Solarpflicht: Werden PV-Anlagen im Jahr 2023 unbezahlbar?

6 Minuten
Die Solarpflicht gilt als fester Bestandteil des Koalitionsvertrages. Für Gewerbe-Neubauten ist sie längst beschlossen, für private Neubauten soll sie der neue Standard sein. Doch der Vorstoß der erneuerbaren Energien hat eine Schattenseite: Schon 2023 könnten PV-Anlagen teurer denn je werden.
Solarpflicht - Werden PV-Anlagen 2023 unbezahlbar
Solarpflicht - Werden PV-Anlagen 2023 unbezahlbar?Bildquelle: Photo by Nuno Marques on Unsplash

Die Solarpflicht ist bereits seit Langem fester Bestandteil des Koalitionsvertrages der Bundesregierung. In einigen Bundesländern greift sie unabhängig von Entscheidungen auf Bundesebene schon heute durch unterschiedliche Ländergesetze, die in ihren Vorgaben variieren. Doch die Solarpflicht könnte dazu führen, dass die Preise für PV-Anlagen im Jahr 2023 in die Höhe schießen.

Solarpflicht: Mangelnde Angebot an PV-Anlagen kann Nachfrage nicht decken

Die Solarpflicht kommt in Deutschland nicht überraschend. Sie ist bereits seit Längerem ein fester Bestandteil des Ampel-Koalitionsvertrages. Für Gewerbe-Neubauten ist es längst verpflichtend, eine entsprechende Stromerzeugungs-Anlage einzuplanen. Auch für private Neubauten sollen PV-Anlagen nach Wunsch des Bundes die neue Regel werden. Bereits jetzt gilt in vielen Bundesländern unabhängig davon eine Solarpflicht, die vor allem eine Ergänzung von PV-Anlagen bei einer grundlegenden Sanierung des Daches bei Bestandsbauten vorsieht. Weitere Bundesländer planen entsprechend nachzuziehen. So viel Nützliches sich daraus für die Stromgenerierung in Deutschland ergeben kann, für die Preise von PV-Anlagen könnte sich diese Entwicklung nachteilig auswirken.

Gerade erst sind Mini-PV-Anlagen im Preis gefallen, da sich eine erste Erholung in den Lieferketten mit Fertigungsmaterialien aus China einstellte. Die Nachfrage in den Wintermonaten ließ sich daher decken, eine so große Nachfrage, wie sie sich aus der Solarpflicht ergeben könnte, kann der Markt jedoch wohl nicht bedienen. Aufgrund der Knappheit von PV-Anlagen sowie der Verpflichtung zur Installation der Module könnten die Preise für PV-Anlagen in diesem Jahr in die Höhe schießen. Am Ende dürfte es primär für den durchschnittlichen Haushalt schwierig werden, in neue PV-Anlagen zu investieren. Oder schlimmer noch: Mit ansteigendem Preis könnten die Modelle so teuer werden, dass sie sich für private Nutzer schlichtweg nicht mehr rentieren, bis Nachfrage und Preise erneut fallen. Die Solarpflicht könnte damit im schlechtesten Fall sogar ein Ausbremsen des Ausbaus erneuerbarer Energien in privaten Haushalten bewirken.

Mini-PV-Anlagen sind gerade erst im Preis gefallen. Das könnte sich 2023 ändern.
Mini-PV-Anlagen sind gerade erst im Preis gefallen. Das könnte sich 2023 ändern.

Dabei sind die Anlagen bisher noch günstig erhältlich. Bereits für wenige hundert Euro lässt sich derzeit eine kleine steckerfertige Mini-PV-Anlage mit einem passenden Wechselrichter zum Anschluss an der Hauselektronik finden. Mit dem kommenden Frühjahr und der Zunahme an Sonnenstunden am Tag könnte die Nachfrage bereits ansteigen und die Preisentwicklung der vergangenen Winter- und Herbstmonate umkehren.

Solarpflicht: In diesen Bundesländern gilt sie bereits seit 2022

Baden-Württemberg war das erste Bundesland, das eine umfassende Solarpflicht einführte. Sie gilt zwar bereits seit Langem für Nichtwohngebäude und griff ab dem 1. Januar 2022. Mittlerweile schließt sie ebenso Wohngebäude ein. Private Neubauten müssen seit dem 1. Mai 2022 verpflichtend PV-Anlagen auf Dächern installieren. Hausbesitzer, die nach dem 1. Januar 2023 eine grundlegende Dachsanierung vornehmen, sind ebenso zur Installation einer Anlage verpflichtet.

Nordrhein-Westfalen verfolgt einen anderen Ansatz. Hier sieht die Reform der Landesbauverordnung vor, dass geeignete Parkflächen für Autos seit dem Jahresbeginn 2022 mit PV-Anlagen ausgestattet werden. Passende Parkflächen mit mehr als 35 Stellplätzen müssen fortan überdacht sein und eine PV-Anlage aufweisen. Allerdings gilt diese Verordnung nur für Parkplätze, die zu Nichtwohngebäuden gehören.

