So verdienst du Geld mit den Paketen deiner Nachbarn

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Wer kennt es nicht: Es klingelt, vor der Tür steht der Paketbote und fragt, ob man für Herr oder Frau Soundso ein Paket annehmen kann. Als guter Nachbar und freundlicher Mensch macht man das natürlich. Doch stell dir vor, du würdest dafür auch noch Geld bekommen. Ab sofort ist das möglich. Wir zeigen dir wie das funktioniert, welche Anbieter es gibt wie viel du damit verdienen kannst.
DropFriends App auf dem SmartphoneBildquelle: Blasius Kawalkowski

Anderthalb Jahre lang hat Hermes seinen Dienst „PaketFuxx“ in Nürnberg getestet. Nun hat der Paketdienstleister das Pilotprojekt auf die Städte Berlin, Leipzig und Dresden ausgeweitet. Nahezu zeitgleich haben drei Gründer aus Köln das Start-up „DropFriends“ zum Leben erweckt. Ob PaketFuxx oder DropFriends: Beide Unternehmen verfolgen die gleichen Ziele: Sie wollen die Paketzustellung vereinfachen, sie umweltschonender gestalten und Paketdienstleister entlasten.

„DropFriends verbindet Menschen, um selbstbestimmt, termin- und lieferdienstunabhängig die Dinge, die sie lieben, tagesgleich auspacken zu können“, sagt Martin Peters, einer der drei Gründer. Hermes transportiert auf seiner Internetseite eine ähnliche Botschaft: „PaketFuxx ist ein Netzwerk von hilfsbereiten Menschen, die oft zu Hause sind und gerne Pakete für ihre Nachbarn annehmen. Ein PaketFuxx ist zu Hause, wenn der Paketbote kommt und du selber nicht da bist.“

Mehr Online-Bestellungen erfordern neue Zustellmethoden

Beide Unternehmen wissen, wie die Menschen heute einkaufen. Statt stundenlang durch Kaufhäuser und Shopping-Zentren zu spazieren und nach einem bestimmten Gegenstand zu suchen, bestellen viele die Jacke, ein neues Paar Schuhe oder auch den Kochlöffel einfach online – ganz entspannt von der Couch aus. Und sollten die Schuhe nicht passen oder die Farbe der Jacke einem doch nicht gefallen, gehen die Produkte einfach zurück.

Doch so komfortabel das für den Käufer ist; die Lieferkette wird um mehrere Glieder verlängert. Vor allem Paketdienstleister wie DHL, Hermes, DPD und Co. bekommen das immer wieder zu spüren. Insbesondere vor Weihnachten gehen die Zusteller auf dem Zahnfleisch. Hinzu kommt: Ist man selbst nicht zu Hause, wird das Paket beim Nachbarn oder am nächsten Kiosk abgegeben – bestenfalls. Schlimmstenfalls landet es in einer Postfiliale und du kannst es am nächsten Werktag abholen. Glück hat der, dessen Filiale auch dann noch geöffnet hat, wenn man selbst nicht verhindert ist.

DHL setzt auf Metallschränke, Hermes und DropFriends auf den Nachbarn

Die DHL-Lösung für die Probleme: rund 4.500 Packstationen deutschlandweit. Wer sich für einen dieser Schränke entscheidet, kann sein Paket theoretisch rund um die Uhr abholen. Hermes und DropFriends versuchen die Probleme mit Menschen zu lösen. Nachbarn sollen dafür bezahlt werden, wenn sie Pakete für jemanden annehmen, der nicht zu Hause ist.

Wie das funktioniert? Wenn du bereit bist, Pakete für Nachbarn und andere fremde Menschen anzunehmen, kannst du dir die jeweilige App auf dein Smartphone herunterladen und dich registrieren. Ob PaketFuxx oder DropPoint – so nennt das Kölner Start-up seine Annahmestellen: In beiden Fällen ist das Vorgehen ähnlich.

PaketFuxx
PaketFuxx
Entwickler: Hermes Germany GmbH
Preis: Kostenlos
DropFriends
DropFriends
Preis: Kostenlos

Besteller von Schuhen, Jacken oder Kochlöffeln bekommen in derselben App angezeigt, wo sich PaketFüxxe oder DropPoints befinden. Bei einer Bestellung gibt man diese Daten dann als Adresszusatz beziehungsweise Lieferadresse an. Der Clou daran: Du kannst dir einen PaketFuxx oder DropPoint in der Nähe aussuchen, der auch dann „geöffnet“ hat, wenn du Zeit hast, dein Paket abzuholen. In der App siehst du, ob dein Paket bereits zugestellt wurde.

