So schlecht sind die LTE-Netze vor deiner Haustür

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Die Mobilfunkanbieter haben die Ausbauvorgaben für die LTE-Netze verfehlt – der eine mehr, der andere weniger. Erfahre, wie es in deinem Bundesland aussieht und wie sich O2 rechtfertigt.
LTE bis an die Grenze
Bildquelle: Telekom

16 Bundesländer, Autobahnen und Schienenwege bei drei Netzbetreibern – das macht 54 Werte, die zeigen, wie gut oder schlecht das Handynetz in deinem Bundesland ist. Dabei fällt vor allem eines auf: Außer in den Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg schafft es O2 als einziger Anbieter nicht die Ausbauziele im Entferntesten zu erreichen.

Im Gegenteil: In Ländern wie Rheinland-Pfalz oder Brandenburg erreicht O2 gerade einmal etwa 65 Prozent. Dabei geht es um die Haushalte, die LTE von O2 bekommen können, nicht um eine Flächenabdeckung. Im Klartext heißt das nichts anderes, als dass es außerhalb von Städten in diesen Ländern mehr als unwahrscheinlich ist, LTE-Empfang zu haben.

Versorgungsauflagen TelefónicaTelekomVodafone
Baden-Württemberg97%82,7%96,01% (97,8%)*97,7%
Bayern97%80,7%97,58%98,3%
Berlin97%100%99,96%100%
Brandenburg97%62,6%97,5%99%
Bremen97%99,9%99,99%100%
Hamburg97%100%99,99%100%
Hessen97%76,7%98,39%97,4%
Mecklenburg-Vorpommern97%72,9%97,52%99,3%
Niedersachsen97%85,9%98,6%99%
Nordrhein-Westfahlen97%94,3%99,82%99,4%
Rheinland-Pfalz97%65,4%96,48% (97,7%)*97%*
Saarland97%78,9%95,43% (99,1%)*97,9%
Sachsen97%80,9%98,12%99%
Sachsen-Anhalt97%80,6%98,49%98,7%
Schleswig-Holstein97%90,6%98,53%99,9%
Thüringen97%73,2%97%98,1%
Bundesweit98%84,3%98,1% (98,5%)*98,6%
Bundesautobahnen (BAB)100%77,9%97,6%96%**
Schiene100%80,3%96,4%95%***
* Zahlen in Klammern:
unter Berücksichtigung von Ausbauhindernissen an etlichen Standorten, die kurzfristig realisiert werden sollen
* zu Rheinland Pfalz:
unter Berücksichtigung von Ausbauhindernissen an 20 Standorten


** Zu BAB:
unter Berücksichtigung von Ausbauhindernissen an 60 Standorten

*** Zu Schiene:
unter Berücksichtigung von Ausbauhindernissen an 105 Standorten

Die Bundesnetzagentur hat bereits angekündigt, dass dieses krachendes Scheitern behördliche Sanktionen zur Folge haben könnte. Wie die aussehen, lies man zunächst offen. Klar ist aber: Jede Geldstrafe bedeutet auch weniger Geld für den Netzausbau des jeweiligen Anbieters.

So rechtfertigt sich O2

Unterdessen versucht O2 zu erklären, warum bei den Münchnern die Werte so schlecht sind. Man bedauere „dass wir die Versorgungsauflagen zum Jahresende unter Zugrundelegung der von der BNetzA für richtig erachteten Messpegel noch nicht voll erfüllen.“ Man werden aber mit unserem hohen Tempo weiterarbeiten und „die ehrgeizigen Ziele“ so schnell wie möglich vollumfänglich in 2020 erfüllen. O2 verweist auf das im Dezember vorgestellte Investitionspaket für den beschleunigten Netzausbau.

