Clever aber nicht ganz fair: So gibt's das Elektroauto kostenlos

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Ein Elektroauto neu kaufen und nach sechs Monaten wieder verkaufen. Das kann sich finanziell richtig lohnen. Denn wer sich clever anstellt, kann so aktuell sogar noch einen Gewinn mitnehmen. Und das ist nicht mal illegal.
Audi e-tron 55 quattro an einer Ladestation
E-Auto neu kaufen und als junger Gebrauchter ins Ausland verkaufen. Das kann sich lohnen.Bildquelle: Audi

Ein Elektroauto zu fahren ist längst kein Hexenwerk mehr. Nicht nur deutsche Hersteller stellen immer mehr elektrifizierte Pkw zur Verfügung. Auch aus Asien schwappen zunehmend E-Autos auf den deutschen Markt. In der Regel liegen die Listenpreise der modernen Flitzer noch über denen von klassischen Verbrennern. Aber längst nicht mehr so viel wie noch vor einigen Monaten. Denn Dank Innovationsprämie, auch bekannt als Umweltbonus, kannst du den Kaufpreis deines E-Autos um bis zu 9.000 Euro plus Mehrwertsteuer drücken. Und an dieser Stelle haben findige Autokäufer eine Gesetzeslücke gefunden, um der E-Mobilität abseits von etwaigen Ladekosten quasi kostenlos zu frönen. Das berichtet die „Auto Bild“.

So fährst du ein nagelneues Elektroauto quasi kostenlos

Die Masche ist in wenigen Worten erklärt. E-Auto mit Umweltbonus kaufen, Prämie von bis zu 9.570 Euro einstreichen und das Auto nach sechs Monaten schnell wieder verkaufen. Wer sich clever anstellt, könne auf diese Weise sogar noch einen Gewinn einstreichen, schreibt die „Auto Bild“ unter Berufung auf einen Tesla-Aufkäufer und Nutzerberichte in einschlägigen Internetforen weiter. Denn: Um den Umweltbonus zu kassieren, muss ein Elektroauto nur mindestens sechs Monate auf den ersten Halter zugelassen sein. Offenbar kurz genug, um aus dem Verkauf eines neu gekauften Elektroautos nach einem halben Jahr noch Profit zu schlagen.

Für die Aufkäufer wiederum funktioniert das Geschäftsmodell durch einen Export der jungen gebrauchten E-Autos ins Ausland. Beispielsweise nach Skandinavien. Denn laut Bericht bringt der Verkauf eines Elektroautos etwa nach Dänemark mehr Geld ein als der Wiederverkauf an einen deutschen Kunden. Ein Gebrauchtwagenhändler rechnete der „Auto Bild“ vor: Ein gebrauchtes Tesla Model 3 (Erstzulassung 2020, 6.000 Kilometer gelaufen) ließe sich in Dänemark für 57.750 Euro anbieten. Hierzulande kostet es nagelneu nach Förderung 54.670 Euro.

Dem Vernehmen nach mischen auch viele Autohäuser im Ausland mit. Sie kaufen gebrauchte E-Autos zu Preisen auf, die für die Fahrer der Fast-Neuwagen ziemlich attraktiv sind. Und das nicht nur bei Tesla-Fahrzeugen, sondern auch bei Modellen anderer Hersteller. Auch ein gebrauchtes Elektroauto im Klein- und Kompaktwagen-Segment lässt sich offenbar unter bestimmten Voraussetzungen zu attraktiven Konditionen verkaufen. Un auch hier liegt der Verkauf nach Skandinavien weit vorne.

Reagiert der deutsche Staat?

Nachdem der Elektroauto-Trick nun bekannt geworden ist, ist es denkbar, dass der Gesetzgeber zeitnah nachbessert. Würde der Umweltbonus beispielsweise erst bei einer Mindesthaltedauer von zwölf Monaten ausgezahlt, dürfte das Geschäft mit dem schnellen Verkauf eines E-Autos für Käufer rasch unlukrativ werden.

Und was sagen die Behörden? Offiziell wissen sie nichts vom zwar cleveren, aber aus Sicht der Steuerzahler nicht ganz fairen Ausnutzen des Umweltbonus. Der „Auto Bild“ schrieb das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA): „Dem BAFA liegen keine Informationen dazu vor, dass mit dem Umweltbonus geförderte, in Deutschland erworbene und zugelassene Fahrzeuge massiv ins Ausland verkauft würden.“ Eine Verlängerung der bestehenden Mindesthaltedauer von geförderten Autos wolle man aber gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium sorgfältig prüfen.

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3 KOMMENTARE

  1. Maskenaffäre, Betrug mit Testcentern, Anna-Lena Baerbocks verschwiegene Corona-Bonus, jetzt dieser Umweltbonus – mittlerweile habe ich das Gefühl, dass ich der einzige (Dumme) bin, der den deutschen Staat nicht ausnimmt. Über die steigenden Verbraucherpreise, Benzin, Strom und höhere Steuerforderungen braucht man sich doch nicht wundern – irgendwoher muss die Kohle auch wieder reinkommen. Von den Dummen.

  2. Sie beraten sich…..sie prüfen….sorgfältig….bilden sicherlich eine Expertenrunde….beraten….wägen ab….Erstellen eine Anpassungsvorlage….usw…usw…usw….ich mach da jetzt auch mit damit ich mich nicht total dumm fühle….Danke an unsere Berufspolitiker….in jedem Wirtschaftsunternehmen würden sie längst auf Jobsuche sein….

  3. Der deutsche Staat profitiert doch am allermeisten von den zusätzlichen Verkäufen. Bei einem Tesla Model 3, sicher das Fahrzeug das am öftesten nach Skandinavien exportiert wird, bekommt der deutsche Staat ganze 29% Steuern. 10% Einfuhrsteuer und 19% Mehrwertsteuer. Das ist erheblich mehr als die 6.000€ staatliche Förderung. Der deutsche Staat wäre also dumm, wenn er das Modell durch eine Verlängerung der Haltedauer ausbremsen würde.

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