O2-Chef Haas: „5G wird in Deutschland missbraucht, um Altlasten zu lösen“

3 Minuten
Es ist ein fast schon traditionelles Treffen: Jedes Jahr auf dem Mobile World Congress (MWC) stellt sich O2-Chef Markus Haas den Fragen ausgewählter Journalisten. In diesem Jahr stand natürlich 5G und die bevorstehende Frequenzauktion im Fokus des Interesses.
O2-Chef Markus Haas posiert im Anzug für ein Foto
Bildquelle: Telefónica

Für Markus Haas ist es ein spannender MWC. Überaus interessant sei das, was man auf der weltgrößten Mobilfunkmesse in Barcelona mit Blick auf 5G zu sehen bekomme.  „Für mich ist vieles anfassbarer und klarer geworden“, sagte der Chef von Telefónica Deutschland am Dienstagabend abseits des Messegeländes vor Journalisten. „Das intelligente Verknüpfen von Dingen wird relevanter denn je.“

O2 investiert massiv in das eigene Netz

Dass dafür ein gutes Mobilfunknetz Voraussetzung ist, weiß Haas. Und dass Telefónica in Deutschland noch immer viel zu tun habe, gerade mit Blick auf Investitionen in das eigene Mobilfunknetz, auch. „Wir werden in diesem Jahr noch einmal 10.000 LTE-Elemente in unser Netz integrieren. Wir starten nach der Konsolidierung der Netze von E-Plus und O2 eine absolute Qualitätsoffensive. Kein anderes Telekommunikationsunternehmen in Europa hat jemals in einem Jahr einen solchen Vorstoß mit tausenden neuen LTE-Elementen gestartet“, so Haas.

Mit dem, was im Jahr 2019 passiere, sei aber das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht. Auch in den kommenden fünf bis zehn Jahren werde Telefónica jedes Jahr tausende zusätzliche Mobilfunk-Standorte für das O2-Netz errichten müssen. Das sei notwendig, um nicht nur den eigenen Ansprüchen, sondern auch jenen der Kunden gerecht zu werden. Und darauf freue er sich, so Haas, der erst kürzlich seinen Vertrag als Chef von O2-Deutschland um vier Jahre verlängerte. „Die vergangenen 20 Jahre waren schon aufregend, aber was wir jetzt vor uns haben mit 5G, mit einer Kabel-Konsolidierung, mit vielen Infrastruktur-Themen, aber auch mit einer absoluten Explosion des mobilen Datenverkehrs, wird noch viel spannender.“

5G in Deutschland – Probleme allerorten

Doch aktuell muss sich der Chef von Telefónica Deutschland auch ganz anderen Herausforderungen stellen. Schließlich ist es doch unter anderem sein Unternehmen, das die 5G-Frequenzaution per Eilantrag stoppen will. Noch vor Telekom und Vodafone zählte O2 die bevorstehende Frequenzauktion mit einem juristischen Vorstoß an. Fraglich ist für Haas nicht nur die Frage, wie es mit Blick auf das geplante National Roaming für Mobilfunk-Neueinsteiger in Deutschland (Drillisch/United Internet) weitergehen soll, sondern er möchte auch erreichen, dass die von der Bundesnetzagentur festgelegten Auflagen für die Frequenzvergabe, noch einmal überdacht werden.

„Aktuell haben wir eine Mischpoke aus einem politischen Konsens, wo mit Frequenzen, mit denen überhaupt keine Flächen abzudecken sind, eine Flächenversorgung trotzdem erreicht werden muss“, so Haas. Das koste am Ende unter Umständen viel Geld und könnte sogar Preiserhöhungen nach sich ziehen. Damit sei den Verbrauchern in Deutschland in keiner Weise geholfen, ist sich der O2-Manager sicher.

Haas-Forderung: Altlasten nicht mit 5G lösen

Mehr noch: Bei den festgelegten Rahmenbedingungen seien Dinge vermischt worden, die nichts miteinander zu tun haben, mahnt Haas. „5G wird gerade missbraucht, um Altlasten zu lösen. Eine Unzufriedenheit, die bei 3G, also UMTS, und 4G, LTE, da ist, mit einer neuen Technologie zu vermischen, ist der falsche Weg. Dafür kann 5G nichts. Wir müssen die Probleme dort lösen, wo sie tatsächlich existieren.“

Man wolle sicher nicht den Fortschritt in Deutschland aufhalten, so Haas weiter. Aber man wolle sinnvoll in Netze investieren. „Schlimm wäre es, wenn unsere finanziellen Mittel nur beim Staat landen und nicht da, wo sie eigentlich landen sollen: im Netz und damit bei einer hohen Kundenzufriedenheit.“

Deine Technik. Deine Meinung.

2 KOMMENTARE

  1. Egal wie doof man o2 findet, sind die einzigen, bei denen man eine Besserung im netz in den letzten 2 Jahren spüren kommte. Klar, das Eplus Netz ist alles andere als Funklochfrei, aber ganz ehrlich.

    Wenn ich irgendwo keinen Empfang habe, hat mein anderes Vodafone Handy auch Null empfang, und mein Kollege mit Telekom vlt 1 Balken und Edge, damit kann man dann auch nichts anfangen.

    Nur zahle ich 15€ im monat und mein Kollege 40€. Dafür hat er dann halt auchmal 5Sek mehr Internet als ich.

  2. Außerhalb der Ballungszentren ist besonders bei O2 das 2G-Netz trauriger Alltag. Da auch 3G für heutige Ansprüche zu langsam ist, setzte Mobilfunk-Deutschland alle Hoffnung auf 4G. Und dort haben die 3 Anbieter alles getan, um mit wenig Einsatz größtmöglichen Profit zu machen. Die Folge sind massig Funklöcher, die diese Konzerne beschämen sollten.
    O2 holt trotz aller Anstrengung nur schleppend auf, so dass sich mit Vodafone und Telekom lächerliche 2 Anbieter den Markt aufteilen. Funktionierende Konkurrenz sieht anders aus.
    Damit bei 5G nicht schon wieder Rosinenpickerei stattfindet, soll, kann, muss seitens der Politik Druck ausgeübt werden. Ich verstehe das Gejammer unter den Bietern nicht, letztlich zahlt doch der Kunde die Zeche.

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein

geschützt durch reCAPTCHA Datenschutzerklärung - Nutzungsbedingungen

VERWANDTE ARTIKEL