O2 kritisiert aber auch die Bundesnetzagentur. „Nach unserer Auffassung stellt sich die aktuelle Netzabdeckung auch wesentlich besser dar, als es die BNetzA jetzt veröffentlicht hat.“ Man habe ein unterschiedliches Verständnis der Versorgungsauflage 2015, teilte uns das Unternehmen mit. Doch was heißt das? Speziell betrifft das die Frage, welcher Empfangspegel- also wie viele Balken auf dem Smartphone einen LTE-Empfang anzeigen – für die Ermittlung der versorgten Flächen zugrunde zu legen ist. Diskussionen dazu laufen.

Letztlich verweist O2 auch auf den Umstand, dass man nach der Übernahme von E-Plus neben dem Ausbau auch noch zwei Mobilfunknetze zu einem zusammenlegen musste. „Es war das größte Projekt dieser Art, das es jemals in Europa gegeben hat. Dafür existierten keine Präzedenzfälle.“

Der Netzausbau bei O2 werde mit „hoher Schlagzahl“ weitergehen. „Parallel berücksichtigen wir in unserer Netzplanung die Auflagen aus dem Mobilfunkpakt mit Bundesminister Scheuer sowie die Auflagen aus der Frequenzauktion 2019. Wir versorgen deshalb beispielsweise bereits heute rund 60 Prozent der Bevölkerung mit 100 Mbit/s.“ Es sei das erklärte strategische Ziel, „das größte und modernste Netz in Deutschland mit einem erstklassigen Netzerlebnis für unsere Kunden zu bauen.“

Wie geht es nun weiter?

Die Bundesnetzagentur hat angekündigt, die von den Netzbetreibern gemeldeten Versorgungswerte zu überprüfen. Das erfolge durch Messungen. Bis die Ergebnisse vorliegen, wird es mehrere Wochen dauern. Ob und welche Strafen dann folgen, ist ungewiss. Letztlich verfehlt nicht nur O2 die Auflagen. Auch Telekom und Vodafone scheitern beim Versorgen von Autobahn und Schiene.

Dass gerade das O2-Netz dem Netzausbau von Telekom und Vodafone immer noch hinterherhinkt, war klar. Dass es aber trotz des massiven Ausbaus in 2019 immer noch Bundesländer wie Brandenburg und Rheinland-Pfalz mit unter 60 Prozent Bevölkerungsabdeckung gibt, ist erschreckend. 

Die Begründungen von O2 sind durchaus nachzuvollziehen. Gleichzeitig muss sich das Unternehmen aber auch den Vorwurf gefallen lassen, dass man sowohl bei der Ersteigerung der Lizenzen als auch bei der Übernahme von E-Plus wusste, was auf das Unternehmen zukommt. Nun, Jahre später zu sagen "Wir haben es nicht" gewusst, kann keine Entschuldigung sein. Branchenbeobachter weisen seit Jahren darauf hin, dass O2 drohte, die Lizenzauflagen zu verfehlen. 

Nun steht das Scheitern fest und es ist an der Bundesnetzagentur, das zu sanktionieren. Das muss mit Augenmaß geschehen. Denn Geldstrafen alleine sind auch nicht zielführend.

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3 KOMMENTARE

  1. Seltsam: Überall, wo ich in der BRD war (und ich komme viel und weit herum), hatte ich für Smartphone, Tablet und MacBook ausreichende Konnektivität… – über bereitgestelltes WLAN oder direkt über SIM-Karten diverser Anbieter.
    Mich hat es nie gejuckt, won wem ich gerade bedient wurde. – Hauptsache: Ich erhielt, was ich wollte, weil ich es just brauchte.
    Also mache ich mich jetzt auf die Suche nach einem Scheitern.
    Vielleicht gelingt’s?

    • Sobald man sich auf einer Landstraße, zwischen Ortschaften mit weniger als 10000 Einwohnern befindet, ist der Empfang weg.
      Der im Artikel beschriebene Zustand, ist aus meiner Alltagserfahrung zu bestätigen.

  2. Strafzahlungen sind unnötig, man muss die Anbieter nur zur Freischaltung des Roaming zwingen. Sofort hat man die Netzabdeckung des besten Anbieters überall.

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