Offiziell: 10 Mbit/s Internet sind schnell genug!

3 Minuten
Glasfaser in ganz Deutschland bis 2030 ist das Ziel, was schwer zu erreichen sein dürfte. Gigabit für alle wäre das Ergebnis. Doch einen Anspruch darauf hast du nicht. Denn diesen Anspruch hat die Politik nun erst einmal auf 10 Mbit/s gedeckelt. Der Bundesrat hat entschieden.
Ein DSL-Modem mit LEDs für DSL und Internet
Mit DSL ins InternetBildquelle: Ensuper / Shutterstock.com

Der Bundesrat hat am heute einer Verordnung der Bundesnetzagentur zugestimmt, die Mindestanforderungen für den Internetzugang festlegt. Hast du bisher keinen ausreichenden Zugang zu Internetdiensten, so soll dir das erstmals einen individuellen rechtlichen Anspruch geben. Ziel ist die wirtschaftliche und soziale Teilhabe für alle durch ein „digitales Auffangnetz“. Soweit die Theorie.

Hintergrund ist eine EU-Richtlinie. Sie verpflichtet den Bund zur sogenannten Universaldienstgewährleistung verpflichtet. Die Internetanbieter müssen mit nun Bandbreiten von mindestens 10 Mbit/s im Download beziehungsweise mindestens 1,7 Mbit/s im Upload leisten. Die Latenz – also die Verzögerungszeit darf höchstens 150 Millisekunden betragen. Heißt im Klartext: Hast du heute einen Anschluss, der dir 11 oder 12 Mbit/s liefert, hast du keine rechtliche Handhabe, mehr zu bekommen.

Die Parameter der Verordnung orientieren sich nach Angaben des Bundesrates im Durchschnitt dessen, was heute in Deutschland von 80 Prozent der Nutzer gebucht wird. Nach Angaben der Bundesnetzagentur ist die Verordnung nur der erste Schritt einer dynamischen Entwicklung, die sich an den künftigen Bedürfnissen orientiert. Sie soll rückwirkend zum 1. Juni 2022 in Kraft treten.

Bundesrat ist mit 10 Mbit/s nicht zufrieden

Doch der Bundesrat weiß offenbar selbst, dass 10 Mbit/s nicht das Maß der Dinge sind. Im Vorfeld des Beschlusses hieß es auch, man wollte mindestens 30 Mbit/s und die Verordnung blockieren. Doch dazu ist es nun nicht gekommen. In einer Entschließung kritisiert der Bundesrat aber, dass die Verordnung den Erwartungen an „schnelles Internet“ nicht gerecht werde. Daher fordert der Bundesrat die Bundesregierung auf, die Mindestversorgung vor dem Hintergrund der stetig steigenden technischen Anforderungen an Internetzugangs- und Sprachtelekommunikationsdienste zügig weiterzuentwickeln. Der Bundesrat bemängelt ferner, dass vor allem in Mehrpersonenhaushalten die aktuellen Mindestversorgungsraten nicht ausreichen, um parallel aufkommende Bandbreitenbedarfe – zum Beispiel beim Homeoffice oder bei der Nutzung digitaler Bildungsangebote zu decken.

Eine Studie soll nun ermitteln, wie viele Haushalte vom Recht auf Versorgung mit Telekommunikationsdienstleistungen betroffen sind. Die Studie soll auch klären, wie viele dieser Anschlüsse sich leitungsgebunden oder mit drahtlosen Anschlusstechnologien realisiert lassen.

Satellit als Ersatz zu DSL

Wenn du also gehofft hast, morgen bei einem Anbieter anrufen zu können, der dir dann direkt eine Leitung legen muss, so wirst du enttäuscht sein. Das würde auch wegen entsprechender baulicher Vorbereitungen, Genehmigungen und einigem mehr gar nicht funktionieren. So ist mit dem Recht auf schnelles Internet auch nicht der Anspruch auf eine DSL– oder Glasfaserleitung gemeint.

Vom Breitband-Branchenverband Breko heißt es dazu in einer Stellungnahme, die Bundesnetzagentur müsse dafür sorgen, dass andere Technologien zum Einsatz kommen. Insbesondere in dünn besiedelten Gebieten und Einzellagen seien drahtlose Internetzugangstechnologien wie Mobilfunk und Satellitenkommunikation eine Alternative. „Durch den Einsatz drahtloser Technologien lässt sich die digitale Teilhabe für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger schnell und unbürokratisch sicherstellen, ohne, dass ohnehin knappe Baukapazitäten umpriorisiert werden müssten, und damit das Ausbautempo beim Glasfaserausbau deutlich verringert wird.“

Der Satellitenbetreiber Starlink erfüllt beispielsweise die Vorgaben der Politik – auch hinsichtlich der Latenz. Allerdings sind die monatlichen Kosten mit 100 Euro enorm hoch.

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8 KOMMENTARE

  1. Frei

    10 Mbit/s reicht für fast alle private Anwendungen.
    Auch wenn viele deutlich mehr haben.
    150 ms Ping ist zu langsam für Telefonie / Chat.
    Nennt Anwendungen für die 10 Mbit/s nicht reichen?

    Mit den MBits- Fetischismus ist ähnlich wie mit schneller oder „längeren haben“… Ähnlich auch bei G5.
    Und für die Firmen ist es Marketing Masche, um neu zu verkaufen…

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  2. Frei

    Es gab Zeiten da reichten 2 MBit/s via Kabel voll aus.
    Und zu Zyxel-Modem Zeiten (damals für ca. 800 DM) waren 19800 kBit/s das nonplusultra und das Stataus- Symbol…
    Wonach werden die MBit-Fetischisten in 20 Jahren lechzen?

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    • Frei

      Korrektur:
      Sollte heissen Zyxel 1496E+ Modem mit max. 19200 Bps (Bit pro Sekunde)
      https://www.stcarchiv.de/stc1993/08/zyxel-1496e

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  3. Ben 911

    Du vergleichst doch Äpfel mit faulen Birnen. Da die Anwendungen immer größer werden ist man mit 10mbit schnell am ende, das reicht ja nicht mal um gute 4 K Filme ordentlich zu streamen. Wir leben in der Gegenwart, was mal war war eben mal. Die Entwicklung geht weiter, ausser in De, da bleibt alles stehen da man für nix mehr Geld hat. Und die Konzerne zocken uns mit Uralttechnik ab die sie schon Jahrelang am Netz haben und so null Kosten zur Modernisierung ausgeben müssen.

    Wo gehen denn die ganzen eingenommenen MRD hin der Tel Konzerne hin? Wo versickert das ganze Geld?

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    • Frei

      Nenne private Anwendungen für die 10 Mbit/s nicht reichen?

      Antwort
      • Aperture

        Hat er doch.. vor allem bei mehreren streams gleichzeitig, was ja öfter in einer Familie vor kommt.

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  4. Ben 911

    <es reichen auch 500kbit. Macht es aber Sinn immer größere Anwendungen mit 10mbit zu laden? Oder frag mal Zocker.

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  5. Daniel

    10 Mbit sollen das sein was jetzt schon 80% der Haushalte buchen? Ja klar is es das was die buchen, weil es nichts schnelleres gibt. Wo is da die Logik?

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