Perfide Aktion? OnePlus täuscht Smartphone-Nutzer

3 Minuten
OnePlus wird aktuell vorgeworfen, Benchmark-Tests manipuliert und die Leistung der beiden Handys OnePlus 9 und OnePlus 9 Pro verfälscht zu haben. Die Manipulation unterscheidet sich jedoch drastisch von den „üblichen“ Vorgehensweisen. Der Hersteller verteidigt sich.
OnePlus 9 Pro
OnePlus 9 ProBildquelle: Blasius Kawalkowski

Vertrauen ist in der Mobilfunk-Branche eine der wichtigsten Währungen. Nutzer vertrauen darauf, dass die Qualität eines Smartphones auf einem hohen Niveau ist. Beispielsweise sollte die Akkulaufzeit oder die Leistung nicht nach einem halben Jahr deutlich abnehmen. Aus ebendiesem Grund kann es für unbekannte Unternehmen recht schwierig sein, ihre Mobiltelefone an den Mann zu bringen. Das gilt insbesondere für das Oberklasse-Segment. Der chinesische Hersteller OnePlus hat es dennoch geschafft und mittels eines Unternehmensforums sogar ein besonders enges Band zu seinen Nutzern geschaffen. Ein Band, das nun zu zerreißen droht. Denn der Hersteller hat seinen Nutzern etwas vorgegaukelt – obgleich möglicherweise unbeabsichtigt.

OnePlus 9 & OnePlus 9 Pro: Manipulierte Benchmark-Tests

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Hersteller seine Benchmark-Tests, also die Leistungsüberprüfung eines Smartphones, manipuliert. Einige Unternehmen haben etwa die Mechanismen, die ein Handy vor dem Überhitzen schützen sollen, deaktiviert, um ein besseres Testergebnis zu gewährleisten. Bei OnePlus lief die Manipulation dagegen etwas anders ab: Der chinesische Hersteller hat laut Angaben des Portals AnandTech die Leistung beim Ausführen der meisten, populären Apps wie unter anderem Twitter, Google Chrome, Microsoft Office, Amazon, Zoom, TikTok, Instagram, Discord, WhatsApp und YouTube gedrosselt – wohl zum Zweck der Laufzeitoptimierung. Nicht gedrosselt wurden lediglich unbekannte Anwendungen, einige Spiele sowie sämtliche Benchmark-Apps.

Grundsätzlich „mogelt“ OnePlus bei den Leistungstests somit nicht. Allerdings entspricht die gemessene Performance nicht dem, was die Nutzer im Alltag erleben. Folglich sind die Benchmark-Ergebnisse genauso unbrauchbar wie die der aktiv manipulierten Benchmarks.

Geekbench reagiert mit einem Bann

Mit über einer Million Downloads im Play Store gehört Geekbench 5 zu den bekannteren und beliebteren Benchmark-Tests. Im aktuellen Fall hat sich der dahinter stehende Entwickler, Primate Labs, dazu entschieden, die beiden Smartphones OnePlus 9 und OnePlus 9 Pro kurzerhand aus den eigenen Benchmark-Tabellen zu entfernen. In einem Twitter-Post erklärte das Unternehmen darüber hinaus, dass man auch weitere OnePlus-Geräte überprüfen und gegebenenfalls entfernen werde.

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OnePlus meldet sich zu Wort

OnePlus hat sich derweil ebenfalls zu Wort gemeldet. Gegenüber dem Portal XDA-Developers erklärte der Smartphone-Hersteller, man habe lediglich versucht, Nutzerwünschen zu entsprechen und die Akkulaufzeit sowie das Wärmemanagement zu optimieren. „Dies kann sich zwar auf die Leistung der Geräte in einigen Benchmark-Apps auswirken, aber unser Fokus liegt wie immer darauf, alles zu tun, um die Leistung des Geräts für unsere Benutzer zu verbessern“, hieß es in dem Statement. Nur haben sich die Leistungsanpassungen eben nicht auf die Benchmark-Ergebnisse ausgewirkt. Stattdessen wurden diese offenbar bewusst außen vor gelassen. Ob OnePlus die Anpassungen künftig wieder rückgängig macht oder gar ausweitet, bleibt offen.

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6 KOMMENTARE

  1. Avatar Manfred Schuermann alias Key B. Hacker

    Können Sie sich vorstellen, dass es jemanden gibt, der seine Smartphones noch nie „gebenchmarkt“ hat?
    Zum Beispiel mich als einen schlimmen Ignoranten?
    Mein Huawei P20 Pro, mein Samsung A52 und jetzt mein zweckgebundenes Smartphone MOTO G20: Die funktionieren einfach. Sie tun mit den genutzten APPS, was sie sollen, und das tun sie „schnell“.
    Mit freundlichen Grüßen

    Antwort
  2. Avatar Harrytipper

    Moment.. soll das heißen dass ich von den Benchmarkergebnissen nicht direkt auf die User experience schließen kann?
    Grad Mal getestet: in den Einstellungen das harte Beenden von WhatsApp erzwungen, danach neu gestartet. Es erscheint beim öffnen der Ladescreen gerade so lange, dass ich das „by Facebook“ noch ausmachen kann.
    Wenn selbst der schwächste Kern des Chips das Programm so mühelos bewältigt bin ich für jede dadurch erkaufte Laufzeitverlängerung bzw Akkuschonung dankbar.

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  3. Avatar Ulrich

    Das sind Nerd-Probleme!

