Polizei plant offenbar eigenes LTE-Netz auf alten C-Netz-Frequenzen

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Eigentlich war der Plan, dass Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste künftig die 5G-Netze der Netzbetreiber für ihre sichere und garantierte Kommunikation nutzen. Doch nun scheint man andere Pläne zu haben. Es soll offenbar ein eigenes Polizeifunk-LTE-Netz geben – auf den alten C-Netz-Frequenzen.
Ein Funkgerät der Polizei am Gürtel eines Polizisten
Bildquelle: Pixabay

Das C-Netz war auf Frequenzen zum 450 MHz aktiv. Nach der Abschaltung des Netzes Ende des Jahres 2000 wurden die Frequenzen für andere Zwecke genutzt. Zwischenzeitlich wurde das WLAN im ICE der Bahn darüber versorgt, heute nutzt unter anderem die Firma Alliander diese Frequenzen für die Energiewirtschaft.

Wie die Wirtschaftswoche berichtet, hat die Bundesanstalt für den Digitalfunk der Behörden und Organisation mit Sicherheitsaufgaben – kurz BDBOS – nun Bedarf an diesen Frequenzen angemeldet. Die BDBOS ist zuständig für den Betrieb von sicherheitsrelevanter Telekommunikations-Infrastruktur und betreibt bereits ein Sprechfunk-Netz für Polizei, Zoll, Katastrophenschutz und andere sicherheitsrelevante Einrichtungen. Multimedia-Anwendungen, wie sie künftig aber auch sicherheitsrelevante Institutionen benötigen werden, sind über dieses Netz nicht möglich. Dafür greifen die Polizisten heute oft auf ihre privaten Smartphones zurück.

Frequenzzuteilungen laufen Ende 2020 aus

Gegenüber der WiWo bestätigte die Leiterin des Netzbetriebs bei der BDBOS, dass man sich zusammen mit dem zuständigen Bundesinnenministerium „mit Nachdruck“ dafür einsetze, ein ausreichendes, gemeinsam mit der Bundeswehr nutzbares Spektrum im 450-MHz-Bereich zu bekommen. Das ist insofern theoretisch möglich, als dass die derzeitigen Zuteilungen Ende 2020 auslaufen und die Frequenzen neu vergeben werden können.

Bei der Energiewirtschaft hingegen zeigt man sich laut WiWo schockiert darüber. Die Stromnetzbetreiber nutzen die Frequenzen demnach, um ihre Stromnetze zu steuern und im Notfall Kommunikationskanäle zu haben. Und auch bei den Mobilfunk-Anbietern dürfte man nicht erfreut sein über diese Nachrichten. Den eigentlich war vorgesehen, dass die Netzbetreiber in ihren kommenden 5G-Netzen einen sogenannten Network-Slice für die sicherheitsrelevanten Dienste einrichten. Ein wichtiger Kunde könnte den Netzbetreibern also verloren gehen, wenn die Polizei ihr eigenes Netz aufbaut.

Großes Interesse von unterschiedlichen Seiten an den Frequenzen

Die Bundesnetzagentur selbst sagt, dass ihre Bedarfsabfrage Anfang 2018 „widerstreitende Interessen unterschiedlicher Nutzergruppen“ an sie herangetragen wurden. Nach Vorstellung der Bundesnetzagentur sollen nun erst einmal die zuständigen Ministerien untereinander eine Einigung herbeiführen. Das Problem: Der Kuchen, den es im Bereich der 450-MHz-Frequenzen zu verteilen gibt, ist enorm Klein. Es geht um gerade einmal 5 MHz Bandbreite.

Die Frequenzen um 450 Megahertz haben zwei enorme Vorteile gegenüber den von den Mobilfunkern heute eingesetzten Mobilfunkfrequenzen. Zum einen reichen relativ wenige Sendemasten aus um eine vergleichsweise große Fläche abzudecken. Zum anderen können die Frequenzen auch Mauern gut durchdringen und so für Netz in Gebäuden und Kellern sorgen.

Quellen:

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  • Ein Funkgerät der Polizei: Pixabay
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Thorsten Neuhetzki
Thorsten liebt Technik und ist seit 2018 als Redakteur an Bord. Als "alter Hase" in der Branche schreibt Thorsten am liebsten über alles, was mit Breitband, Netzen und Tarifen zu tun hat. Dabei spielt es keine Rolle, ob es um Super Vectoring, DOCSIS 3.1 oder 5G geht - schnelles Internet ist für Thorsten und seine Berichterstattung das A und O. Abseits des Newsdesks ist Thorsten mit großer Begeisterung auf seinem Tourenrad unterwegs. Vor allem Schweden hat es dem in Berlin wohnhaften Ostwestfalen angetan.

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1 KOMMENTAR

  1. Ja das war mir klar das TETRA so nicht Funktioniert reine Steuerverschwendung
    und Frequenz hin und Herr > es ist ein neues Netz Weltweit in Planung der Test
    läuft schon > Drohnen in 13 km höhe im Umkreis von 20 km bringt Internet
    GSM 5G Funk und ++ Frequenzen werden schon geplant > noch nicht bekannt
    sind die Betreiber ( PS: aus Amerika)

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