Zwischen 90er-Retro und teurem Spaß: Mario Kart Tour im persönlichen Test

5 Minuten
Seit Ende September gibt es DEN Klassiker der Nintendo-Konsolen aus den 1990er Jahren auch für Smartphone und Tablet: Mario Kart Tour heißt das kostenlose Spiel, das einen beeindruckenden Start hinlegte. 10 Millionen Mal wurde es schon heruntergeladen. Doch wie viel Spaß macht das Spiel wirklich? Wir geben dir einen ganz persönlichen Eindruck.
Mario Kart Tour
Bildquelle: Google

Ich gebe es zu, das Ressort „Gaming“ ist wahrlich nicht meins bei inside digital. Die letzte Konsole, an der ich ernsthaft gespielt habe, heißt Super Nintendo. PC-Spiele? Nicht wirklich. Mein PC dient zum Arbeiten oder anderem Bürokram. Mit World of Warcraft, Call of Duty und wie sie alle heißen habe ich keine Berührungspunkte.

Und selbst Smartphone-Spiele haben mich bisher kaltgelassen. Ja, das gilt auch für Pokemon Go. Doch dann hab ich im Google Play Store gesehen, dass es Mario Kart Tour jetzt auch für Android (und das iPhone) gibt. Als alter Nintendo-Fan erinnere ich mich, wie ich als Kind und Jugendlicher mit Freunden und Familie mit Yoshi, Mario und Daisy vor unserem Röhrenfernseher gesessen habe und um die Wette gefahren bin. Um es gleich vorweg zu nehmen: Dieses Erlebnis bringt mir Mario Kart Tour leider nicht zurück, denn einen Multiplayer-Mode mit anderen Freunden gibt es (noch) nicht. Zwar gibt es Freundes-Listen im Spiel, doch die dienen nur dem Punkte-Vergleich.

Mario Kart Tour
Mario Kart Tour
Entwickler: Nintendo Co., Ltd.
Preis: Kostenlos+
‎Mario Kart Tour
‎Mario Kart Tour
Entwickler: Nintendo Co., Ltd.
Preis: Kostenlos+

Mario Kart Tour – das schnelle Rennen zwischendurch

Mario Kart Tour ist für mich so etwas wie der Wiedereinstieg in die Spielewelt. Um die Kinder der 1970er und 1980er Jahre abzuholen, die irgendwann den Anschluss an die Spielewelt verloren haben, ist Mario Kart Tour Super. Man kann beispielsweise die morgendliche Pendlerzeit nutzen, und ein paar Runden fahren. Ein Rennen dauert kaum länger als drei Minuten. Da kannst du auch schnell mal die Werbepause im Fernsehen überbrücken.

Für den Flieger taugt das Spiel nicht – außer du hast WLAN an Bord: Internet ist Pflicht, Daten werden aber kaum übertragen. Denn anders als bei einem Cloud-Game liegen alle Daten auf dem Handy, nur die Spielstände werden aktuell zu Nintendo gefunkt. Dafür brauchst du übrigens einen Nintendo-Account. Ohne den geht‘s nicht. Download? Check! Nintendo-Account? Check! Internet? Check. Los geht‘s. Und das mit einer wie ich finde beeindruckenden Grafik und einer leichten Steuerung, die sogar ich als Spiele-Dummy nach zwei Runden gut hin bekomme. Angenehm dabei: Das Spiel ist als Hochkant-Spiel ausgelegt, lässt sich also mit einer Hand steuern.

Rubine, Cups und Level – das Spiel verlangt Einsteigern einiges ab

Doch die Komplexität für Nicht-Spieler ist hoch – vielleicht zu hoch. Denn mit Sternen, Münzen, Rubinen gibt es gleich drei Währungen im Spiel, mit denen du unterschiedliche Upgrades bekommen kannst. Mario Kart Tour besteht aus mehrere Cups, die ihrerseits jeweils aus drei Haupt- und einem Bonusrennen bestehen.

Für jede Strecke gibt es bestimmte Fahrer, Fahrzeuge und Gleitschirme, die sich als am geeignetsten erweisen sollen. Welche das sind, ist zwar im Spiel dokumentiert, doch merken kann sich das niemand. Und ganz nebenbei gibt es noch Ranglisten, Spieler-Level, Missionen, Röhren und Geschenke. Bis man die ganzen Funktionsweisen und Zusammenhänge verstanden hat, dauert es schon ein wenig.

Salon-fähiges Cheaten: Kauf dir deine Upgrades

Überhaupt ist es am Ende doch sehr zeitaufwändig, im Spiel voran zu kommen. Denn nur, wenn man einen Cup mit Bravour abschließt, wird der nächste freigeschaltet. Schaffst du das nicht, hängst du fest. Oder du musst zahlen. Und zwar mit echtem Geld. Was in den 1990er Jahren als cheaten galt, kannst du dir nun erkaufen. Mit echtem Geld versteht sich.

Dafür gibt es einen Shop. Hier bekommst du einen Goldpass für knapp 5,50 Euro pro Monat. Mit ihm erhälst du mehr Punkte und Sterne und die größte ccm-Rennklasse. Es gibt aber auch ein „Sonderangebot“, das dir Rubine, Mario als neuen Fahrer und Sterne bringt – für 22 Euro. Willst du noch mehr Geld ausgeben, ist das möglich – bis zu 75 Euro für 135 Rubine. Der Gegenwert im Spiel ist da eher zweifelhaft. Ja, auch in anderen Spielen ist das üblich – so viel weiß auch ich als Nicht-Gamer. Gut finden muss es deswegen trotzdem nicht.

Anfangs-Erfolg: Wirklich gut gefahren oder Lockmittel?

Nach etwas mehr als einer Woche spielen durfte ich mich zwar einmal als Ranglistensieger fühlen, doch seitdem geht es nicht mehr wirklich voran. Aus jedem Rennen und jedem Cup muss ich die letzten Sterne rausquetschen, um weiterzukommen. Und das ist mühsam und scheint teils unmöglich. Oder kannst du mir sagen, wie man im Knochen-Browser-Cup in Browsers Festung 1R auf über 7.000 Punkte kommen soll? Außer dafür echtes Geld zu bezahlen.

Fairerweise muss man aber auch sagen: Mario Kart Tour von Nintendo macht bislang auch ohne Geld zu zahlen Spaß. Ohne Werbung und ohne erzwungene In-App-Käufe kann man schon lange spielen. Stellt sich die Frage, wie lange das nach der Anfangsphase so bleibt und ob Nintendo nicht nur die Anfangs-Euphorie hoch halten will, bis der Spieler in dem Spiel gefangen ist und am Ende doch zahlt. Mit täglichen Geschenken, die ab 8 Uhr morgens freigeschaltet sind, will Nintendo zumindest dafür sorgen, dass du jeden Tag das Spiel öffnest. Und jetzt versuche ich noch einmal mein Glück, den Knochen-Browser-Cup endlich abzuschließen.

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