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  4. Avatar Matthias Marco Christ

    Das ist aber noch nicht alles. OP verkauft 5G Telefone die z. B. in Deutschland bei o2 nicht nutzbar sind. Und nicht nur in Deutschland. Wenn man die Foren durchstöbert sind einige Länder davon betroffen. Sowas ist, in meinen Augen betrug.

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  5. Avatar Marc

    Benchmarks sind irrelevant, weil sie – wie IQ-Tests – nur messen, wofür sie gebastelt wurden. Im normalen Einsatz zählt, was im normalen Einsatz beim User ankommt, nicht irgendwelche Benchmark-Hirngespinste.
    OnePlus ist bekannt dafür, seine User zu täuschen. Siehe Facebook-Library im Systemupdate, nachdem man erklärt und „versprochen“ hat, keine unnötigen (und gar schädlichen) Third-Party-Bloats einzubauen. Das war sogar mal DAS Verkaufsargument für OnePlus.
    Man kann dieser Firma schon länger nicht mehr trauen – das ist inzwischen, mit der Zusammenlegung mit einer der anderen Schwesterfirmen aus dem Konglomerat, aber auch egal.

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  6. Avatar Michael Meß

    OnePlus verkaufte schon seit Jahren Telefone, die mit VoLTE beworben werden, aber bei denen für viele europäische Provider keine entsprechenden IMS-Profile hinterlegt wurden. Das riecht nach Betrug, könnte aber auch Schlampigkeit bei der Pflege der Firmware sein. Aufgefallen ist es jedenfalls erst, als der Vertrag dann irgendwann auch 4G unterstützte, aber damit kein VoLTE nutzbar war. Die Hardware unterstützt jedoch VoLTE und findige Nutzer haben Wege gefunden, um das Handy zu „überreden“, sich doch in das IMS der Provider einzuwählen, so daß VoLTE und VoWifi verfügbar sind.
    Beim Oneplus 5 funktioniert dies seit dem Upgrade auf Android 10 nicht mehr so, man hat dort wohl einen Riegel vorgeschoben, vermutlich in der Hoffnung daß sich die Leute dann doch ein neues Gerät kaufen.
    Jetzt mit der UMTS-Abschaltung funktioniert Telefonie nur noch dann, wenn neben LTE noch ein altes Edge-Netz verfügbar ist, damit der Circuit-switched-Fallback nicht ins Leere geht.
    Das ist eine neue Form von Geplanter Obsoleszenz.
    Aber gut, dann telefoniere ich in Zukunft einfach mehr mit Signal und nutze dafür das LTE mit bester Sprachqualität oder örtlich vorhandenes WLAN und brauche auch keine Telefonflatrate mehr, Internet reicht dann vollkommen, eventuell sogar nur noch per WLAN.
    Wenn die Provider dann irgendwann merken, daß Einnahmen wegbrechen, werden sie vielleicht mehr Druck machen, daß Hersteller auch bei älteren Geräten noch aktuelle IMS-Profile pflegen (auch wenn sie keine Geräte davon verkaufen), oder vielleicht wird es ja einen Standard geben, wo die Handyhersteller einfach providerunabhängig IMS unterstützen müssen und die nötigen Daten dafür dann aus der Simkarte kommen oder vom Anbieter online bereit gehalten werden, so daß das Gerät einfach macht, was es kann, wenn es die aktuelle reingesteckte Simkarte anbietet.
    Als Kunde hat man ein Interesse daran, daß man die Funktionen, die ein Handy kann, einfach immer nutzen kann, auch wenn der Provider kein Vertriebs-Abkommen mit dem Handyhersteller hat und auch, wenn das Gerät nicht mehr ganz neu ist.
    Vielleicht sollte die Bundesnetzagentur da mal ein Machtwort sagen oder die Politik Gesetze schaffen, die es verbieten, Geräte so zu konstruieren, daß sie ihre technisch mögliche Leistung nur mit bestimmten Providern liefern, für die ein Profil firmwaremäßig hinterlegt wurde und vorgeschriebene Netzneutralität sollte auch bedeuten, daß auch ein kleiner Prepaid-Kunde mit wenig Datenvolumen alle Netze (incl. 5G) nutzen kann, falls er ein dafür geeignetes Gerät besitzt.
    Wer einen teueren Vertrag bzw. Tarif nutzt, kann dann eben mehr telefonieren und mehr Datenvolumen nutzen.
    Zumindest die Betreiber dürften ein Interesse daran haben, daß vorhandene Technik auch mit jedem Betreiber vollständig funktioniert, auch wenn der Technikhersteller den jeweiligen Betreiber gar nicht kennt, wollen sie nicht in Zukunft bedeutungslos werden. Schon jetzt ist ja deutlich erkennbar, daß die Nutzer zunehmend mehr das Internet nutzen und Sprachtelefonie immer mehr abnimmt.
    Auch wenn die heute verkauften Handies wohl wahrscheinlich alle VoLTE mit deutschen Providern können, so wiederholt sich das Problem mit 5G ziemlich sicher wieder, weil noch immer Parameter hardcodiert im Telefon verankert sind, also z B. welche LTE-Bänder von welchem Provider verwendet werden oder welche 5G-Bänder und welche Kombinationen davon verwendet werden.
    So manches aktuelle 5G-Handy weigert sich dann mit deutschen Providern richtig zusammenzuarbeiten, obwohl die verbaute Technik es doch eigentlich können müsste. Und wenn man Pech hat, wartet man vergeblich auf Software-Updates, die das Problem entgültig beheben.
    Ein neues Handy werde ich mir daher ganz sicher nicht holen, solange dieses Problem nicht entgültig gelöst ist, indem die Konfiguration ins Netz gesteckt und nicht mehr im Handy verbaut wird.

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