wird der Fernseher weiterhin funktionieren, solange sich nicht etwas Gravierendes an der Art der Ausstrahlung von TV-Programmen ändert oder er einfach kaputtgeht. Und so etwas darf ein Sonos-Kunde auch von seinen Lautsprechern erwarten.

Dritt-Anbieter-Änderung hätte sich auf komplette Anlage ausgewirkt

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Sonos hatte nie angekündigt, dass die Lautsprecher ab Mai nicht funktionieren. Doch mit dem geplanten Support-Ende hätte es keine Updates mehr gegeben. In diesem Fall hätte einer der Musik-Dienste nur seine Schnittstellenbeschreibung ändern müssen und schon wäre dieser Dienst auf der kompletten Sonos-Anlage nicht mehr nutzbar gewesen. Dazu wird es nun, nachdem Sonos-Chef Patrick Spence zurückgerudert ist, nicht kommen. Sonos verspricht auch über Mai hinaus Bugfixes. Und das ist gut so.

Nun mag der ein oder andere, der sich auf die Seite von Sonos schlägt, sagen, Sonos sei nicht dafür verantwortlich, was andere Unternehmen tun. Das ist richtig. Sonos lebt aber letztlich davon, dass die Dienste Dritter auf Sonos abgespielt werden. Denn mal ernsthaft: Wer will denn eine Sonos-Anlage betreiben, auf der keine Musik-Streaming-Dienste oder Radio-Streaming läuft? Hier besteht also eine unmittelbare Abhängigkeit.

Sippenhaft ist für Nutzer nicht nachvollziehbar

Das Zurückrudern von Sonos bewirkt aber auch, dass nicht eine einzige “alte” Komponente wie die Play:5 der ersten Generation zum Update-Feature-Stop deiner kompletten Sonos-Anlage führt. Genau das hatte Sonos nämlich ursprünglich geplant.

Vergleichbar wäre das so, als wenn du für dein Macbook Air keine Feature-Updates mehr bekommst, weil du neben diesem Gerät auch noch ein iPhone 6 nutzt. Denn auch dein Sonos Move hätte nach ursprünglichen Plänen kein Update mehr bekommen, solange du die Play:5 der ersten Generation betreibst. Diese Sippenhaft hat Sonos in ein ziemlich mieses Licht gestellt. Dass der Play:5 vor mehr als zehn Jahren entwickelt wurde, lasse ich nicht gelten, denn verkauft wurde er noch bis 2015 – das sind “nur” fünf Jahre. Kein Alter für eine so teure HiFi-Komponente.

Umsetzung ist eine Gratwanderung für Sonos

Nun also will man die alte und die neue Generation auseinander ziehen. Wie das aussehen wird, ist offen. Ob du künftig also Multiroom-Signale parallel auf der Play:5 der ersten Generation und den neuen Sonos One nutzen kannst ist offen. Welche Features Sonos entwickeln will, die auf den alten Lautsprechern nicht mehr kommen werden – offen. Welche Kröten die Nutzer schlucken müssen und was weiterhin funktionieren wird – die Umsetzung wird zu einer Gratwanderung für Sonos.

Doch immerhin ist es der richtige Schritt, den Nutzern nicht das Messer an die Kehle zu setzen und die Updates samt Bugfixes für die oftmals mehrere tausend Euro kostenden Komplett-Anlagen einzufrieren, nur weil eine Komponente als veraltet gilt. Dass es für diese nicht bis in alle Unendlichkeit Feature-Updates geben kann ist indes nachvollziehbar. Jetzt ist es an Sonos, den Worten auch Taten folgen zu lassen und nicht noch mehr Kunden vor das Schienbein zu treten. Noch einmal darf Sonos seine langjährigen Kunden nicht verärgern.

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