Nach WhatsApp-Warnung: Kritik an der Kritik

3 Minuten
Nach dem Hacker-Angriff auf Politiker und Prominente wurde das politische Berlin aufgeschreckt. Von allen Seiten kamen mehr oder weniger sinnvolle Forderungen an Nutzer, Anbieter und den deutschen Staat. Bundesdatenschutzbeauftragter Ulrich Kelber riet gar von der Nutzung des Messenger-Dienstes WhatsApp ab. Nun kommt die Retourkutsche.
WhatsApp, Telegram und Facebook Messenger auf einem Smartphone
Bildquelle: Simone Warnke/inside handy

Der oberste Datenschützer in Deutschland, Ulrich Kelber von der SPD, hat in einem Interview mit Zeitungen der Funke Mediengruppe über den Messenger-Dienst WhatsApp gesprochen und eine eindeutige Position bezogen. WhatsApp ist ihm zu übergriffig, was seien Kontaktdaten betreffe. Er würde nie Nachrichten-Apps wie WhatsApp benutzen. Dabei begründet er seine Aussage damit, dass man als Politiker Kontaktdaten Dritter auf dem Smartphone gespeichert habe, die hochsensibel seien und WhatsApp die Kontaktliste komplett auslese.

WhatsApp-Warnung: Auf die Absage folgt die Ansage

Diese Aussage wird nun zum Bumerang. CDU-Digitalpolitiker Thomas Jarzombek meldete sich nun gegenüber dem Handelsblatt zu Wort. Er fordert „klare, aber auch realistisch umsetzbare Hinweise“ zum Gebrauch solcher Angebote. Seiner Meinung nach gehöre die Aussage Kelbers nicht dazu: „Ich halte es nicht für schlau, wenn der neue Datenschutzbeauftragte die Nutzer verunsichert, ohne Lösungen anzubieten“. Er fordert dagegen die „Mindeststandards für Login-Sicherheit“ zu erhöhen. Das könne mit einer Eigeninitiative der Industrie geschehen. Im Zweifelsfall, so der CDU-Politiker weiter, aber auch über gesetzliche Auflagen im Rahmen eines erweiterten IT-Sicherheitsgesetzes.

Jarzombek will auch eine Öffnung der Messenger-Dienste gegenüber ihren Konkurrenten. Damit hätten die Nutzer die Möglichkeit, einen sichereren Anbieter als WhatsApp zu nutzen. Was die Konsequenzen eines Austritts aus dem Messenger bedeutet, ohne dass eine Alternative etabliert ist, führt SPD-Digitalpolitiker Jens Zimmermann aus: „WhatsApp ist ein Beispiel, dass sich viele Nutzerinnen und Nutzer bei einem Diensteanbieter gefangen fühlen. Wer da rausgeht, bekommt vieles nicht mehr mit“. Deshalb müsse man den Datenschutz und die Sicherheit bei bestehenden Plattformen besser durchsetzen.

Kritik wegen WhatsApp-Warnung auch vom Verbraucherschutz

Klaus Müller, Chef der Verbraucherzentrale Bundesverband, spricht sich ebenfalls gegen die Aussage von Kelber aus. „Für Millionen normale Nutzer ist das Verlassen von WhatsApp – bei aller berechtigter Kritik – keine realistische Empfehlung, weil sie so mit ihrer Familie und Freunden kommunizieren“, sagte der VZBV-Chef gegenüber dem Handelsblatt. „Darum ist es wichtiger, dass die Datenschützer und Gerichte für rechtskonformes Verhalten von WhatsApp sorgen und datenschutzfreundliche Alternativen bekannter werden.“ Die Verbraucherzentrale Sachsen hat in dieser Richtung schon gehandelt. Vor kurzem haben die Verbraucherschützer Facebook wegen Datenschutzvergehen mit einer Klage belegt.

WhatsApp machte, wie der Mutterkonzern Facebook, in den vergangenen Wochen und Monaten häufig Schlagzeilen. Vor allem Facebook wurde von Datenskandalen durchgeschüttelt. Jetzt schaltet sich auch das Kartellamt ein. Es will Facebook das Datensammeln verbieten. WhatsApp dagegen kam erst vor wenigen Tagen zurück in das Licht der Öffentlichkeit. Ein Kettenbrief, der angeblich einen Virus verbreitet, hielt Teile der Nutze in Schach.

Deine Technik. Deine Meinung.

Und was sagst du?

Bitte gib Dein Kommentar ein!
Bitte gibt deinen Namen hier ein

geschützt durch reCAPTCHA Datenschutzerklärung - Nutzungsbedingungen

VERWANDTE ARTIKEL