Roaming in Großbritannien extrem: Die horrenden Preise sind zurück

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Du machst gerne Urlaub in England? Du reist häufiger geschäftlich nach Großbritannien? Dann haben wir keine guten Nachrichten für dich. Denn die horrenden Kosten für Roaming mit dem Handy kehren zurück. Der erste Netzbetreiber ist jetzt vorgeprescht.
Frau mit Smartphone auf Glastonbury Festival.
Schnell mal eben vom Glastonbury Festival nach Deutschland telefonieren? Das könnte bald richtig teuer werden.Bildquelle: EE Limited

Wer in der Europäischen Union (EU) Urlaub macht oder sich auf einer geschäftlichen Reise befindet, kann sich hinsichtlich der mobilen Kommunikation entspannt zurücklehnen. Das „Roam like at home“-Prinzip sorgt dafür, dass deutsche Handyverträge im EU-Ausland zu den gleichen Konditionen wie in der Heimat nutzbar sind. Die Sprach- und SMS-Flatrates haben im europäischen Ausland dank EU-Roaming gleichermaßen Gültigkeit wie – und das ist für die meisten Nutzer besonders wichtig – die mobilen Internet-Flatrates. Es wird aber wohl nicht mehr allzu lange dauern, bis es zu einer gravierenden Änderung kommt. Und zwar bei Reisen nach Großbritannien.

A1 prescht vor: EU-Roaming in Großbritannien ist Geschichte

Denn nach dem britischen EU-Ausstieg („Brexit“), laufen im Hintergrund bei vielen Mobilfunk-Providern offenbar schon die Vorbereitungen dafür, das EU-Roaming in Großbritannien demnächst auslaufen zu lassen. Ein namhafter europäischer Anbieter ist sogar schon vorgeprescht. A1 in Österreich. Die Marke der Telekom Austria berechnet ihren Kunden seit dem 1. Juni wieder Extra-Gebühren, sobald das Smartphone in Großbritannien zum Einsatz kommt. Und diese Gebühren fallen zum Teil überraschend hoch aus. Ein Stück weit fühlt man sich als Kunde wahrscheinlich in die Steinzeit zurückversetzt, wenn man sich die neu gültigen Konditionen genauer ansieht.

Eine neue Roaming-Preisliste auf der Homepage von A1 offenbart, dass Großbritannien seit dem 1. Juni nicht mehr zur Länderzone 1 (EU), sondern zur Länderzone 2 gehört. Und das hat Folgen: Abgehende Gespräche kosten fortan stolze 2,49 Euro pro Minute, für ankommende Gespräche sind 1,49 Euro pro Minute zu zahlen. Wer mit dem A1-Handy eine SMS verschicken möchte, muss dafür in Großbritannien 99 Cent zahlen. Und auch die Nutzung des mobilen Internet ist richtig teuer. Für diese Dienstleistung im Roaming-Verfahren müssen A1-Kunden in England neuerdings 1,49 Euro bezahlen. Und das nicht einmal pro Megabyte, sondern pro angefangener 100 Kilobyte. Je übertragenem Megabyte (1.024 Kilobyte) sind bei einem Aufenthalt in Großbritannien demnach 16,39 Euro (!) zu bezahlen. Heftig! Da lohnt es sich, sämtliche mobile Datenverbindungen lieber auszuschalten. Die gleichen Konditionen gelten übrigens auch, wenn sich A1-Kunden in Gibraltar aufhalten.

Wie reagieren die deutschen Mobilfunker?

Natürlich stellt sich in diesem Zusammenhang schnell die Frage, wie auf den Vorstoß von A1 die deutschen Mobilfunk-Netzbetreiber und -Provider reagieren. Und Aussagen dazu zu erhalten, gestaltet sich als gar nicht so einfach. Die Deutsche Telekom ließ auf Anfrage unserer Redaktion wissen: „Telekom Kunden nutzen in Großbritannien auch weiterhin die Konditionen ihres Inlandstarifs. Das gilt auch für Gibraltar.“ Offen ist aber, wie lange diese Regelung noch gilt.

Ein Vodafone-Sprecher erklärte gegenüber unserer Redaktion: „Wir haben gültige Roaming-Verträge mit den britischen Netzbetreibern und keine Hinweise, dass diese von britischer Seite gekündigt werden. Von unserer Seite sind derzeit keine Tarif-Änderungen geplant. Wir schauen uns aber natürlich zu allen Themen und zu jeder Zeit den Markt genau an.“ Auch das lässt natürlich reichlich Raum für Spekulationen. Ein Sprecher von Telefónica teilte mit, dass man sich bei O2 dazu entschieden habe, „aktuell keine Preiserhöhung für Kunden durchzuführen“. Bis zum Ende des laufenden Jahres werde Großbritannien daher nach EU-Konditionen abgerechnet. Rechtzeitig vor dem 31. Dezember 2021 werde man sich zu dem weiteren Vorgehen ab 2022 äußern.

Aus dem Umfeld eines deutschen Mobilfunkers erfuhr inside digital zudem, dass man vom kurzfristig durch A1 vollzogenen Roaming-Schachzug durchaus überrascht worden sei. „Wenn ein solches Schwergewicht wie A1 vorprescht, kann das ziemlich schnell ein Auslöser für die ganze Branche sein“, sagte ein Mobilfunk-Manager gegenüber unserer Redaktion, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Hohe Roaming-Kosten in Großbritannien dürften schon bald überall zur Regel werden

Bei 1&1, derzeit in Begriff ein eigenes 5G-Netz in Deutschland aufzubauen, zeigte man sich auf Anfrage ebenfalls überrascht. Ein Sprecher sagte im Gespräch mit inside digital, dass Großbritannien zwar zum 1. Januar 2021 offiziell aus der EU ausgetreten sei, bei 1&1 übergangsweise aber weiterhin EU-Roaming in Großbritannien nutzbar sei. „Diese Übergangsregelung wird zunächst befristet bis 30. Juni 2021 aufrechterhalten. Eine Verlängerung des Übergangszeitraums ist möglich. Dies hängt unter anderem von Vereinbarungen der EU mit Großbritannien und Gesprächen mit unseren Partnern ab“, so der 1&1-Sprecher weiter.

So oder so wolle 1&1 seine Kunden über tatsächlich in Kraft tretende Änderungen – zum 1. Juli oder später – rechtzeitig informieren. Ähnlich werden es wohl auch die anderen deutschen Mobilfunker handhaben. Unter der Hand ist es in der Branche aber ein offenes Geheimnis, dass nicht mehr darüber beratschlagt wird, ob Roaming-Gebühren in Großbritannien wieder eingeführt werden, sondern nur noch wann. Denn eines darf man nicht vergessen: Mit Roaming lässt sich mitunter auch Geld verdienen. Und diese Einnahmequelle will sich wohl niemand vom Brot nehmen lassen. Sehr zu Leiden der Kunden.

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