Schleswig-Holstein verfügt seit dem 1. Januar 2022 über eine Neufassung seines Energiewende- und Klimaschutzgesetzes (EKGW). Es sieht vor, dass eine Installation auf allen geeigneten Dachflächen bei Neubauten von Nichtwohngebäuden geschehen muss. Auch hier greift eine Renovierungsklausel, bei der Hausbesitzer bei einer Sanierung von mehr als 10 Prozent der Dachfläche verpflichtet sind, eine PV-Anlage zu installieren. Ähnlich wie in Nordrhein-Westfalen gilt auch für Schleswig-Holstein eine Solarpflicht beim Neubau von größeren Parkflächen. Allerdings sieht das Landesgesetz hier eine Stellfläche von mindestens 100 Plätzen vor.

In diesen Bundesländern gelten neue Verpflichtungen seit 2023

In Berlin greift seit dem 1. Januar 2023 ein neues Solargesetz, das Eigentümer von privaten Neubauten sowie Bestandsbauten zur Installation von PV-Anlagen auf der Dachfläche verpflichtet. Bei Bestandsbauten gilt dies ähnlich wie in anderen Bundesländern vor allem bei einer grundlegenden Dachsanierung. Alternativ dürfen nach Angaben der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe auch eine PV-Anlage an der Gebäudefassade oder eine Solarthermieanlage installiert werden.

Auch in Niedersachsen gibt es eine Gesetzesänderung in der Landesbauverordnung, die mit der Verpflichtung der Installation von PV-Anlagen einhergeht. Künftig müssen Dächer von gewerblichen Immobilien wenigstens zur Hälfte mit PV-Anlagen bestückt werden. Dies gilt jedoch nur für Neubauten mit überwiegend gewerblicher Nutzung sowie einer Dachfläche von wenigstens 75 Quadratmetern. Für private Bauherren ändert sich vorerst wenig. Sie müssen lediglich dafür Sorge tragen, dass sich Solaranlagen künftig auf dem Dach nachrüsten lassen.

In Rheinland-Pfalz greift seit Anfang 2023 ebenso eine Solarpflicht. Sie schreibt vor, dass gewerbliche Neubauten mit PV-Anlagen ausgestattet werden müssen. Zusätzlich müssen neue Parkplätze mit Überdachung und mit 50 Stellplätzen oder mehr auch Solarmodule bekommen. Rund 60 Prozent der dabei geeigneten Dachflächen müssen mit den Stromerzeugern ausgestattet werden. Allerdings können Gebäudebesitzer zur Erfüllung der Bedingungen ebenso eine solarthermische Anlage statt einer PV-Anlage installieren.

In diesen Bundesländern gilt noch keine Solarpflicht

Keine Pläne für eine Form von Solarpflicht sind bisher in Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, dem Saarland, Sachsen-Anhalt oder Thüringen bekannt. In Bremen, Sachsen und Bayern gibt es bereits konkrete Pläne für eine Solarpflicht. So verabschiedete Bremens Bürgerschaft (Landtag) bereits 2022 ein Gesetz, das für alle Neubauten ab 2024 gelten soll. Auch Bestandsbauten fallen unter die neue Solarpflicht, sofern eine umfassende Dachsanierung durchgeführt wird. In Kraft getreten ist das Gesetz jedoch noch nicht. Der Entwurf wird noch von der zuständigen Bau- und Umweltbehörde ausgearbeitet.

In Sachsen fallen die Pläne für eine Solarpflicht bisher vage aus. Zwar entschied man bereits im Sommer 2021, dass eine Solarpflicht zu prüfen sei, bisher fehlt jedoch eine entsprechende Kabinettsvorlage. Allerdings wurde bereits durch Umweltminister Wolfram Günther angedeutet, dass Solardächer künftig Pflicht für öffentliche und gewerbliche Neubauten werden sollen. In Bayern greift bis heute keine Solarpflicht, obwohl Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bereits im Juli 2020 eine Solaroffensive ausrief. Diese sollte eigentlich bereits ab 2021 eine PV-Pflicht für gewerbliche Bauten festlegen, die sich später auf private Immobilien ausweiten sollte. Laut Angaben des Bayerischen Umweltministeriums gibt es zurzeit aber lediglich einen Entwurf für das neue Klimaschutzgesetz, das eine Pflicht für PV-Anlagen auf Dächern von staatlichen Gebäuden vorsieht. Es könnte somit noch einige Zeit vergehen, bis aus dem Entwurf eine Gesetzesvorlage wird, die man beschließt.

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3 KOMMENTARE

  1. Paul

    Gewebeneubauten 😅
    Besser nochmal Korrektur lesen lassen

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  2. Christoph Grimmer

    „Die Solarpflicht könnte damit im schlechtesten Fall sogar ein Ausbremsen des Ausbaus erneuerbarer Energien in privaten Haushalten bewirken.“
    Das ist doch eine Nebelkerze. Für die Energiewende ist es gleichgültig, von welchem Dach der Strom kommt. Und je mehr Strom durch Wind, Wasser und Sonne produziert wird, desto mehr werden die Preise für Strom fallen.

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    • Willi Willibald

      Wenn jeder eine PV-Anlage machen muss, steigt die Nachfrage und erhöhte Nachfrage erhöht auch den Preis.
      Allerdings werden sich das viele auch nicht leisten können und dann besteht die Gefahr, dass gar nix gemacht wird.
      Denke also, dass eine entsprechende Förderung zielführender wäre.
      Und schlussendlich werden sich (flächendeckende) PV-Anlagen nur durchsetzen, wenn sie sich auch finanziell rentieren, also mehr bringen/einsparen, in angemessener Zeit, als sie kosten.

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