Projekt Broadband: Deutsche Bahn will deutschlandweites Glasfasernetz errichten

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In Berlin wird hinter verschlossenen Türen über ein ehrgeiziges Breitband-Projekt gesprochen, das unter anderem dem Mobilfunk in Deutschland einen kräftigen Schub geben könnte. Der Bund stellt der Bahn 3,5 Milliarden Euro für den Glasfaserausbau entlang des Schienennetzes zur Verfügung. Die DB gestattet im Gegenzug Telekom, Vodafone und Telefónica (O2) die Nutzung dieses Glasfasernetzes - zum Beispiel für den Aufbau von 5G-Netzen. Klingt positiv, doch es gibt auch Stimmen, die dieses Projekt kritisch hinterfragen.
Deutsche Bahn Digitalisierung
Bildquelle: Deutsche Bahn

Nachdem vor rund einem Monat bekannt wurde, dass die Deutsche Bahn darüber nachdenkt, ihr Glasfasernetz für 5G-Anwendungen zu öffnen, wurde es in den vergangenen Wochen wieder still um dieses Projekt. Jetzt kehrt das Thema aber schlagartig in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zurück. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, will die Bahn ihr Breitbandnetz kräftig ausbauen. Das soll helfen, schnelles Internet auch in ländliche Regionen zu bringen. Den Breitband-Ausbau gibt es aber nur, wenn die deutsche Regierung Millionen bereitstellt.

Projekt Broadband – Schnelles Internet für ganz Deutschland

Das „Projekt Broadband“ werde derzeit im politischen Berlin heiß diskutiert, berichtet das „Handelsblatt“ – allerdings nur hinter verschlossenen Türen. Sollten der DB 3,5 Milliarden Euro bereitgestellt werden, könnte schnell und flächendeckend das Bahn-Breitbandnetz in Deutschland entstehen. Auf einer Länge von 33.000 Kilometern wolle die Bahn ihr Schienennetz in den kommenden Jahren mit Glasfaserkabeln ausstatten, um anschließend unter anderem Telekom, Vodafone und O2 Zugriff auf dieses Netz zu gestatten.

Vorteil der Bahn: Sie kann bereits vorhandene Schächte für den Ausbau nutzen. Und auf einer Länge von 18.000 Kilometern sind die Glasfaserkabel sogar schon vorhanden. Somit stehen noch ungefähr 15.000 Kilometern Glasfaserkabel aus. Zusätzlich wären die Mobilfunknetzbetreiber gefragt, entlang der Schienen weitere Mobilfunk-Basisstationen zu errichten und an das Glasfasernetz anzuschließen. Für CDU und SPD ist der Vorstoß der Bahn durchaus reizvoll. Denn die Bahn könnte dabei helfen, dem Ziel, ein flächendeckendes Breitbandnetz in Deutschland zu errichten, deutlich näher kommen. Schneller als bisher geplant zumindest.

Hohe Kosten, aber investieren muss der Bund sowieso

Ob die Pläne der Bahn umsetzbar sind, ist gegenwärtig noch unklar. Weder die Bahn noch die beteiligten Ministerien wollten sich auf Anfrage des „Handelsblatt“ näher äußern. Sicher ist aber, dass der Bund die bereits verabredete Digitalisierung der Schiene ohnehin bezahlen muss. Die Kosten belaufen sich inklusive der Aufrüstung von Fahrzeugen bis zum Jahr 2033 auf etwa 35 Millionen Euro. Das geht aus einem einem Gutachten der Unternehmensberatung McKinsey hervor, schreibt die Wirtschaftszeitung weiter.

Was für die einen vielversprechend klingt, stößt bei anderen auf Vorbehalte. Ein namentlich nicht genannter Regierungsbeamter sagte dem „Handelsblatt“, dass Bahnchef Richard Lutz zwar damit werbe, dass in Deutschland fast jeder Ort dicht an einer Bahnschiene liege und versorgt werden könne. Aber die grauen Kästen der Telekom am Straßenrand seien im Zweifel noch näher. Auch deswegen denkt man in Berlin über eine Alternative nach. Statt nur der Bahn Geld zu geben, stehe auch ein Konsortium unter der Führung der Bahn im Raum. Das aber wäre wohl mit deutlich mehr benötigter Zeit verbunden.

Glasfaser-Ausbau der Bahn für Mobilfunk in der Fläche

Rüdiger Kruse, Unionsberichterstatter für den Verkehrsetat, sieht das Breitband-Projekt der Deutschen Bahn grundsätzlich als wegweisend: „Mit dem Glasfaserausbau würde die Bahn die Digitalisierung vorantreiben.“ Obendrein könne die Infrastruktur für die Versorgung mit Mobilfunk in der Fläche genutzt werden.

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2 KOMMENTARE

  1. aber rechnen kann der Hayo nicht:
    „…Digitalisierung der Schiene ohnehin bezahlen muss. Die Kosten belaufen sich inklusive der Aufrüstung von Fahrzeugen bis zum Jahr 2033 auf etwa 35 Millionen Euro.“ – 2 Mio pro Jahr? Mal um das 1000-fache verschätzt?

    • Ich habe ja nicht geschrieben, dass 35 Millionen Euro den 3,5 Millionen 1:1 entsprechen, sondern, dass der Bund ohnehin in die Digitalisierung der Bahn investieren muss – unabhängig von der Höhe des Betrages.

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