Schnelles Internet: So deutlich liegt die Telekom beim Gigabit zurück

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Lange Zeit waren Glasfaser-Anschlüsse bei der Telekom so etwa wie das ungeliebte Kind. Man wollte nicht wirklich darüber reden und bezeichnete kurzerhand VDSL-Leitungen als Glasfaseranschlüsse. Jetzt aber gibt die Telekom Gas beim Glasfaser-Ausbau. - und ist dennoch abgeschlagen.
Ein Bauhelm und Glasfaser-Speedpipes liegen auf einem Tisch
Bildquelle: Thorsten Neuhetzki / inside handy

Wie die Gigabit-Marktstudie des VATM jetzt ergeben hat, können Mitte des Jahres voraussichtlich 29,3 Millionen gigabitfähige Leitungen geschaltet werden. Das sind 26,16 Millionen Haushalte. Eine Schnittmenge von 3,1 Millionen hat mit Glasfaser und Kabel DOCSIS 3.1 gleich zwei gigabitfähige Leitungen. Dieser Doppelversorgungsquote ist binnen eines halben Jahres um 9,3 Prozent gestiegen. Gleichzeitig ist aber die Anzahl jener Haushalte, die eine Glasfaserleitung mindestens bis ins Gebäude gelegt bekommen haben, um mehr als 15 Prozent gestiegen. Dennoch ist die absolute Zahl dieser Anschlüsse immer noch bei unter 6 Millionen. Und: Nur 2,2 Millionen dieser Anschlüsse wird auch tatsächlich genutzt.

Großteil der Glasfaseranschüsse kommt von Telekom-Wettbewerbern

Rund 3,7 Millionen der möglichen Glasfaseranschlüsse stammen von den Wettbewerbern. Damit entfallen von den verfügbaren FTTB/H-Anschlüssen fast zwei Drittel auf die Wettbewerber und gut ein Drittel auf die Telekom. Sie schaffte es, binnen eines halben Jahres etwa 400.000 weitere Haushalte ans Glasfasernetz anzuschließen. Auffällig dabei: Sieben von zehn Endkunden buchen einen solchen Anschluss bei den alternativen Anbietern. Während die Wettbewerbsunternehmen bei den echten Glasfaseranschlüssen eine Take-up-Rate von knapp 40 Prozent erreichen, liegt diese bei der Telekom bei unter 30 Prozent. Das dürfte auch daran liegen, dass viele Wettbewerber in Regionen ausbauen, in denen es bisher kaum schnelles Internet gab. Außerdem bauen einige Firmen erst dann ihr Netz auf, wenn sie in der Vorvermarktung eine Quote von 40 Prozent erreicht haben.

 „Nachdem die Telekom die durch die Physik gesetzten Grenzen der eigenen VDSL-Technik nicht mehr als Begrenzung für die eigenen Endkundenangebote hinnehmen will und der Druck durch den Wettbewerb gewachsen ist, setzt sie nun endlich deutlich auf den Bau von FTTB/H. Durch diese Intensivierung des Wettbewerbs wird sich der Ausbau insgesamt beschleunigen“, ist das Ergebnis von Professor Torsten J. Gerpott. Er hat die Studie für den VATM maßgeblich mit erstellt, gilt als ausgewiesener Experte im Bereich der Telekommunikation und ist Inhaber des Lehrstuhls für TK-Wissenschaft an der Uni Duisburg. Dass die Telekom bisher beim Gigabit-Anschluss nicht wirklich mithalten kann, zeigt sich auch bei einer weiteren Betrachtung: 92 Prozent der gigabitfähigen Anschlüsse kommen von anderen Anbietern.

Gigabit für (fast) alle bis 2030

Der VATM als Verband von Wettbewerbern der Telekom ist aber nicht auf Konfrontationskurs zur Telekom. Man könne den Ausbau aber nur gemeinsam stemmen, unterstrich VATM-Präsident David Zimmer bei der Vorstellung der Studie. „Dabei muss die Telekom aber unbedingt fair spielen und die Regeln einhalten. Sie darf nicht auf strategische Marktverdrängung setzen“, betont er.

Der Ausbau mit Gigabit-Anschlüssen werde in den nächsten Jahren schnell vorangehen, ist sich Gerpott aber auch der VATM sicher. Gegen Ende des Jahres werde man bei zwei Dritteln der Haushalte liegen. Davon seien bis zu 6,9 Millionen Anschlüsse auf Glasfaser basiert. Bis zum Ende des Jahrzehnts geht VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner davon aus, dass man nahezu alle Haushalte per Gigabit erreichen könne – dann inklusive weiter aufgerüsteter Kabelnetze. Allerdings: Eine absolut hundertprozentige Abdeckung per Kabel oder Glasfaser hält er für unwahrscheinlich. Hier seien Satellitenlösungen aber ein Weg zum schnellen Internet. Für viele Haushalte gelte das übergangsweise auch schon heute. Über Systeme wie Starlink sind auch heute schon Anschlüsse mit 100 Mbit/s und guter Latenz möglich.

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