Digitaler Angriff auf Bankkunden: 3 Banken betroffen

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Das Gefährliche an Phishing ist, dass man nie voraussagen kann, in welche Verkleidung der schädliche Link verpackt wird. Mal ist es eine PayPal-Mail, mal eine der zahlreichen Banken. Wir verraten, welche Phishing-Mails seit der 19. Kalenderwoche im Umlauf sind.
Die Postbank-Zentrale im Hintergrund, vorne ein Werbeschild mit dem Logo der Bank
Die Zentrale der Postbank in BonnBildquelle: Postbank

„Einfach aufpassen“ lässt sich leicht sagen. Doch, ob man im Eifer des Gefechts und angesichts eines vollen Postfachs stets die Zeit findet, sich jede einzelne E-Mail genau anzusehen, ist mehr als fraglich. Kein Wunder also, dass die Phishing-Masche auch heute noch hervorragend funktioniert und nach wie vor täglich unzählige Opfer fordert. Grundsätzlich gibt es jedoch nur zwei alternative Vorgehensweisen: Einerseits bieten die meisten Online-Dienstleister mittlerweile die sogenannte Zwei-Faktor-Authentifizierung an (mehr dazu unten) und andererseits ist die Gefahr deutlich geringer, wenn man schon vorab weiß, auf welche E-Mails man achten sollte. Und genau das erfährst du hier.

Phishing-Mails seit dem 09. Mai

Die Verbraucherzentrale NRW listet im Rahmen ihres Phishing-Radars kontinuierlich die neuesten Phishing-Mails auf. Selbstverständlich ist die Liste nicht erschöpfend; auch andere Mails sind im Umlauf. Sie zeigt allerdings, bei welchen E-Mails man als Nutzer derzeit auf jeden Fall ein Auge offen halten sollte.

In dieser Woche gehören dazu die folgenden Unternehmen:

Details zur aktuellen Phishing-Situation

ING

Aktuell mehren sich wieder Phishing-Angriffe; insbesondere solche, auf Bankkunden. Unter Beschuss stehen ING, Postbank und Sparkasse. Wobei sich letztere nahezu kontinuierlich im Fokus von Cyberkriminellen befindet.

ING-Kunden wird derzeit vorgegaukelt, das iTAN-Verfahren sei aus Sicherheitsgründen deaktiviert worden. Um dieses wieder zu reaktivieren, müsse man den Anweisungen der Betrüger folgen. Wie immer gilt: Anmeldedaten sollten möglichst nicht über einen unbekannten Link in einer E-Mail eingetragen werden. Zudem fehlt die direkte Kundenansprache – und das ist stets das erste und wohl auch wichtigste Indiz darauf, dass es sich bei der vorliegenden E-Mail um eine Phishing-Mail handelt.

Postbank

Auch in der angeblichen Postbank-Mail fehlt eine direkte Kundenansprache. Die Betrüger haben sich nicht einmal die Mühe gemacht, einen ordentlichen Grund auszudenken, der die Opfer zum Klick auf den hinterlegten Link animieren soll. Stattdessen heißt es in der E-Mail lediglich, der Empfänger habe seine persönlichen Daten bis heute nicht bestätigt. Zudem wirkt die Nachricht so, als stamme sie aus der Feder des Google Übersetzers.

Sparkasse

Bei der neuesten Sparkassen-Masche haben sich die verantwortlichen Cyberkriminellen etwas Neues einfallen lassen. Anstelle von „verdächtigen Aktivitäten“ locken die Betrüger nun mit einer Änderung der Geschäftsbedingungen, die das Opfer bestätigen soll. Die Mails sind wie immer sowohl optisch als auch inhaltlich auf einem hohen Niveau. Solltest du dir daher unsicher sein, ob es sich bei der Mail tatsächlich um eine Nachricht der Bank handelt, empfiehlt es sich, Kontakt mit Mitarbeitern der Sparkasse aufzunehmen. Dazu dürfen allerdings auf keinen Fall Kontaktangaben aus den Mails verwendet werden.

Solltest du eine SMS von der Sparkasse erhalten haben, ist ebenfalls Vorsicht geboten. Denn auch dieser Übertragungskanal wird aktuell missbraucht. Nähere Details verrät unser Artikel.