‎PaketFuxx
‎PaketFuxx
Entwickler: Hermes Germany GmbH
Preis: Kostenlos
‎DropFriends
‎DropFriends

Schwergewicht vs. Start-up: So unterscheidet sich PaketFuxx von DropFriends

Ein PaketFuxx, der Pakete für andere annehmen will, ist mit Namen und Adresse in der App zu finden. Private Daten legt man also offen – ganz so wie früher, als das Telefonbuch noch in jeder Telefonzelle auslag.

DropFriends App

Darüber hinaus funktioniert deine PaketFuxx-Annahmestelle ähnlich wie die Postfiliale. Du weißt nicht, wer sein Paket abholen kommt und wann die Person erscheint. Womöglich schon morgens um 5 Uhr vor der Arbeit. Oder am Sonntagabend um 22 Uhr. Fraglich ist, ob Pakete versichert sind, wenn es innerhalb deiner Wohnung etwa zu einem Feuer- oder Wasserschaden kommt. Zudem musst du als PaketFuxx Lieferungen bis zu zehn Tage lang zu Hause lagern. Kommt sie der Besteller auch dann nicht abholen, musst du die Retour einleiten. Immerhin gibt das dann einen Extrabonus.

Bei DropFriends sieht das System etwas anders aus, obwohl der Gedanke ähnlich ist. Wer einen DropPoint eröffnen und Pakete für Nachbarn annehmen will, wird nur mit Profilbild und Vornamen angezeigt. Und auch erst dann, wenn man sich in der App registriert. Zudem muss man Pakete nur fünf Tage lang aufbewahren. Retouren laufen über das Start-up selbst. Der Nachteil gegenüber Hermes’ PaketFuxx: Bislang gibt es bei Weitem weniger Annahmestellen (DropPoints). Dafür aber kann man Uhrzeiten angeben, wann der eigene DropPoint „geöffnet“ ist. Hinzu kommt: Du kannst selbst bestimmen, wie viele Sendungen du annehmen möchtest und wie groß und schwer diese sein dürfen. Hast du nur eine kleine Wohnung und das Maximum ist bereits erreicht, sind weitere Buchungen für deinen DropPoint erst wieder möglich, wenn die von dir vorgehaltenen Sendungen abgeholt wurden. Als PaketFuxx musst du alle Sendungen annehmen, die der Paketbote dir zur Weitervermittlung bringt.

So viel können „Nachbarn“ mit der Annahme von Paketen verdienen

PaketFuxx App von Hermes

Bei DropFriends bekommst du pro angenommenes Paket zwischen 50 Cent und 1 Euro. Bleibt das Paket fünf Tage bei dir liegen, ehe es abgeholt wird, bekommst du für die Paketaufbewahrungszeit 4 Euro zusätzlich. Zudem können Abholer dir ein Trinkgeld via App schicken.

Hermes PaketFuxx spuckt hingegen nur 30 Cent pro Paket aus. Dafür aber ist er für Besteller kostenlos. Das bedeutet, dass Sendungen, die an einen PaketFuxx liefern lässt, nicht mehr kosten. DropFriends berechnet für diese Leistung 99 Cent.

Die Vorteile von PaketFuxx und DropFriends

Ob Hermes oder DropFriends: Die Vorteile liegen auf der Hand. Beide Dienste schaffen eine Entlastung des Straßenverkehrs und senken aufgrund weniger Fahrerei damit die CO2-Emissionen. Zudem kommt man schnell an seine Sendung, wenn man sie nicht selbst annehmen kann.

Allerdings fungieren PaketFüxxe und DropPoints auch als eine Art ausgelagerte Poststelle. Somit folgt bereits die erste Kritik am PaketFuxx. Im Play Store kritisiert eine Nutzerin den Dienst: „Tolle Idee an sich. Leider spornt das manche Zusteller an, erst recht nicht mehr bei den Leuten zu klingeln, egal ob sie da sind oder nicht.“

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