PayPal

Auch PayPal-Nutzer müssen derzeit aufpassen – insbesondere dann, wenn ihr Konto unerwartet eingeschränkt wurde. Es wird eine Bestätigung benötigt, damit das Konto wieder reaktiviert werden kann. Der dazugehörige Überprüfungsprozess soll dabei ganze 48 Stunden dauern. Eine deutlich kürzere Alternative wäre es, sich direkt in dem eigenen PayPal-Konto anzumelden und zu prüfen, ob dieses tatsächlich eingeschränkt wurde. Auf diese Weise kannst du dir viel Zeit sparen – und möglicherweise sogar bares, digitales Geld.

Phishing 2022 – Bisherige Fälle

Die Liste an Phishing-Versuchen in Deutschland wird immer länger. Klar zu erkennen ist, dass es vorwiegend große Unternehmen betrifft. Sie haben viele Kunden und damit viele potenzielle Opfer von Phishing. Diese Liste zeigt, welche Unternehmen im Jahr 2022 schon von Phishing-Betrügern genutzt wurden, um deine Daten oder dein Geld zu stehlen:

  • 1&1
  • Advanzia Bank
  • Amazon
  • BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht)
  • Barclays
  • Bitcoin-Erpressungen
  • Commerzbank
  • Deutsche Bank
  • Deutsche Kreditbank (DKB)
  • DHL
  • DKB
  • Ionos
  • ING
  • Landesbank Berlin (LBB)
  • PayPal
  • Postbank
  • SMS (Voicemail)
  • Sparkasse
  • Telekom
  • Volks- und Raiffeisenbanken
  • WEB.DE
  • WhatsApp
  • Zollamt

Was ist Phishing eigentlich?

Wenn man an Cyberkriminelle denkt, kommen einem automatisch Hollywood-Bilder von Unbekannten in Kapuzenpullis in den Sinn, die in einem Keller vor fünf Bildschirmen sitzen und ihren Blick auf das Pentagon richten. Die Wahrheit sieht allerdings oftmals ganz anders aus. Denn man braucht weder fünf Bildschirme noch große Kenntnisse über Sicherheitssoftware, um an das Geld von Internetnutzern zu gelangen. Sogar ein Kapuzenpulli ist dafür nicht zwingend erforderlich. Viele Anwender verraten ihre Zugangsdaten nämlich freiwillig, wenn man sie darum bittet.

Alles, was dazu benötigt wird, ist eine E-Mail im beispielsweise Amazon-Look, die Empfänger über ungewöhnliche Kontoaktivitäten oder eine AGB-Änderung unterrichtet. Anschließend wird das Opfer dazu aufgefordert, eine Autorisierung durchzuführen, indem er einen Link anklickt und sich in seinem Account anmeldet. Nur führt der Link nicht zur Amazon-Website, sondern zu einer Kopie. Die hier eingetragenen Login-Daten landen direkt bei den Cyberkriminellen. Mittlerweile steckt hinter Phishing eine regelrechte Industrie.

Weitere Betrugsmaschen & Schutzmechanismen:

So schützt du dich

Sobald die Betrüger deine Nutzerdaten erbeutet haben, können sie diese beispielsweise zum Identitätsdiebstahl verwenden. Sollten die Anmeldedaten zu einem mit dem Bankkonto verknüpften Dienst gehören, könnte auch dein Portemonnaie darunter leiden. Darum solltest du auf E-Mails im Allgemeinen und auf Nachrichten der oben genannten Anbieter im Besonderen achten. Weist die E-Mail Rechtschreibfehler auf? Wie sieht es mit direkter Kundenansprache aus? Handelt es sich bei dem Absender respektive bei der E-Mail-Adresse des Absenders im Kopf der E-Mail tatsächlich um PayPal? Gehört die verlinkte Webseite dem Online-Bezahldienst oder ist die URL eher kryptisch? Alle diese Fragen können eine Phishing-Mail enttarnen.

Eine weitere, gute Selbstschutz-Maßnahme stellt die Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) dar. Dabei handelt es sich um einen doppelten Anmeldeschutz, bei dem neben den Anmeldedaten eine zweite Anmeldeschranke eingerichtet wird – etwa in Form eines Codes, der auf eine zuvor hinterlegte Telefonnummer zugestellt wird. Diesen können Cyberkriminelle in der Regel nicht so einfach ergattern. Obwohl auch diese Schutzlinie nicht unüberwindbar ist. Weitere Informationen zu dem Thema erhältst du in unserem Phishing-Ratgeber.

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1 KOMMENTAR

  1. Frei

    So schützt du dich:
    Gesunden Menschenverstand einschalten, den viele nicht haben!

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